Die Geschichte eines Niedergangs

WDR 03:15 Min. Verfügbar bis 16.07.2028

Brand im Wuppertaler Villa Wie die gelbe Villa zum Lost Place wurde

Stand:

Die Gelbe Villa in Wuppertal war jahrzehntelang geheimnisvolle Kulisse für Kinder aus der Nachbarschaft. Nach dem Verlust großer Flächen für eine Autobahnabfahrt geriet der Prachtbau in den Niedergang, stand leer, verfiel und wurde zum Lost Place. Jetzt hat ein Feuer die einsturzgefährdete Villa lichterloh brennen lassen – und ihre Geschichte wohl beendet.

Die Gelbe Villa, an die sich die Anwohner Lutz Flesch und Marieluise Hildesheim aus ihrer Kindheit erinnern, hat eigentlich nichts mehr mit dem Gebäude gemein, das am Mittwochabend in Wuppertal brannte - und nun wohl auch endgültig verloren ist.

Als die Feuerwehr kurz nach 20 Uhr bei der leerstehenden Villa eintraf, brannte das Gebäude schon lichterloh. Weil es einsturzgefährdet war, ließ die Feuerwehr es kontrolliert abbrennen.

Damwild und Märchenpark an der Gelben Villa

Einst war die prachtvolle Villa aus der Gründerzeit umgeben von einem traumhaften Park, erinnert sich Marieluise Hildesheim. Auch Lutz Flesch kann einiges aus dieser Zeit erzählen. Er ist mit Blick auf die Villa aufgewachsen.

Mann füttert Damwild

Karl Lenzner hatte in seinem Park an der "Gelben Villa" sogar Damwild

Ein Mann mit weißen Haaren und Brille

Lutz Flesch ist ein Anwohner von der "Gelben Villa"

"Wir konnten die Hirsche röhren hören. Es waren Rehe und Hirsche da. Und wir sind als Kinder losgezogen, haben Kastanien gesammelt. Die haben wir dann zum Lenzner gebracht und gegen Äpfel und Birnen eingetauscht", erzählt Flesch.

Karl Lenzner, der sich als Schraubenfabrikant wirtschaftlich hochgearbeitet hatte, hatte die Villa 1937/38 erworben und lebte dort mit seiner Familie.

Autobahnabfahrt Barmen-Mitte und Wertverlust der Villa

Frau mit grauen Haaren

Marieluise Hildesheim kannte die "Gelbe Villa" schon als Kind

"Der Park und die Villa waren immer eine verschlossene, verborgene, geheimnisvolle Märchenlandschaft. Und für die Kinder lag die große Verführung darin, verstecken zu spielen und vom Gärtner und der Häushälterin oder Frau Lenzner nicht entdeckt zu werden", erzählt Marieluise Hildesheim.

Dann, in den 1960er Jahren, verlor Lenzner fast die Hälfte seines Grundstücks für den Bau der Autobahnabfahrt Barmen-Mitte. Die einst prächtige Villa lag nun unmittelbar daneben, verlor erheblich an Wert und geriet in den Niedergang, so der Bergische Geschichtsverein. Nach dem Tod der Fabrikantenfamilie wurde die Villa weiterverkauft und blieb lange unbewohnt.

Häuser und ein weitläufiger Park in schwarz weiß

So sah das Gelände rund um die "Gelbe Villa" früher aus.

Lost Place Gelbe Villa: Verfall, Partys und Brandruine

"Dann wurde sie von Junkies, Drogensüchtigen und Obdachlosen aufgesucht. Sie wurde im Laufe der Zeit zu einem sogenannten Lost Place." Marieluise Hildesheim

Die Villa zog immer wieder Fans von verlassenen Orten an. Sie schlichen sich in das Gebäude und machten zum Beispiel Aufnahmen von dem Verfall. Die Fotos teilten sie mit anderen Fans im Internet. Auch Partys hätten die Anwohner schon mitbekommen.

"Die haben zum Teil einen Ghettoblaster auf dem Dach aufgestellt und haben oben getanzt. Dann war hier ein sehr lautes Rockkonzert sonntags, wo keiner was von wusste. Die Polizei ist hinter den Leuten hergelaufen und die sind zum Teil in der Unterhose geflüchtet", so Lutz Flesch.

Er hofft nun, dass die Brandruine bald abgerissen wird. Und die gelbe Villa als Lost Place von der Karte verschwindet.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke der Reporterin vor Ort
  • Gespräche unserer Reporterin mit den Anwohnern
  • Polizei Wuppertal
  • Feuerwehr Wuppertal
  • Bergischer Geschichtsverein

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land16.07.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung des Beitrags am 16.07.2026

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