Weiter hohes Risiko für Fische in der Agger
Bildquelle: WDR/Oliver KöhlerWDR. 03:12 Min.. Verfügbar bis 15.07.2028.
Ein Jahr nach Fischsterben : Weiter hohes Risiko für Fische in der Agger
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Vor einem Jahr verendeten in der Agger bei Engelskirchen Ohl-Grünscheid hunderte Fische. Der Grund: das nahegelegene Wasserkraftwerk hatte damals den Wasserfluss in der Agger unterbrochen. In der Folge war ein Teil des Flusses trockengefallen.
Ein Jahr nach dem Fischsterben blickt Markus Klein, Vorstandsmitglied der Angelsportfreunde Engelskirchen mit Sorge auf den Fluss. Wieder ist der Pegelstand der Agger extrem niedrig. Wieder ist das Stauwehr so weit hochgezogen, dass die Agger in einem Bereich ihres Bettes nicht mehr fließt.
Nichts hat sich verbessert
Die Angelsportfreunde hatten gehofft, dass sich nach dem Fischsterben etwas ändert. "Aber: Uns ist keine Fischschutzmaßnahme bekannt, die in irgendeiner Weise die Lage verändert hat", sagt Markus Klein. "In dem Bereich, wo wir das Fischsterben festgestellt haben, hat sich nichts verbessert."
Die Kölner Bezirksregierung hat, nach eigenen Angaben, den Betreiber der Wasserkraftanlage verpflichtet, den Wasserstand in der Agger nicht mehr schlagartig abzusenken. Er darf jetzt den Pegel in den Monaten März bis Juni nur noch allmählich um zehn Zentimeter pro Stunde absenken und von Juli bis Dezember um 30 Zentimeter pro Stunde.
Fischen droht Tod durch Ersticken
So soll verhindert werden, dass Bereiche der Agger plötzlich trockenfallen und Fische verenden. "Diese Regelung bringt den Fischen nichts. Bei den niedrigen Wasserständen - wie zurzeit - ist die Agger an einzelnen Stellen nicht einmal zehn Zentimeter tief", sagt Angler Markus Klein. "Bei Absenkraten von zehn oder sogar 30 Zentimeter pro Stunde sind Fische schnell in größeren Pfützen gefangen und verenden dann beim weiteren Absenken des Wasserstandes".
Bilder aus dem vergangenen Jahr - hunderte tote Fische
Bildquelle: Oliver KöhlerDer einzig wirksame Schutz für Fische wäre nach Ansicht der Angelsportfreunde, den Betreiber des Wasserkraftwerks zu verpflichten, immer eine bestimmte Wassermenge in der Agger zu belassen. In der Fachsprache heißt das Mindestwasserführung.
Rechtliche Hürden für besseren Fischschutz
Die Bezirksregierung hatte den Anglern zwar schon im September vergangenen Jahres geschrieben, dass ein "Konzept zum Fischschutz zur Mindestwasserführung und zur Durchgängigkeit erstellt wurde".
Dem WDR hat die Bezirksregierung dagegen auf Anfrage mitgeteilt: "Das alte Wasserrecht zum Betrieb der Stauanlage Ohl-Grünscheid sieht bislang keine Mindestwasserführung an der Stauanlage vor." Das von der Bezirksregierung genannte Konzept zum Fischschutz kann also offenbar aus rechtlichen Gründen nicht umgesetzt werden.
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Mitarbeiter von Kraftwerk
Unterdessen ermittelt die für Umweltstraftaten zuständige Staatsanwaltschaft weiter gegen zwei Mitarbeiter des Wasserkraftwerksbetreibers wegen des Fischsterbens. Beschäftigte des Kraftwerks hatten eingeräumt, dass damals das Stauwehr geschlossen und die Turbine abgeschaltet wurde, so dass Teile der Agger trockengefallen waren und Fische verendeten.
Der Betreiber der Wasserkraftanlage hat eine Anfrage des WDR zu dem Thema bisher nicht beantwortet.
Unsere Quellen:
- Angelsportfreunde Engelskirchen
- Bezirksregierung Köln
- Staatsanwaltschaft Dortmund
Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 15.07.2026, 6:31 Uhr
