Briefmarke für Margot Friedländer: "Schaut auf das, was euch verbindet"

Lokalzeit Bergisches Land 04.12.2025 03:11 Min. Verfügbar bis 04.12.2027 WDR Von Petra Dierks

Briefmarke für Margot Friedländer: "Schaut auf das, was euch verbindet"

Stand:

Die Wuppertaler Designerin Andrea Voß-Acker hat eine Sonderbriefmarke zu Ehren der im Mai verstorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer entworfen. Seit Donnerstag gibt das Bundesministerium die Marke heraus.

Von Petra Dierks

Nur drei Wochen hatte Andrea Voß-Acker Zeit, um die Briefmarke zu Ehren der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer zu gestalten. Die Wuppertalerin war vom Bundesministerium für Finanzen angefragt worden, sich an der Ausschreibung zu beteiligen und hatte für ihren Entwurf dann auch den Zuschlag bekommen.

Graikerin am Bildschirm

Andrea Voß-Acker entwirft Briefmarken.

"Normalerweise hat man ein Jahr Vorlauf für eine Sonderbriefmarke - diesmal musste es schnell gehen", erzählt die Designerin, die bereits über 60 Briefmarken entworfen hat.

Margot Friedländer: das Leben der Demokratie gewidmet

Margot Friedländer war 1944 von den Nationalsozialisten in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden. Ihre Mutter und ihr Bruder wurden in Auschwitz ermordet. Friedländer überlebte die Shoah und emigrierte in die USA.

"Seid Menschen!" Margot Friedländer, Holocaust-Überlebende
Mehrere Briefmarken

Die Friedländer-Sonderbriefmarke gibt es in einer Auflage von 1,5 Millionen.

Ihr Leben widmete sie dem Engagement für Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Vor allem durch Lesungen aus ihrer Biografie, Zeitzeugengespräche in Schulen und öffentliche Auftritte machte Friedländer immer wieder auf die Verbrechen der Nationalsozialisten aufmerksam. Ihr Appell: "Seid Menschen!"

Nach über sechs Jahrzehnten im Exil war sie mit 88 Jahren in ihre ursprüngliche Heimat Berlin zurückgekehrt. Am 9. Mai 2025 ist sie dort im Alter von 103 Jahren gestorben.

Eine herausfordernde Gestaltung

Portrait auf Briefmarke

Der erste Entwurf für die Friedländer-Briefmarke

Für Andrea Voß-Acker war die Gestaltung der Marke herausfordernd. Normalerweise bewerben sich bei einer Ausschreibung deutschlandweit bis zu zehn Designer mit mehreren Vorschlägen. "Weil die Zeit so knapp war, gab es nur drei Bewerber", erzählt Voß-Acker.

Sie selbst reichte drei Vorschläge ein und überzeugte mit einem formatfüllenden Schwarz-Weiß-Porträt und dem integrierten Zitat von Margot Frieldänder: "Schaut nicht auf das, was euch trennt. Schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen, seid vernünftig."

"Ich wollte eine Marke, die ihre Persönlichkeit zum Ausdruck bringt und den Kern ihrer Botschaft beinhaltet." Andrea Voß-Acker
Briefmarke mit Margot Friedländer

Der zweite Entwurf

Im November hatte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Marke in Berlin unter dem Motto "Verantwortung weitertragen" vorgestellt. Nun kann sie erworben werden.

Große Leidenschaft für kleine Bilder

An die Briefmarkengestaltung kam Andrea Voß-Acker durch Zufall: "Das war noch im Studium vor über 20 Jahren". Damals habe ihr Professor sie zur Teilnahme an einem Wettbewerb des Bundesfinanzministeriums aufgefordert. "Und ab da hat’s mich gepackt."

Die erste war eine Marke über das "Kinder- und Jugendtelefon", danach kamen Postwertzeichen zu diversen Themen wie Fußball, Olympia, Haustiere, Ferien oder Mikrowelten.

Botschaften verteilen sich überall

Die Sondermarke für Margot Friedländer wollte sie unbedingt gestalten. Denn auch, wenn Briefmarken so klein sind, verbreitet sich ihre Botschaft. Und Andrea Voß-Acker findet: "Margot Friedländers Botschaft ist heute wichtiger denn je: Seid Menschen, seid vernünftig."

"Schaut auf das, was euch verbindet"

WDR Studios NRW 03.12.2025 00:47 Min. Verfügbar bis 03.12.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Andrea Voß-Acker, Kommunikationsdesignerin
  • Bundesfinanzministerium
  • Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Sonderbriefmarke für Margot Friedländer aus Wuppertal, 04.12.2025, 6.00 Uhr.
Sendung: WDR2 Bergisches Land, Lokalzeit, 04.12.2025, 6.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 04.12.2025, 19.30 Uhr

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