Dorfschulen in Morsbach vor dem Aus

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WDR 3 Min. 13 Sek. Verfügbar bis 18.09.2028

Rat in Morsbach Dorfschulen sollen schließen - Eltern entsetzt

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Zwei Grundschulen sollen schließen. Bewohner fürchten das Aussterben ihrer Dörfer. Die Politik sagt: Es gebe zu wenig Kinder.

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Julian Piepkorn

Im oberbergischen Morsbach soll es künftig nur noch einen Standort für die Amitola-Grundschule geben. Der Rat hat am Dienstagabend bei einer Gegenstimme die Absicht bekundet, die zwei Außenstandorte in den Dörfern Holpe und Lichtenberg in den nächsten Jahren zu schließen. Die Kinder müssten dann teils lange Strecken bis in den Hauptort fahren. 

Ein finaler Beschluss wurde noch nicht gefasst, weil die Schulkonferenz noch gehört werden muss. Deshalb musste der Beschluss kurzfristig in eine Absichtserklärung geändert werden. Dass das Aus für die Schulen noch gestoppt wird, gilt aber als ausgeschlossen. Gut zwei Dutzend Gegner der Schließungs-Pläne zeigten am Abend Präsenz im Rat. 

Unter ihnen auch Christina Schindler und Marius Mackenbach, die in den Schulpflegschaften Lichtenberg bzw. Holpe sitzen. Sie sagen: Die Politik habe immer nur Argumente für eine Schließung vorgelegt. Dass die Dörfer auch ohne Schule weiterentwickelt werden, daran zweifeln sie. Denn schon jetzt sei das Geld knapp.

Bürgermeister Jan Schumacher betonte im Rat, die Entscheidung werde von allen Fraktionen getragen. Die Politik habe sich lange für die Offenhaltung der Standorte eingesetzt, aber es gebe in Zukunft einfach zu wenige Kinder um alle drei Standorte offen zu halten. Deshalb brauche es jetzt Klarheit, wie die Schullandschaft in Morsbach in den nächsten Jahren umgebaut werden soll. 

Pläne der Politik stoßen in Morsbach auf Widerstand

Das stößt in den Dörfern auf Widerstand: Rund 1.700 Menschen haben in einer Petition für den Erhalt der Dorfschulen unterschrieben. Eine Woche vor der Ratssitzung versammelten sich spontan über 80 Menschen an der Schule Lichtenberg, um zu demonstrieren. Sie fürchten, dass ihre Dörfer aussterben.

Kinder und Erwachsene demonstrieren mit selbst gebastelten Schildern.

"Dorfleben braucht Schule", fordern die Demonstrierenden.

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Christina Schindler ist vor einigen Jahren zurück nach Lichtenberg gezogen, eben weil es hier eine Kita und eine Grundschule gibt. Sie befürchtet: Ohne Schule im Ort würden weniger junge Familien hierher ziehen. Ihre Tochter geht in die dritte Klasse der Grundschule. Sie schätzen das familiäre Umfeld: Es gebe direktes Feedback von den Lehrern. Man kenne sich. Das würde wegfallen.

Wie geht das Vereinsleben in Holpe und Lichtenberg weiter?

"Eine Grundschule hält ein Dorf jung. Und wenn ein Dorf nicht mehr jung ist, dann werden wir in Zukunft auch Probleme haben, Mitglieder zu bekommen´", befürchtet Jan Krismann vom Pfadfinderverein Nebelkrähen.

Mehr als 80 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sind dort aktiv. Fast alle finden zum Stamm durch die Grundschule in Lichtenberg. So könnte es auch dem Musikverein oder der Freiwilligen Feuerwehr gehen, befürchten die Demonstrierenden.

In Morsbach fehlen die Kinder

Bürgermeister Jan Schumacher hatte noch im Wahlkampf vergangenes Jahr versprochen, die Schulen in den Außenorten offen zu halten. Jetzt sagt er: "Für mich ist die Entscheidung, die beiden Standorte zu schließen, Holpe und Lichtenberg, eine persönliche Katastrophe." Doch die Entscheidung sei notwendig.

Ein Mann in einem Anzug steht in einem Büro.

Schließung sei "persönliche Katastrophe": Bürgermeister Schumacher

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Denn ein von der Gemeinde beauftragtes Gutachten zeige, dass rund um Lichtenberg immer weniger Kinder geboren werden. Schon in sechs Jahren, also im Schuljahr 2031/32, würde die Zahl der Erstklässler drastisch schrumpfen. Der Standort Lichtenberg würde dann die Mindestschülerzahl von 46 Kindern verfehlen, das Schulamt müsste die Zwangsschließung anweisen.

Gemeinde muss Millionen in die Schule investieren

Außerdem sei das Schulgebäude in Holpe marode und müsse komplett neugebaut werden. Durch den Anspruch auf Ganztagsbetreuung wären weitere Anbauten notwendig. All das ist für die Gemeinde ein Millionenprojekt. Das Geld solle deshalb zukunftssicher in den Hauptstandort in Morsbach investiert werden.

Ein Schulgebäude.

Anbau notwendig: Der Hauptstandort in Morsbach

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"Damit standen wir vor einer grundlegenden Abwägung: lst es verantwortbar, heute erhebliche finanzielle Mittel in drei Schulstandorte zu investieren, wenn die aktuelle Schulentwicklungsprognose gleichzeitig auf deutlich rückläufige Geburten- und perspektivisch auch Schülerzahlen hinweist?" Stellungnahme der Fraktionen

Konzepte gegen Leerstand der Schulgebäude

Bürgermeister und Fraktionen im Rat wollen deshalb künftig nur noch einen Standort für die Grundschule im Hauptort Morsbach. Allerdings nehme man die Sorgen der Menschen in den Außenorten ernst, so der Tenor: Die Schulgebäude sollen nicht leerstehen. Die Politik wolle Konzepte entwickeln, um das Dorfleben zu erhalten.

Am Dienstag will der Rat final über die Schließung entscheiden – und auch einige Eltern wollen kommen, um bis zuletzt für den Erhalt der Grundschulen zu kämpfen.

Morsbach: Rat will Schulen in Holpe und Lichtenberg schließen

WDR 22.09.2026 1 Min. 17 Sek. Verfügbar bis 21.09.2028

Unsere Quellen:

  • Beschlussvorlage im Rat
  • Statement der Fraktionen im Rat
  • WDR-Interview mit Bürgermeister Schumacher
  • WDR-Gespräche mit Eltern und Vereinen aus den Dörfern
  • Gutachten der Schulentwicklungsplanung

Sendung: WDR.de, Grundschule Morsbach: Lichtenberg und Holpe vor dem Aus, 18.09.2026, 5:01 Uhr
Sendung: WDR.de, Dorfschulen sollen schließen - Eltern entsetzt, 22.09.2026, 22:41 Uhr

Hinweis der Redaktion vom 23.09.2026, 12:15 Uhr: In einer vorherigen Version hieß es, die Verwaltung habe zunächst vergessen, die Schulkonferenz in die Beschlussvorlage einzubeziehen. Dies ist nicht richtig. Tatsächlich musste ein finaler Rats-Beschluss in eine politische Absichtserklärung geändert werden. Denn bevor ein Beschluss gefasst werden kann, muss die Schulkonferenz gehört werden. Die Passage haben wir korrigiert.

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