Das Wetter ist für den Aufbau perfekt. Für die Arbeiten eigentlich zu warm, aber für die Wirkung ideal. Am Nachmittag bringt das Licht der inzwischen tieferstehenden Sonne die markante Oberfläche der Bronze-Steele voll zur Geltung.
Sie ist wie raue Borke, das Mahnmal ist ein Baum. Er soll die Standhaftigkeit der Zeugen Jehovas verdeutlichen, an deren Verfolgung durch die Nazis das Mahnmal erinnert.
Künstler aus Wuppertal
Matthias Leeck ist in Wuppertal aufgewachsen, hat an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert und hat unter anderem bei und mit dem weltberühmten Bildhauer Tony Cragg zusammengearbeitet. Das Mahnmal für die Zeugen Jehovas war für ihn mehr als nur eine künstlerische Herausforderung.
NS-Mahnmal aus Bronze
"Das ist für mich schon eine große Verantwortung, die ich verspüre - der Opfergruppe gegenüber." Matthias Leeck
Wuppertaler Künstler
Künstler Matthias Leeck
Das Mahnmal ähnelt in seiner Form einem Baum. Und es ist massiv, aus Bronze. Matthias Leeck will damit Standhaftigkeit zum Ausdruck bringen. Die Menschen hätten den Nationalsozialisten einfach folgen können. Doch sie lehnten sich gegen sie auf und blieben standhaft bei ihrem Glauben.
Insgesamt besteht das Mahnmal aus 15 Einzelteilen. Das erste wurde bereits gestern Abend (27. Mai) montiert, die restlichen 15 heute im Laufe des Tages.
LKW im Stau
Eigentlich hätte Axel Selbach mit seinem Team gerne um 9 Uhr morgens mit dem Aufbau begonnen. Der Wermelskirchener hat die Einzelteile in seiner Firma in Dabringhausen gefräst.
Axel Selbach
Heute standen sie erstmal im Stau. Der Lkw, der in der Nacht im Bergischen losgefahren war, kam dann aber doch noch ausreichend pünktlich in der Hauptstadt an.
Standort im Tiergarten
Dass die Bronze-Stele im Tiergarten, in der Nähe des Goldfischteichs aufgebaut wird, ist kein Zufall. Genau dort gab es 1936 eine Verhaftungsaktion der Gestapo gegen Zeugen Jehovas.
Aufbau: Alles wie geplant
Die besondere Herausforderung bestand darin, die Teile auf Hundertstel-Millimeter genau zu montieren. Bei Teilen, die mindestens einige hundert Kilogramm wiegen, kein Kinderspiel.
Am Ende, so war es der Wunsch von Bildhauer Matthias Leeck, sollte man keine Spalten und Nähte an den Stellen erkennen, an denen die Teile aufeinander liegen. Und sie haben es geschafft: Am späten Nachmittag konnten sie Gerüst und Kran zur Seite räumen - und zufrieden staunen.
Die offizielle Einweihung des Mahnmals ist für den 24. Juni geplant, zu der auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner erwartet wird.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des Reporters vor Ort
- WDR-Interview mit Matthias Leeck, Uwe Langhals und Axel Selbach
- Pressemitteilung der Arnold-Liebster-Stiftung
Sendung: WDR.de, "Verfolgte Zeugen Jehovas: NS-Mahnmal in Berlin", 28.05.2026, 5:02 Uhr