Aus für Pina-Bausch-Zentrum?
Bildquelle: Stadt WuppertalWDR. 1 Min. 41 Sek.. Verfügbar bis 28.09.2028.
Nach Berechnungen der Stadt wird das Pina-Bausch-Zentrum wohl 228 Millionen Euro kosten. Bislang war von 160 Millionen Euro die Rede. Die Verwaltung hat die Berechnungen in der heutigen Ratssitzung präsentiert.
Pina-Bausch-Zentrum: Zusatzkosten woanders einsparen
Auch wenn Bund und Land das Projekt zum Großteil fördern wollen, trägt die Stadt die Mehrkosten. Um das Zentrum zu finanzieren, müsste die Stadt das Geld aber woanders einsparen. Zusätzliche Kredite sind wohl tabu, weil sich Wuppertal in der Haushaltssicherung befindet. Das heißt, dass die Stadt der Bezirksregierung in zehn Jahren einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren muss.
Anfang Juli hatte der Kämmerer angekündigt, dass wegen der dramatischen Haushaltslage alle Großprojekte auf den Prüfstand kommen. In Kreisen der Politik wurde schon vom Todesurteil für das Pina-Bausch-Zentrum gesprochen, zumindest in seiner jetzigen Form.
Drei neue Varianten im Gespräch
Obwohl das Pina-Bausch-Zentrum jetzt fast 70 Millionen Euro teurer werden soll als bisher berechnet, hält Wuppertals Kulturdezernent Hagen Lippe-Weißenfeld an dem Projekt fest. Er wolle der Politik in wenigen Wochen drei weitere Varianten zum geplanten Pina-Bausch-Zentrum vorlegen. Dass es sich hierbei um "abgespeckte Varianten" handeln werde, wollte der Kulturdezernent nicht bestätigen.
Möglich wäre damit also, dass die Stadt nur das denkmalgeschützte Schauspielhaus saniert. Ob aber der daneben geplante Neubau kommt, steht in den Sternen.
Politische Rückendeckung trotz Kostenschock
Dass das Pina-Bausch-Zentrum aufgrund der Kostensteigerung jetzt vor dem Aus stehen könnte, davon wollte heute niemand sprechen. Die Politik sicherte dem Kulturdezerneten sogar Rückendeckung zu. "Wenn wir die Chance jetzt vertun, dann kommt die nie wieder", sagte etwa die CDU-Fraktionsvorsitzende Anja Vesper im Anschluss an die Ratssitzung.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ben Thunecke freut sich, dass die Kulturverwaltung neue Varianten in Aussicht gestellt hat. Er erinnert jedoch daran, dass der Rat der Stadt noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällen muss. Denn davon hingen Fördergelder des Bundes ab.
"Wir haben das bei Bauten, bei Schulbauten, Schwimmbädern, Stadthalle immer gesehen, dass es immer eine Kostensteigerung gibt. Und damit müssen wir leben." Dagmar Liste, Bündnis 90/Die Grünen
Rückendeckung kommt auch von den Linken. Gestorben sei das Projekt sicher nicht, sagte der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Salvador Oberhaus. Dass der Rat der Stadt bis zum Ende des Jahres noch eine Entscheidung fällt, hält Oberhaus zwar für "ambitioniert, aber nicht unmöglich."
Heimat für das weltberühmte Tanztheater
Mit dem Pina-Bausch-Zentrum will die Stadt dem weltberühmten Tanztheater eine Heimat geben. Außerdem soll es das Archiv der Choreographin beherbergen. Geplant ist, dafür das ehemalige Schauspielhaus in Wuppertal aufwendig umzubauen und einen teuren Glasbau daneben zu errichten.
Die Stadt sagt selbst, dass das Projekt deutlich kleiner ausfallen muss, wenn es nicht gelingt, das zusätzliche Geld an anderer Stelle einzusparen.
Unsere Quellen:
- WDR-Recherchen
- Stadtverwaltung Wuppertal
- Eindrücke und Interviews des WDR-Reporters bei der Ratssitzung
Sendung: WDR.de, Aus für Wuppertaler Pina Bausch-Zentrum?, 28.09.2026, 14:49 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 28.09.2026, 19:30 Uhr
