Die Deutsche Bahn will mit weniger Halten das Schienennetz entlasten und die bestehenden Verbindungen im Fernverkehr verlässlicher machen. Betroffen von den Kürzungen sind Düsseldorf und die Ruhrgebietsstädte Duisburg, Essen, Bochum und Hamm.
Ein Bahnsprecher betont, dass nur vier Prozent aller ICE-Halte von den vorübergehenden Streichungen betroffen seien: "Nordrhein-Westfalen verfügt über ein sehr dichtes Bahnnetz, das besonders stark ausgelastet ist. Gleichzeitig gibt es in NRW einen großen Sanierungsstau in der Infrastruktur, der zu vielen, auch kurzfristigen Baustellen führt."
Bahn verweist auf Regionalverkehr als Alternative
"Mit dem dichten Alternativangebot im Nahverkehr oder anderen Fernverkehrszügen gelangen die Fahrgäste weiterhin schnell zum nächsten Bahnhof, wo sie in die gewünschte Verbindung umsteigen können", so ein Bahnsprecher weiter.
Grund sollen die vielen Baustellen im NRW-Streckennetz sein
In Bochum und Duisburg sollen ab Samstag die bisherigen Direktverbindungen alle zwei Stunden nach Süden und an die Nord- und Ostseeküste wegfallen. Reisende sollen dann nach Essen ausweichen. In Hamm fällt der zweistündliche Halt in Richtung Dresden weg, dafür sollen Bahnkunden dann nach Dortmund oder Gütersloh ausweichen und müssten auch eine halbe Stunde mehr Fahrtzeit einplanen.
Streichungen vorerst bis Dezember
Die Kürzungen gelten laut Bahn vorerst bis zum nächsten Fahrbahnwechsel im Dezember. Dann will der Konzern die Erfahrungen auswerten. Durch den Wegfall einzelner Halte sollen die Fernzüge zuverlässiger und stabiler in NRW unterwegs sein, mit weniger Ausfällen und weniger Verspätungen.
Durch die hohe Zugdichte würden unpünktliche Verbindungen oft andere, pünktliche Züge mit ihren eigenen Verspätungen "anstecken", heißt es. Diese Gefahr soll durch weniger Halte verringert werden.
Pro Bahn: "Sinnvolle Notmaßnahme"
Die Bahn-Streichungen seien nachvollziehbar und als "Notmaßnahme" vertretbar, sagt Sprecher Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Wichtig sei, dass die Kürzungen befristet blieben und dass nur einzelne Halte ausfielen und nicht ganze Fahrten gestrichen würden. Gerade im dichtbefahrenen Hauptkorridor zwischen Dortmund und Düsseldorf gebe es durch den Fernverkehr auch viele Verspätungen auf den RE-Linien, so Ebbers.
Genug Alternativen im Regionalverkehr seien in der Tat vorhanden, da würden die meisten Reisenden "nicht mal eine Stunde verlieren", sagt Ebbers. Wichtig sei aber, dass die Fahrgäste auch deutlich auf die Alternativen hingewiesen würden. "Die Chance ist da, dass dadurch wie erhofft mehr Stabilität ins Netz kommt." Im Anschluss müsse die Bahn die Auswirkungen aber auch auf den Regionalverkehr mit auswerten.
Unsere Quellen:
- Deutsche Bahn
Sendung: WDR Aktuell, Bahn streicht ICE-Halte in NRW, 09.07.2026, 16:00 Uhr.
