Oberberbürgermeisterin Miriam Scherff, SPD, äußert sich nach der Stellungnahme der AfD.
Bildquelle: WDR/Gaby van den BoomZwei AfD-Mitglieder hätten ihr Haus beobachtet und fotografiert - mit diesen Vorwürfen hat sich Wuppertals Oberbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) in der vergangenen Woche auf ihrem Instagram-Profil an die Öffentlichkeit gewandt. Die AfD dementierte dies. Nun meldet sich Scherff erneut.
Es habe sich bei dem Besuch um eine Ortsbegehung gehandelt, unter anderem, um die dortige Verkehrssituation und einige Baustellen anzuschauen, hieß es in einer Stellungnahme des AfD-Kreisverbands Wuppertal.
Scherff entgegnet AfD-Aussagen: "Es entfallen keine Parkplätze"
Nach dieser Begehung ging ein Antrag der AfD bei der Stadt Wuppertal hinsichtlich dreier Baustellen in dem Bereich ein, bestätigt Scherff. "Unter anderem wurde nach einer bereits seit Juni bestehenden Baustelle gefragt, durch die mehrere Parkplätze gesperrt seien sollen", so die Oberbürgermeisterin.
Dass dort eine Baustelle ist, sei zwar richtig, sagt Scherff. "Allerdings entfallen durch diese keine Parkplätze. Dieser Umstand hätte bei einer Besichtigung und Dokumentation der Örtlichkeit festgestellt werden können." Auch habe die AfD in ihrer Anfrage Fragen zu Baumaßnahmen gestellt, die sie persönlich beträfen, schrieb die Wuppertaler Oberbürgermeisterin in ihrer Stellungnahme.
Zwar hätte die AfD das Recht, Anfragen dieser Art zu stellen, so die Politikerin. Dann müssten sie aber auch Reaktionen wie die von Scherff akzeptieren. Ebenso müsse die Partei "sich gefallen lassen", dass "der Geschehensablauf sowie eine Bewertung dieses öffentlich gemacht wird", äußert Scherff.
"AfD überschreitet wahrscheinlich datenschutzrechtliche Grenzen"
Miriam Scherff kritisiert in ihrer Stellungnahme nicht nur den Vorfall selbst - auch die Antwort der AfD darauf. Sie beinhalte ihrer Ansicht nach auch Passagen, die datenschutzrechtlich schwierig seien. Darunter etwa, dass ein konkreter Straßenname mit ihrem "persönlichen Wohnumfeld" verbunden und in den sozialen Medien veröffentlicht wurde.
"Ich empfinde es als verantwortungslos, mein privates Wohnumfeld ohne erkennbare Notwendigkeit öffentlich weiter einzugrenzen." Miriam Scherff, Wuppertals Oberbürgermeisterin
Die AfD habe dadurch in Kauf genommen, so Scherff, dass ihr privates Umfeld so für einen "größeren Personenkreis" identifizierbar gemacht werde. Dadurch habe die Partei "wahrscheinlich datenschutzrechtliche Grenzen" überschritten.
"Das wiegt für mich besonders schwer", sagt Scherff. So könne sie auch von Personen "ins Visier genommen werden, von denen im Einzelfall eine reale Gefahr ausgeht".
Scherff: Auch meine Familie ist betroffen
Da nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Familie inklusive ihrer kleinen Tochter in dem Haus wohne, sei auch diese von der Situation betroffen, schildert Miriam Scherff. Die AfD nehme "billigend in Kauf, dass auch sie den möglichen Folgen einer politischen Auseinandersetzung ausgesetzt wird".
Scherff spricht in ihrem Schreiben von einer "Sippenhaft", in die ihre Familie genommen werde. Der Begriff "Sippenhaft" beschreibt die Pflicht Verwandter und anderer Angehöriger, für die Schuld eines Menschen einzustehen. Das NS-Regime nutzte die Sippenhaft gezielt als Druckmittel gegen Regimegegner.
Scherff: Eindruck der Einschüchterung und Bedrohung hat sich verstärkt
Scherffs Fazit: "In der Gesamtschau hat sich deshalb bei mir der bereits vor Ort entstandene Eindruck einer gegen mich persönlich gerichteten Einschüchterung und Bedrohung weiter verstärkt."
Der WDR hat den Kreisverband Wuppertal der AfD mit den erneuten Vorwürfen Scherffs konfrontiert. Bis Montagabend gab es dazu noch keine Rückmeldung.
Unsere Quellen:
- Stellungnahme von Miriam Scherff
Sendung: WDR.de, "Meine Familie wird in 'Sippenhaft' genommen", 28.09.2026, 20:50 Uhr