Kinderkrankenschwester rettet Neugeborene in Eritrea
Bildquelle: Silke Scheider-Börsch3 Min. 29 Sek.. Verfügbar bis 31.07.2028.
Jedes Mal am ersten Tag, wenn Silke Scheider-Börsch auf die Kinderstation in Eritrea kommt, hat sie Herzklopfen. Was passiert heute? Frühchen, die Hilfe bei der Atmung brauchen oder reanimiert werden müssen? Kinder mit Missbildungen, die Hilfe brauchen? Drei bis vier Schwestern müssen dort die Arbeit in ihrer Schicht leisten.
"Das ist für uns ein Bild von purem Chaos eigentlich, wenn wir da ankommen, weil 30 bis 50 Kinder auf dieser Station liegen, die alle gleichzeitig versorgt werden müssen." Silke Scheider-Börsch, Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation
Hilfe unter extremen Bedingungen
In Remscheid stehen moderne Geräte bereit, in Eritrea fehlte es bei ihren ersten Einsätzen an allem. "Die Sterblichkeit der Neugeborenen lag dort auf der Station bei 90 Prozent", sagt Silke Scheider-Börsch. Sie erzählt, dass es kein fließend Wasser und kein Strom gab, überall auf den Kindern Kakerlaken und Ameisen krabbelten. Kinder lagen zu dritt in einem Bett, Frühgeborene neben Kindern mit Infektionen.
Silke Scheider-Börsch wollte eigentlich Ärztin werden, entschied sich aber für die Ausbildung zur Krankenschwester und "in die Welt zu gehen und Menschen zu helfen". 2002 reiste sie zum ersten Mal auf die Kinderstation nach Eritrea. Inzwischen sind daraus 24 Jahre geworden.
Silke Scheider-Börsch versorgt Frühchen in Remscheid
Bildquelle: WDR / Michaela Bruch"Jedes Kind, was dort nach Hause geht, jede Mutter, die ein Lächeln im Gesicht hat, bereichert mich in meinem Leben." Silke Scheider-Börsch, Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation
Wissen weiter geben und Leben retten
Silke Scheider-Börsch und ihr Team haben mit den wenigen ausgebildeten Schwestern und Kinderärzten vor Ort Pflegestandards entwickelt, etwa für Hygiene, Handhabung der Geräte oder Beatmung, "aber nicht, dass wir gesagt haben, wir kommen aus Deutschland, ihr müsst das so machen, sondern haben besprochen, was können wir mit euch umsetzen, was braucht ihr von uns."
Beatmungstraining an Puppe
Bildquelle: Silke Scheider-BörschAnsgar Thimm, Chefarzt der Remscheider Sana-Kinderklinik, und Kinderintensivpflegekraft Jolina Schulz waren zum dritten Mal in Eritrea dabei. Ansgar Thimm bewundert die Helfer auf der Station, "die alles geben, um die Familien dort zu unterstützen, die haben das verdient, dass wir mit unserem Reichtum da helfen."
Team Remscheid Silke Scheider- Börsch, Dr. Ansgar Thimm, Jolina Schulz
Bildquelle: WDR / Michaela BruchDas spornt ihn an, auch von Remscheid aus weiter Ideen für die Arbeit in Eritrea zu entwickeln. Aktuell eine Tabelle, um die Gewichtszunahme der Frühchen - oft mit nur 1000 Gramm Geborene - besser kontrollieren zu können. Die Kindersterblichkeit ist heute dort auf 9 Prozent gesunken. 1.700 Kinder werden pro Jahr versorgt.
Berührende Momente und Patenkinder
"Alle Kinder können nicht gerettet werden", sagt Jolina Schulz. Jeder Sterbefall berührt die Helfer aus Remscheid natürlich. Es ist hart für sie, dass es in Eritrea keine Trauerbegleitung für das verstorbene Kind und die Eltern gibt. "Die haben nicht die Zeit zu betreuen, wenn andere noch ums Leben kämpfen. Und das muss man lernen zu verstehen, warum gehen die anders damit um, als wir hier in Deutschland".
Pflegefachkraft Jolina Schulz und Silke Scheider-Börsch
Bildquelle: WDR / Michaela BruchSilke Scheider-Börsch will auch im nächsten Jahr wieder in Eritrea Leben retten. "Das ist einfach in mir drin. Und wenn ich jetzt nicht mehr fahren würde, fühlt sich das für mich an, als wenn ich Menschen im Stich lasse."
Besonders bewegt hat sie die Geschichte der Drillinge Riem, Lulia und Sinait. Vor 17 Jahren wogen die Frühchen nur 1.000 Gramm, und Sinait war halbseitig gelähmt. Heute sind sie gesund, und Sinait hat trotz seiner Behinderung gelernt, alleine zu gehen. Die Remscheiderin hat die Patenschaft für die Drillinge übernommen. Auch ein Grund für sie, immer wieder nach Eritrea zurückzukehren.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin auf der Kinderstation, Sana-Klinikum Remscheid
- Interview mit Silke Scheider-Börsch, Leiterin Kinderintensivstation
- Gespräche mit Mitarbeitern der Kinderintensivstation
Sendung: WDR.de, Kinderkrankenschwester rettet Frühchen und Neugeborene, 25.08.2026, 06:31 Uhr