NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer stellt Generalsanierung infrage

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WDR 11:05 Min. Verfügbar bis 04.08.2028

NRW-Verkehrsminister teilt Wut auf Bahn

"Ich kann mich nur entschuldigen"

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer hatte die Bahn schon nach Ende der Generalsanierung im Juli scharf kritisiert. Und auch heute, Wochen später, kann vom problemlos laufenden Bahnverkehr keine Rede sein. Verspätungen und Zugausfälle bleiben an der Tagesordnung. Darüber haben wir mit Oliver Krischer gesprochen.

Von
Wolfram Lumpe
und Luisa Skrabic

WDR: Herr Krischer, wenn Sie diese Chronologie des Bahnchaos hier in und um Wuppertal sehen, was macht das mit Ihnen als Verkehrsminister?

Oliver Krischer: Das macht einen schon wütend. Da ist versprochen worden, dass nach einer Generalsanierung alles funktionieren soll. Dass zumindest auf der Strecke, auf den 81 Kilometern zwischen Köln und Hagen alles laufen soll. Wir sehen aber, dass es auch Wochen nach der Wiedereröffnung immer noch nicht funktioniert. Und vor allen Dingen, dass vorher Dinge gar nicht bei der Sanierung mit einbezogen worden sind. Wie etwa eine Brücke in Opladen oder die Stellwerke. Da sind Sachen suggeriert worden von der deutschen Bahn, die am Ende dann gar nicht gemacht wurden und die jetzt für Probleme sorgen. Und genau das stellt das Konzept der Generalsanierung auch ein bisschen in Frage. Zumindest muss man jetzt drüber reden, kann man mit den Generalsanierungen nach den Erfahrungen, die wir zwischen Köln und Hagen gemacht haben, so weitermachen?

WDR: Das klingt jetzt fast ein bisschen so, als wären Sie selbst überrascht gewesen, dass es nach der Generalsanierung gar nicht so läuft, wie vorher versprochen?

Oliver Krischer: Das ist genauso. Das Konzept der Generalsanierung sagt ja: Wir sperren eine Strecke für mehrere Monate. Wir verlangen von den Menschen die pendeln wirklich ein großes Opfer: Dass sie auf den Schienenersatzverkehr zurückgreifen müssen und machen dann einmal alles richtig, wird alles repariert. Wir waren schon kurz vor der Generalsanierung sehr irritiert, dass die Stellwerke dabei nicht berücksichtigt werden, dass die erst in den 2030er Jahren saniert werden, also nach der jetzigen Generalsanierung. Und im Nachhinein hat sich ja dann herausgestellt - ich nehme nur als Beispiel die Brücke in Opladen - dass offensichtlich hier nicht genau hingeschaut worden ist. Dass man gesagt hat: Die Brücken müssen wir jetzt gar nicht so genau bearbeiten. Und dann sind die Probleme aufgetreten. Und das kann eigentlich nicht sein. Und deshalb ist es richtig, dass der Bundesverkehrsminister - auch der Neue - jetzt gesagt hat, wir müssen uns das Konzept der Generalsanierung nochmal genau anschauen, ob das wirklich so sinnvoll und richtig ist. Gut ist natürlich, dass solche Dinge wie Oberleitungen, der Oberbau, dass das alles gemacht ist. Das ist gut. Aber wenn Generalsanierung, dann muss auch wirklich alles saniert werden.

WDR: Jetzt muss ich doch nochmal nachfragen: Sie haben die Stellwerke angesprochen. Das heißt, es kam ja schon während der Generalsanierung heraus, dass diese Stellwerke teilweise Jahrzehnte alt und nicht mehr ganz funktionsfähig sind. Oder die Gefahr besteht, dass die eben nach der Generalsanierung ausfallen können. Warum haben Sie als Verkehrsminister nicht direkt mehr Druck gemacht und gesagt: Die müssen jetzt auch saniert werden? Wie war da die Kommunikation zwischen Ihnen und der Bahn?

