"Das lässt einen nicht kalt"
Bildquelle: Günter SchmitzWDR. 3 Min. 16 Sek.. Verfügbar bis 04.09.2037.
Ein jüdisches Schicksal aus Langenfeld: die Familie Zade. Hugo Zade, ein Arzt, 1907 von Berlin nach Langenfeld gezogen, Mitglied der "Theaterkommission", Träger des Verdienstkreuzes für Kriegshilfe.
Dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht. Ab 1935 wird seine Praxis boykottiert, er muss als Arzt aufgeben. Zade verlässt mit seiner Familie die Stadt, wird Arzt im Jüdischen Krankenhaus in Köln. Aber er entgeht dem Nazi-Terror nicht: 1941 wird er mit seiner Frau Marta ins Ghetto Litzmannstadt deportiert und vermutlich im Jahr 1944 in Auschwitz ermordet.
Es sind diese Schicksale, die den Langenfelder Historiker Günter Schmitz zutiefst berühren.
"Die Kühle des Historikers blieb irgendwann auf der Strecke. Es waren ja fast immer anrührende Geschichten, die man erlebt hat." Günter Schmitz, Historiker aus Langenfeld
Aus Namen werden Schicksale
Handwerkszeug des Historikers: Akten aus dem Stadtarchiv
Bildquelle: WDR/RosenkranzDas Schicksal der Familie Zade ist nur eines von etwa 700 Familiengeschichten, die der frühere Schulleiter und Historiker in den vergangenen Jahrzehnten recherchiert hat. Herausgekommen ist ein 500 Seiten starkes Werk zur Erinnerungskultur an jüdisches Leben in Langenfeld, Monheim und Hitdorf. Dort gab es bis zum Nationalsozialismus die größte jüdische Gemeinde im Kreis Mettmann. Heute gibt es dort kaum noch jüdisches Leben.
Ein besonderer Ort hatte seinen Forscherdrang geweckt: der jüdische Friedhof im Stadtteil Richrath. Ruhig gelegen zwischen Bäumen, am Rand der Stadt. Dort war Schmitz mit seiner Frau Ingrid oft mit dem Fahrrad vorbeigekommen. Der Friedhof mit seinen etwa 50 erhaltenen Gräbern wurde zum Ausgangspunkt der Recherchen.
Der jüdische Friedhof liegt außerhalb der Stadt Langenfeld
Bildquelle: WDR/Helge RosenkranzDie Quellen des Forschers waren vor allem die Geburts- und Sterbeurkunden im Langenfelder Stadtarchiv. Aus jüdischen Namen wurden Familiengeschichten und Schicksale. Und schließlich ein Überblick über Generationen von 700 Familien in der Stadt. Inzwischen gibt es viele freundschaftliche Kontakte mit jüdischen Angehörigen in aller Welt.
Größte Auszeichnung des Internationalen Auschwitz Komitees
Auszeichnung des Internationalen Auschwitz Komitees: "to B remembered"
Bildquelle: WDRDass die Schicksale der Langenfelder Juden nicht vergessen werden - für diese Arbeit ehrt ihn nun das Internationale Auschwitz Komitee. Am Samstag, 5. September 2026, verleiht es Günter Schmitz den Preis "to B remembered". Es ist die höchste Auszeichnung, die das Komitee zu vergeben hat.
Der Langenfelder Günter Schmitz steht nun in einer Reihe mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem britischen König Charles, und Papst Franziskus.
Forscherarbeit dient auch als Warnung für die Gegenwart
Der Geschichtsverein Kulturgut e.V. in Langenfeld hatte Günter Schmitz für die Ehrung vorgeschlagen. Ohne seine Lebensleistung als Chronist jüdischen Lebens in Langenfeld gäbe es den Verein nicht, sagt die Vorsitzende, Annemarie Hubert.
"Es ist so traurig, darüber zu reden. Aber es ist leider so, dass Antisemitismus und Rassismus wieder hochkommen, und es ist so wichtig, daran zu arbeiten, dass wir die Wurzeln dessen kennen, vor allem in der eigenen Stadt." Annemarie Hubert, Kulturgut e.V. Langenfeld
Günter Schmitz hält noch viel Kontakt zu den Nachfahren der Familien, die den Holocaust überlebt haben. Zur Preisverleihung am Samstag wird auch ein Enkel von Hugo und Marta Zade nach Langenfeld kommen.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Günter Schmitz
- WDR-Gespräch mit Annemarie Hubert
- Stadtarchiv Langenfeld
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Langenfelder vom Auschwitz Komitee geehrt, 04.09.2026, 17.34 Uhr
