Hype um Rüstungsindustrie: So kommt ein Mittelständler an Aufträge

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WDR 3 Min. 12 Sek. Verfügbar bis 21.09.2028

Verschwiegener Stammtisch "Defence Oberberg" und das Geschäft mit dem Krieg

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Thomas Brehmer hatte die Idee für den geheimen Gesprächskreis. Hier sagt er, wie man mit der Rüstungsindustrie ins Geschäft kommt.

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Julian Piepkorn

Das Sondervermögen für die Bundeswehr, die ganzen Milliardeninvestitionen in die Rüstung: Natürlich sei es nachvollziehbar, sagt Martin Heckel, "dass man da gerne dabei sein und einen schnellen Euro machen will. Aber das ist völlig illusorisch." Heckel steht zwischen alten Militärfahrzeugen auf dem Hof der Firma Brehmer im oberbergischen Nümbrecht.

Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, sieht man dem 68-Jährigen an, dass er mal Soldat war. Heute ist er Oberst der Reserve und berät die Brehmergruppe. Er weiß, was Truppe und Rüstungskonzerne wollen. Und dieses Wissen ist es, von dem die rund 130 Mitarbeiter rund um Firmengründer Thomas Brehmer in den vergangenen Jahren profitiert haben.

Vom Spezialschalter zum Tarnscheinwerfer

Seit 2013 beliefern sie die Rüstungsindustrie. Erst mit Spezialschaltern, deren Stückzahl so klein war, dass sie damals niemand produzieren wollte. Mittlerweile sind gut zwei Dutzend Produkte hinzugekommen. Zum Beispiel ein sogenanntet Tarnscheinwerfer. Das Infrarotlicht ist nur mit speziellen Brillen sichtbar, damit sich die Soldaten im Kriegsgebiet bewegen können.

Eine Frau prüft den Lenkerschalter eines Motorrads.

Qualitätskontrolleurin bei Brehmer: Mechatronik muss Härtetests bestehen

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Geholfen hat der Brehmergruppe das Know-how aus der Mechatronik. Die Verbindung aus Mechanik, Elektronik und Software für besonders "raue Umgebungen" ist ihr Kerngeschäft. Das können die Lenkerschalter für Motorräder sein, für Baumaschinen oder eben fürs Militär. Die Rüstungsindustrie wird für Brehmer immer wichtiger. Kommendes Jahr will er damit mehr als ein Fünftel des Umsatzes machen.

Viele Firmen wollen an der Rüstung verdienen

Die Rüstungswirtschaft ist aktuell für viele Unternehmen verlockend. Hohe Energiekosten, knappe Arbeitskräfte, Konkurrenz aus Fernost: Viele Automotive-Zulieferer im Bergischen kämpfen gegen die Krise. Goldgräberstimmung bei der Rüstung? Thomas Brehmer sagt lieber: "Es herrscht reges Interesse."

Brehmer hat deshalb beim Oberbergischen Kreis eine Gesprächsrunde mit lokalen Firmen angestoßen. Unter dem Decknamen "Defence Oberberg" treffen sich Unternehmer in kleiner und verschwiegener Runde, um über die Chancen im Geschäft mit dem Krieg zu sprechen.

Ein Mann schaut in einen Kasten, in dem elektronische Teile getestet werden.

100.000 Kilometer hartes Gelände: Tarnscheinwerfer auf der Rüttelplatte

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Thomas Brehmer selbst will ganz offen mit dem Thema Rüstung umgehen: 15 neue Mitarbeiter wolle man einstellen, um die Aufträge abzuarbeiten. 127 arbeiten aktuell für die Firmengruppe.

Militärtechnik muss Härtestests bestehen

Teile für die Bundeswehr produzieren sie am Standort Nümbrecht zwar nicht. Der genaue Ort müsse geheim bleiben. Aber der Umsatz aus der Rüstung helfe auch, Arbeitsplätze in der Region zu halten. Und ihr Know-how als Automobilzulieferer nutzt ihnen bei der Entwicklung. Stichwort: raue Bedingungen.

Denn die Anforderungen sind hoch - egal ob für Baumaschinen, Motorrad oder eben das Militär. Moritz Schmidt ist Technischer Leiter bei Brehmer und führt in Nümbrecht durch das Labor, wo sie härteste Umweltbedingungen simulieren.

Ein Mann im Anzug steht vor einem Militärlaster.
"Wir tun so, als ob wir mit dem Fahrzeug 100.000 Kilometer durch hartes Gelände fahren, durch den Wald, durch den Steinbruch. Wir simulieren Regen und Eis." Moritz Schmidt, Technischer Leiter und Mitgesellschafter

Ohne Kontakte ist es schwer

Aber wie kommt man überhaupt ins Geschäft mit der Rüstung? Ohne Kontakte sei es schwer, sagt Brehmer. Seine Firma sei damals von einem großen Fahrzeugbauer empfohlen worden. Mittlerweile sitze das Unternehmen sogar im Normkreis der Bundeswehr – könne mitreden bei neuen Produkten und technischen Standards.

Doch der technische Leiter Moritz Schmidt sagt: "Man braucht einen langen Atem und ganz viel Durchhaltevermögen, um überhaupt da in diese Zyklen reinzukommen und von den Kunden auch wahr- und ernstgenommen zu werden." Von der Idee bis zum fertigen Produkt dauere es gerne mal drei Jahre.

Trotzdem geht es am Ende um Technik, die im Krieg eingesetzt wird – auch um Menschen zu töten. Das spiele bei Bewerbungsgesprächen eine Rolle, sagt Brehmer, ob man das mit seinem Gewissen vereinbaren könnte. Auch wenn die Oberberger keine Waffen entwickeln, sondern Steuergeräte für Fahrzeuge.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters am Standort Nümbrecht

Sendung: WDR.de, Defence Oberberg: Hype um Rüstungsindustrie, 21.09.2026, 15 Uhr

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