Neuer "Trend"? Flucht vor Polizeikontrollen

03:13 Min. Verfügbar bis 19.05.2028

Verletzte und Sachschäden Mehr Verfolgungsjagden in Wuppertal

Stand:

Mehr als zehn Fälle von Fluchten vor Polizeikontrollen gab es in und um Wuppertal seit Jahresbeginn. Was dahinter steckt.

Wuppertal, der jüngste Fall: Eine Polizeistreife will ein Kleinkraftrad anhalten. Aber der Fahrer gibt Gas und haut ab - versucht es zumindest. Der 19-Jährige stürzt und verletzt sich. So meldet es die Polizei. Die sagt auch, dass der junge Mann am Lenker unter Drogen stand, der Roller war nicht zugelassen und geklaut.

Der Fall ist eine Blaupause für viele weitere in Wuppertal und landesweit. Die Konstellation ist nämlich immer sehr ähnlich: Beamte wollen ein Fahrzeug anhalten, Fahrerin oder Fahrer versuchen zu flüchten.

Die krassesten Fälle seit Jahresbeginn:

09.01.26In der Nacht fällt einer Streife in Wuppertal-Cronenberg ein Auto auf. Statt anzuhalten flüchten Fahrer und Beifahrer. Es kommt zum Crash. Im Auto finden die Beamten Einbruchswekzeuge, gegen den Fahrer liegen zudem zwei offene Haftbefehle vor.
12.01.26In Elberfeld flüchtet ein Mercedesfahrer vor einer Polizeikontrolle. Er rast über rote Ampeln, gerät mit hoher Geschwindigkeit in den Gegenverkehr. Die Flucht zu Fuß misslingt. Der Mann stand unter Drogen, hatte keinen Führerschein, das Auto hatte gestohlene Kennzeichen.
05.02.26Ein Lkw-Fahrer flüchtet vor einer Kontrolle. Die Verfolgungsfahrt geht quer durch Wuppertal und endet in Radevormwald. Der Mann flüchtet nach einem von ihm verursachten Unfall.
14.03.26Eine Verfolgungsfahrt nach Flucht vor einer Kontrolle endet im Schaufenster einer Bäckerei in Leverkusen. Der 44-Jährige hatte die Kontrolle über sein Auto verloren. Und wieder: Drogen-Konsum, kein Führerschein.
26.03.26Eine Polizeistreife will einen 300 PS starken Golf kontrollieren, als der Fahrer plötzlich Gas gibt. Auf der Flucht rammt er einen entgegenkommenden Kleinwagen. Dessen Fahrer wird schwer verletzt. Der Flüchtige versucht zu Fuß zu entkommen und leistet bei seiner Festnahme massive Gegenwehr.  

Auf der Flucht geblitzt

Diese Liste ließe sich mühelos erweitern. Im letztgenannten Fall dauern die Ermittlungen noch an, sagt der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. "Der Beschuldigte bestreitet, überhaupt gefahren zu sein. Wir haben allerdings mehrere Zeugen, die sehr klar aussagen, dass er der Fahrer war. Wir haben auch Fotos, wo er von Blitzanlagen erfasst worden ist, zum Teil mit 140 km/h."

Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert

Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert

Für die Polizei sind diese Fluchten vor allem eins: sinnlos. Davon ist Sprecher Stefan Weiand überzeugt.

"Wir sind vielleicht dann nicht unbedingt so schnell hinterher, aber wir sind viele." Stefan Weiand, Polizei Wuppertal

Erstmal gelte es hinterherzufahren und dranzubleiben. Sobald die Gefahr allerdings zu groß werde, breche man ab. "Wenn derjenige sich auch weiter in seine Situation reinsteigert und immer rücksichtsloser versucht wegzufahren, dann brechen wir ab, weil es zu gefährlich wird." Dann greife eine andere Strategie. "Wir können dann von der Leitstelle aus koordinieren und Kräfte positionieren, um das Fahrzeug doch noch anzuhalten."

Polizeisprecher vor Streifenwagen

Stefan Weiand sagt: "Flucht vor Kontrollen hat keinen Sinn."

Laut Oberstaatsanwalt Baumert beschäftigen die Häufung dieser so genannten "Raserfälle" inzwischen eine eigene Abteilung.

"Diese Verkehrsstraftaten in Form der illegalen Rennen - und dabei handelt es sich bei Polizeiflucht oft - wird in einer Sonderzuständigkeit bearbeitet und stringent zur Anklage gebracht." Wolf-Tilman Baumert, Staatsanwaltschaft Wuppertal

Vorwurf dann: illegales KfZ-Rennen. "Dazu benötigt man nicht unbedingt einen Partner, das kann auch eine Einzelfahrt sein", erläutert der Wuppertaler Strafrechtsanwalt Harald Benninghoven. "Und die Polizei bewertet das als Fluchtfahrt, wenn man versucht, sich von den Polizeibeamten im Fahrzeug zu entfernen."

Flucht kann im Gefängnis enden

Aber warum die vielen Fluchten vor Polizeikontrollen? Auch Benninghoven hat keine Antwort. "Es fällt halt nur auf, dass immer wieder gesagt wird: Ich habe das nicht bemerkt, ich wollte mich entziehen, weil ich nicht bei irgendetwas anderem entdeckt werden wollte."

Oft gehe es auch nur um einen Handyverstoß, eigentlich eine Lappalie. Hinzu kämen Polizeieinsätze, die möglicherweise überzogen seien. Wie die Verfolgung eines Autofahrers, der mit dem Handy am Ohr auffällt. "Wenn die Sache dann eindeutig ist, würde ich wahrscheinlich dem Mandanten raten, eine entsprechende Erklärung abzugeben." Bei einer Verurteilung ist die Spanne groß: Sie reicht von Geldstrafe bis zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Oberstaatsanwalt Baumert
  • Gespräch mit Polizeisprecher Stefan Weiand
  • Gespräch mit Anwalt Harald Benninghoven
  • Recherche WDR-Reporter

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 19.05.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus Wuppertal

1 / 2