Oliver Krischer: Wir haben zufällig durch eine parlamentarische Anfrage im Bundestag erfahren, dass diese Stellwerke nicht mit saniert wurden. Das ist uns vorher so in der Klarheit nicht kommuniziert worden. Und ich habe das selbstverständlich zum Thema bei der Bahn gemacht. Man hat dann gesagt, ja, das sei bei den Generalsanierungen generell nicht der Fall, weil die Stellwerke einen längeren Planungsvorlauf haben. Immerhin hat man uns dann zugesichert - und das war hier dann auch der für uns entscheidende Punkt - dass die Sanierung dieser Stellwerke nach der Generalsanierung angepackt wird. Das war vorher nicht klar. Also zumindest da ein Fortschritt.Trotzdem, das muss ich ganz deutlich sagen, ist es eine nicht gute Kommunikation, wenn man vorher den Eindruck erweckt, alles wird gemacht und man dann während der Generalsanierung erfährt, da sind Dinge die erst nachlaufend, also Jahre später, gemacht werden.

WDR: Klassische Deustsche Bahn-Infostrategie könnte man fast dazu sagen: Wie kann das sein? Sie sind der NRW-Verkehrsminister. Wurde da in der Zwischenzeit schon drüber gesprochen, haben sich da die Kommunikationswege verändert? Was ist da in der Zwischenzeit geschehen, damit das nicht nochmal passiert?

Oliver Krischer: Ich habe mit dem letzten Bundesverkehrsminister Herrn Schnieder darüber gesprochen. Ich habe am Donnerstag einen Gesprächstermin mit Herrn Bilger. Da werden wir auch darüber sprechen. Die Erfahrungen, die wir jetzt bei Hagen - Köln gemacht haben, die haben ja auch andere bei Generalsanierungen gemacht, andere Sanierungen haben gut geklappt. Wir werden beim Bundesverkehrsministerium darauf drängen, dass die Generalsanierungen jetzt überprüft werden, dass von Seiten der Bahn eine vernünftige Kommunikationsstrategie erfolgen muss. Nach dem Motto: Wenn etwas bei einer Generalsanierung vielleicht guten Gründen nicht gemacht werden kann, dann muss das vorher auch klar und transparent gemacht werden. Und macht eine Generalsanierung, eine mehrmonatige Sperrung, überhaupt Sinn, wenn danach noch wesentliche Teile zu sanieren übrig bleiben? Diese Fragen hat Köln - Hagen jetzt aufgeworfen. Und genau das ist jetzt auch Thema im politischen Bereich und genau das führt jetzt auch dazu, dass Konsequenzen gezogen werden müssen. Die kann natürlich nur der Bund, die kann nur das Bundesverkehrsministerium für das bundeseigene Unternehmen, DB InfraGO ziehen.

Im Juli war Krischer noch bei der Wiedereröffnung der Strecke dabei. | Bildquelle: WDR/Wolfram Lumpe

WDR: Ich höre da viel Verantwortung raus bei der Deutschen Bahn? Selbstverständlich, aber auch beim Bund, der ja auch die finanziellen Mittel verteilt an die Länder. Ich möchte da aber doch nochmal nachhaken: Welche Verantwortung oder welche Fehler gestehen Sie sich ein, im Rahmen dieser Generalsanierung?

Oliver Krischer: Wir hätten vorher kritischer nachfragen müssen, Das ist durchaus zugestanden. Und das werden wir in Zukunft auch tun. Ich bin ja selber zum Start der Generalsanierung als auch zur Wiedereröffnung gekommen. Da war die Kommunikation der Deutschen Bank klar, was gemacht werden sollte und was nicht. Wir werden in Zukunft bei den anstehenden und laufenden Generalsanierungen - wir haben ja im Moment die rechte Rheinstrecke in der Generalsanierung - kritischer nachfragen. Damit wir genau um diese Probleme auch wissen. Wir tun das, was wir als Land tun können, sorgen beim Eigentümer der Deutschen Bahn, dem Bund, aber auch bei der der DB InfraGO dafür, dass unsere Forderungen dann auch entsprechend umgesetzt werden. Und glauben Sie mir, da wird auch Klartext geredet. Weil das, was man hier Menschen versprochen hat, in der Region zwischen Köln und Hagen und was man am Ende nicht eingehalten hat, das darf in Zukunft so nicht wieder auftreten.

