Prozess: Zwei Frauen wollten Mann vergiften | Aktuelle Stunde
WDR. 00:29 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
Zwei 59 und 60 Jahre alte Freundinnen aus Velbert und Fürth sollen einen perfiden Plan geschmiedet haben: Sie wollten den getrennt lebenden Ehemann der Velberterin töten - davon ist die Wuppertaler Staatsanwaltschaft überzeugt. Der Grund: Er habe die Scheidung gewollt, wegen einer neuen Partnerin.
Scheidung statt Lebensfinanzierung
Für die angehende Ex-Gattin habe das in ihren Befürchtungen bedeutet: Kein "Aufkommen für ihren Lebensunterhalt", so beschreibt es die Anklage. Also habe sie beschlossen, sich vor der Scheidung eine Hinterbliebenenrente zu sichern.
Das eben durch den geplanten Mord an ihrem Mann. Mehrere mutmaßliche Mordversuche beschäftigen ab heute das Wuppertaler Landgericht.
Erste Aussage vor Gericht
Einer Freundin der Hauptangeklagten wird Beihilfe zu versuchtem Mord vorgeworfen. Sie gibt zu, die Kräuter bestellt zu haben, sagt aber, dass sie davon ausging, dass das Mordvorhaben der Hauptangeklagten lediglich "bloßes Geschwätz" sei.
Die Frau aus Fürth hält sich offenbar für nicht schuldfähig. Zum Zeitpunkt habe sie ein großes Alkoholproblem gehabt und an Krebs gelitten. Ihre psychischen Belastungen hätten ihr Urteilsvermögen beeinträchtigt.
Die 60-Jährige bedauerte heute ihre Beteiligung an der Tat. Sie wolle dem Geschädigten 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.
Mögliches Motiv: Eifersucht
Staatsanwältin Janina Bachtenkirch
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte aus Eifersucht und Habgier handelte. Die Hauptangeklagte selbst hat am heutigen Prozesstag noch keine Aussage gemacht. Ihr Verteidiger kündigte für den nächsten Verhandlungstag eine Erklärung an. Der Prozess wird am 20. Juli fortgesetzt.
"Sie wollte zum einen ihren Lebensstandard sichern und war auch an der Hinterbliebenenrente des Geschädigten interessiert." Janina Bachtenkirch, Staatsanwältin
Mord-Tipps per Whatsapp
Die Fürther Freundin habe sie unterstützen wollen, mit Tipps per Textnachricht - mehrere davon sollen dem Gericht vorliegen. Laut Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte ihrem Ehemann giftige Kräuter ins Bier gemischt haben. Ebenso soll sie womöglich todbringende Kräuter mit Bohnen und Speck, dem Eintopf oder der Suppe vermengt haben.
Lebensgefahr durch Eintopf
Was klingt wie "Miss Marple" oder "Mord mit Aussicht", war für den betroffenen Ehemann aber alles andere als lustig. Bei den vorausgegangen Vergiftungs-Versuchen spürte er nichts oder aß die angebotenen Speisen nicht.
Beim Letzten aber, mit einer tödlichen Dosis Eisenhut im Eintopf, musste der Mann in ein künstliches Koma versetzt werden und schwebte in Lebensgefahr. Für die Staatsanwaltschaft eindeutig gemeinschaftlich versuchter Mord und Beihilfe dazu.
Versuchter Mord mit Eisenhut?
Später stellte sich heraus, dass die Essensreste im Magen tatsächlich Spuren des hochgiftigen Blauen Eisenhuts enthielten.
Bei einer Verurteilung drohen beiden Frauen lange Haftstrafen. Bleibt eine Frage: Warum aß und trank der Mann überhaupt noch bei der Frau, die er eigentlich nicht mehr wollte? Nach WDR-Informationen verstand man sich noch gut und kam offenbar doch nicht so richtig voneinander los.
Unsere Quellen:
- Landgericht Wuppertal
- Staatsanwaltschaft Wuppertal
- Eindrücke des WDR-Reporters im Gericht
- Nachrichtenagentur dpa
Sendung: WDR.de, Mordversuch mit Bohnen und Bier, 08.07.2026, 5:01 Uhr
Sendung: WDR.de, Erste Aussage im Prozess, 08.07.2026, 16:50 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.07.2026, 18.45 Uhr
