Wuppertaler Pfarrerin verbindet Gehörlose und Hörende

WDR 03:11 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

Zwischen zwei Welten Wuppertaler Pfarrerin verbindet Gehörlose und Hörende

Stand:

Pfarrerin Verena Kroll hat in kürzester Zeit Gebärdensprache gelernt - im Stadtteil Uellendahl finden durch sie zwei Gemeinden trotz Barrieren zueinander. Wie sie die zwei Welten - gehörlos und hörend - wahrnimmt und verbindet.

Wenn Verena Kroll gebärdet, hat man - zumindest als Laie - den Eindruck, sie hätte nie etwas anderes gemacht: Manchmal reißt sie die Augen oder den Mund weit auf, während ihre Hände dazu ausdrucksstark und selbstsicher kommunizieren.

Ihre Predigt im Evangelischen Gemeindezentrum Uellendahl soll heute eine ganz besondere sein - nicht nur weil die Gehörlosengemeinde 140 Jahre Jubiläum feiert.

Sie ist aufgeregt, weil sie heute besonders viel in Gebärdensprache predigen wird. Diese hat sie vor nicht allzu langer Zeit erst gelernt, dafür aber im Rekordtempo. Heute hat sie eine halbe Stelle in der Gemeinde der Hörenden und die andere halbe in der Gehörlosengemeinde.

"Sowohl die Hörende als auch die gehörlose Gemeinde passen perfekt zu mir." Verena Kroll, Pfarrerin der Gehörlosengemeinde und Ev. Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum

Zweifel und Dazugehörigkeit

Noch in der Ausbildung, hatte ihre Vorgängerin ihr Talent für Gebärden entdeckt und sie versucht zu überzeugen. "Ich habe dann echt Angst gehabt. Kann ich Gebärdensprache lernen? Wie wird die Gemeinde mich aufnehmen? Ich konnte das ja alles gar nicht. Ich hab mich dann überreden lassen, in einen Gehörlosen-Gottesdienst zu kommen und dann war es um mich geschehen."

Kroll fand die Gebärdensprache von Anfang an faszinierend: "Wenn man etwas bildlich denken muss, dann bekommt es auf einmal einen ganz anderen Raum. Mein Lieblingsbeispiel ist das Wort Vergebung. Was ist eigentlich Vergebung? Diese Gebärde Vergebung, Gott nimmt etwas aus meinem Kopf und aus meinem Herzen und wirft es einfach weg, das war für mich nochmal so ein richtig sprechendes Bild."

"Gehörlose brauchen auch Räume unter sich"

Zwei Welten, zwei Lebensrealitäten an einem Ort - im Gemeindezentrum Uellendahl-Ostersbaum - zu verbinden, ist für Kroll zwar oft auch eine terminliche Herausforderung, aber sehr bereichernd. Und auch wenn hier Inklusion gelebt werde, stellt Kroll fest, wie wichtig es ist, dass auch beide Gemeinden mal unter sich bleiben.

Frau im Talar gebärdet

Pfarrerin Verena Kroll hat die Gebärdensprache für die Gemeinde gelernt

140 Jahre Gehörlosengemeinde

Die Gehörlosengemeinde Wuppertal - gegründet 1886 - ist die Älteste der rheinischen Landeskirche - von Emmerich bis Saarbrücken.

Umso schöner findet es auch Superintendentin Katharina Pött, dass die Gemeinde seit so vielen Jahren besteht: "Weil sie die besondere Sprache und ihre Pfarrerin brauchen, die sie versteht und die sie verstehen und weil es Orte geben muss, wo der Gottesdienst nur für sie gefeiert wird."

Am Ende des Jubiläumsgottesdienstes schreiben Kinder und Erwachsene, darunter hörende und gehörlose, ihre Wünsche für die Zukunft auf kleine Holzfische. An der Wand der Kapelle hat Kroll ein Fischernetz drapiert. Mit Haken werden die Fische daran befestigt. Ein Symbol für das gemeinsame Netz, den Zusammenhalt in der Gemeinde.

Eine Frau sitzt mit anderen am Tisch und gebärdet

Gisela ist Mitglied der Gehörlosengemeinde

Hörende und Gehörlose feierten gemeinsam

Wie stark die Verbindung der Gehörlosengemeinde aber auch mit den Hörenden ist, zeigt sich bei dem Jubiläum deutlich. Frederike Quel ist hörend, hat Gebärden gelernt und kam extra aus dem Sauerland angereist, weil sie bis heute Kindheitserinnerungen mit der Gehörlosengemeinde verbindet: "Wir haben als Kinder damals in der Philippuskirche mitgebärdet und da entstand mein Interesse, mehr zu lernen und diese andere Welt mitzuerleben."

Wie schnell und sicher ihre neue Pfarrerin damals die Gebärden gelernt hat, hat viele in der Gehörlosengemeinde beeindruckt - so auch Gisela: "Es gefällt mir, wie sie gebärdet. Man kann sich gut mit ihr unterhalten. Sie ist ein sehr warmherziger Mensch und das passt absolut für Gehörlose und für die Gemeinde. Das merkt man sofort."

Unsere Quellen:

  • Gehörlosengemeinde Wuppertal
  • Evangelische Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum
  • Evangelischer Kirchenkreis Wuppertal

Sendung: WDR.de, Wuppertaler Pfarrerin verbindet Gehörlose und Hörende, 07.07.2026, 14.58 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 07.07.2026, 19:30 Uhr

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