WDR: Lassen Sie uns noch genau darauf schauen, wie man jetzt diese vorhandenen Probleme rund um Wuppertal lösen kann. Was wird jetzt konkret hier um Wuppertal passieren, um eben zu vermeiden, dass es so weitergeht mit ausfallenden Zügen, mit verspäteten Zügen?

Oliver Krischer: Wir sorgen über den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, der ja den Nahverkehr für Nordrhein-Westfalen und für die Pendlerinnen und Pendler hier auf der Strecke betreibt, dafür, dass alle Maßnahmen ergriffen werden, dass das, was beispielsweise aus der beschädigten Brücke in Opladen resultiert, dass die Folgen für die Pendlerinnen und Pendler möglichst gering bleiben. Das ist jetzt genau das Ziel. Wir versuchen all das, was noch nicht passiert ist und was an Fehlern während der Generalsanierung gelaufen ist, die Auswirkungen möglichst zu reduzieren und unsere Möglichkeiten da in Richtung Deutsche Bahn zu nutzen. Aber es ist natürlich richtig, wenn Sie eine beschädigte Brücke haben, die vorher nicht entdeckt worden ist, das kann man nicht einfach wegzaubern. Da bleiben erstmal die Konsequenzen und das Versprechen: Nach der Generalsanierung entstehen keine Verspätungen mehr aus dieser Strecke, das hat die Bahn ganz offensichtlich nicht eingehalten.

WDR: Ein Blick auf die Brücke, die Sie gerade angesprochen haben, die hat Priorität?

Oliver Krischer: Ja, natürlich, die hat Priorität Eins. Das erwarte ich auch von der Deutschen Bahn, dass hat sie uns auch zugesichert. Da habe ich auch keinen Zweifel, dass das passiert, dass diese Brücke mit dem höchstmöglichen Tempo jetzt saniert wird, dass dieses große Problem, was für viele Verspätungen und für viele Belastungen für die Pendlerinnen und Pendler verantwortlich ist, dass das mit höchstem Druck erledigt wird. Das ist überhaupt keine Frage, dass das läuft, aber das dauert halt seine Zeit. Eine Brücke können sie nicht in wenigen Tagen sanieren, jedenfalls nicht mit diesem Schaden. Das Problem ist, dass man den Schaden vorher nicht erkannt hat. Und dass jetzt die Menschen nach der Generalsanierung hier weiter die Belastungen zu ertragen haben.

WDR: Was geben Sie den Pendlerinnen und Pendlern hier im Bergischen mit?

Oliver Krischer: Ich kann mich da nur entschuldigen für die Deutsche Bahn, auch wenn das Land Nordrhein-Westfia keine unmittelbare Verantwortung trägt. Ich kann die Wut, die viele Menschen haben, nicht nur verstehen, sondern ich teile sie auch. Ich bin selbst Bahnkunde und erlebe das täglich, was dort passiert. Grundsätzlich gilt aber, wir haben eine Infrastruktur, die wirklich belastet und marode ist, die über Jahre vernachlässigt worden ist. Und deshalb sind Baustellen und sind auch Konzepte wie die Generalsanierung im Grundsatz richtig. Man muss sie eben nur ordentlich machen. Man muss das auch umsetzen, was man vorher versprochen hat. Und wenn das nicht klappt, muss man auch frühzeitig und transparenz kommunizieren. Das ist in dem konkreten Fall nun wirklich nicht optimal gelungen.

WDR: Immerhin, es klingt nach einem Learning für alle, dass zumindest da jetzt genauer draufgeschaut wird, dann sicherlich auch von Ihnen. Ganz herzlichen Dank, Oliver Krischer, Verkehrsminister des Landes NRW. Vielen Dank für das Gespräch.

Oliver Krischer: Ich danke Ihnen.

Unsere Quellen:

  • Studio-Interview mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer

Sendung: WDR.de, NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer stellt Generalsanierung infrage, 05.08.2026, 05:01 Uhr