Umzug mit Herausforderungen - 600 Menschen mit Behinderung ziehen um
Bildquelle: WDRWDR. 3 Min. 12 Sek.. Verfügbar bis 26.08.2028.
Die Lebenshilfe-Werkstatt für Behinderte in Solingen hat endlich einen neuen Standort gefunden. Das bisherige Gebäude an der Freiheitsstraße in Wald, wo für viele Firmen Auftragsarbeiten wie Verpacken oder Montieren gemacht werden, entspricht seit Jahren nicht mehr den heutigen Anforderungen und kann auch nicht saniert werden.
Jetzt läuft der Umzug in den neuen Standort in Merscheid in den ehemaligen Standort der Firma Hammerstein. Jahrelang hatte man danach gesucht, jetzt wurde dort alles auf den neuesten Stand gebracht. Die Mitarbeiter ziehen nach und nach um.
"Wir freuen uns über die deutliche Verbesserung der räumlichen Situation, die insbesondere den Menschen mit Behinderung viele Vorteile bringt", sagt Georg Richerzhagen, Geschäftsführer der Werkstätten der Lebenshilfe Solingen gGmbH. Der neue Standort bietet barrierefreie Räume, moderne Arbeitsplätze, eine eigene Produktionsküche und eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Für die Mitarbeiter der Solinger Lebenshilfe ist der Umzug emotional eine Herausforderung
Der Umzug ist allerdings nicht so einfach wie bei anderen Firmen. Denn: Die Mitarbeiter haben sich teils jahrzehntelang an ihre Tagesabläufe gewöhnt. Neuer Standort heißt erstmal neuer Arbeitsweg.
Mitarbeiter Markus Martin nimmt das locker. Früher konnte er zu Fuß zur Arbeit gehen - heute muss er den Bus nehmen und mehrere Stationen fahren. Von dort aus geht es nochmal zehn Minuten zu Fuß weiter. Ein paar Mal üben, und dann ging das gut, sagt er. Aber: "Es gibt auch Kollegen, die brauchen viel länger für die Umstellung. Für die ist das Ganze ein Weltuntergang, um es nett zu sagen."
Eine Kollegin musste beim ersten Mal sogar vor Aufregung weinen
Eine Problematik, mit der sich die Lebenshilfe schon seit Monaten auseinandersetzt. Vor allem die Betreuer und Gruppenleiter leisten hier ganze Arbeit. Denn es wird oft emotional, sagt auch Markus über seine Kollegen: "Eine Kollegin, die vom Fahrdienst abgeholt wird, musste sogar weinen, so aufgeregt war die."
"Wir haben Mitarbeiter, die plötzlich ganz in sich gekehrt sind, andere fallen verbal sehr stark aus und äußern sich laut und deutlich", sagt Daniel Wisdorf. Er ist seit Jahren Gruppenleiter und arbeitet gerne mit den Menschen.
"Dieses Lächeln, das macht mir einfach Spaß. Und auf Ziele hinzuarbeiten. Wenn die erreicht werden, das freut einen natürlich noch mehr". Aber gerade deshalb ist im Moment besonderes Fingerspitzengefühl bei der Lebenshilfe gefragt.
Im Oktober stellt die Lebenshilfe Solingen ihren neuen Standort am Merscheider Busch im Rahmen einer offiziellen Veranstaltung der Öffentlichkeit vor.
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Chef der Lebenshilfe Georg Richerzhagen
- Gespräche mit Mitarbeitern der Lebenshilfe
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, "Umzug mit Herausforderungen - 600 Menschen mit Behinderung ziehen um", 27.06.2028, 7:13 Uhr