Neue Gewerbegebiete im Bergischen: Neu anlegen oder doch auf die Brache?
Bildquelle: WDR/Helge RosenkranzWDR. 3 Min. 17 Sek.. Verfügbar bis 24.08.2028.
Paul Glasow und Elena Bese haben sich längst eingelebt am neuen Standort ihres Lackier- und Karosserie-Betriebs. Vor zweieinhalb Jahren sind sie mit der Firma von Wuppertal nach Hückeswagen gezogen, ins Gewerbegebiet West 3. Die Firma läuft bestens, gleich neben der Halle bereiten Bagger den Boden für einen Erweiterungsbau vor.
Kaum größere Gewerbeflächen zu haben
"Von der Stadt sind wir sehr freundlich aufgenommen worden, hier ist alles ganz familiär. Als wir in Wuppertal einen neuen Standort gesucht haben, konnte uns dort niemand helfen".
Vermarkter und Kunden - familiäres Umfeld in Hückeswagen
Bildquelle: WDR/Helge RosenkranzAuch Remscheid, wo der gebürtige Remscheider Paul Glasow sehr gern mit seiner Firma hingezogen wäre, musste passen. Tausende Quadratmeter Gewerbefläche waren dort auf keinen Fall zu haben.
Investition in die Zukunft - Städte gehen bei Grunderwerb und Erschließung in Vorleistung
Warum ist das so? Was macht Hückeswagen anders als Remscheid? In Hückeswagen ging es vom Ratsbeschluss für ein neues Gewerbegebiet 2018 bis zum Baubeginn im selben Jahr schnell.
Die Stadt kaufte Grundstücke, ließ das Gebiet mit Straßen und Abwasserkanälen erschließen und begann damit, die Flächen zu vermarkten. Vieles davon organisierte der Geschäftsführer der Hückeswagener Entwicklungsgesellschaft HEG, Dieter Klewinghaus.
"Wir haben den Vorteil, dass wir eine kleine Stadt sind. Hier werden auf kurzen Wegen Sachen in Gang gebracht. Wir brauchen oft nicht so lange wie eine Großstadt, wo die Vorhaben durch viele Abteilungen müssen." Dieter Klewinghaus, Geschäftsführer Hückeswagener Entwicklungsgesellschaft
In Remscheid herrschte zur selben Zeit absoluter Stillstand. Kein Geld für Investitionen. Zehn Jahre lang konnte die Stadt wegen ihrer schlechten Haushaltslage keine Grundstücke kaufen, erschließen und an Unternehmen vermarkten. Ein Teufelskreis - ohne städtisches Geld keine neuen Flächen für Betriebe, ohne zusätzliche Steuereinnahmen kein besserer Haushalt.
Alternative: Brachen reaktivieren - Gewerbehof Am Alexanderwerk
Neues Leben in historischer Bausubstanz - Am Alexanderwerk in Remscheid
Bildquelle: WDR/Helge RosenkranzDoch Remscheid fand andere Wege: Neuansiedlung von Betrieben in ungenutzten Brachen. Am Alexanderwerk ist so ein Beispiel. Der Traditionsbetrieb Alexanderwerk hatte frühere Produktionshallen aufgegeben. Die lässt die Stadt nach und nach wieder neu besiedeln.
Kunden sind meist Mittelständische Unternehmen, die keine riesigen Grundstücke "auf der grünen Wiese" brauchen, die aber den Charme der Backsteinhallen mitten in der Stadt schätzen. Neues Leben in historischer Bausubstanz.
Unterschiedliche Wünsche der Unternehmen
Ihre Ansprechpartnerin bei der Stadt ist die Wirtschaftsförderin Inga Schumacher. Sie mag den Charme der alten Industriegebäude mitten in der Stadt, die so gut an die Infrastruktur im Stadtteil Honsberg angeschlossen sind.
"Man kann aber nicht jedes Unternehmen in einen bestehenden Standort packen, das funktioniert einfach nicht. Deshalb werden wir auch immer in den Neubau gehen können. Das ist nicht ein Entweder-oder, sondern ein Miteinander." Inga Schumacher, Wirtschaftsförderung Remscheid
Auch deshalb kümmert sich Remscheid, trotz der schlechten Haushaltslage, um größere Flächen außerhalb der Stadt: Das Gewerbegebiet Borner Straße und das "Gleisdreieck", das zusammen mit Hückeswagen und Wermelskirchen entwickelt und vermarktet werden soll. Aber das dauert noch mehrere Jahre.
Unsere Quellen:
- Hückeswagener Entwicklungsgesellschaft HEG
- Wirtschaftsförderung Remscheid
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Neue Gewerbegebiete im Bergischen: Neu anlegen oder doch auf die Brache?, 24.08.2026, 5:02 Uhr
