Gastronomen noch nicht im WM-Fieber
03:00 Min.. Verfügbar bis 24.06.2028.
Vor 20 Jahren, zur Fußball-WM in Deutschland, war Public Viewing für viele Gastronomen das große Geschäft: Riesige Begeisterung des Publikums für die Weltmeisterschaft im eigenen Land, Sommermärchen, volles Haus an hunderten Orten, an denen die Spiele mit großer Leinwand gezeigt wurden.
Später Anstoß wegen der WM in Übersee
Das Gegenteil in diesem Jahr: Einige Spiele der Deutschen Mannschaft starten erst gegen 22 Uhr, viele Besucher müssen am nächsten Morgen früh raus zur Arbeit. Hohe Sicherheitsauflagen treiben die Kosten. Das Ergebnis: Nur ganz wenige Orte, an denen die Spiele öffentlich gezeigt werden. In Wuppertal ist das Barmer Brauhaus in diesem Jahr ein Magnet für's Publikum.
Lange Vorbereitung für die entscheidenden Momente: Ralf Derkum
Ralf Derkum ist als Veranstalter verantwortlich für das Public Viewing im Barmer Brauhaus. Selbstverständlich, sagt er, habe er sich auch in diesem Jahr die Lizenz besorgt.
Ich habe keine Sekunde gezögert. Ich weiß, alle haben wieder negativ geredet, aber eine Weltmeisterschaft ist alle vier Jahre. Mich begeistert das immer wieder, Menschen in diesen Massen zu bewegen. Ralf Derkum, Veranstalter Public Viewing Barmer Brauhaus
Dafür war er beim Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste schon sieben Stunden vor dem Anpfiff im Brauhaus. Einsatzpläne der Security besprechen, den Einlass und die Kassen vorbereiten. "Das Spiel startet um Zehn, kurz vor Zwölf ist Ende, dann bin ich um Eins im Bett. Das geht schon", sagt er. Ähnlich wird es wahrscheinlich auch beim Spiel morgen gegen Ecuador.
Besuchermagnet: Public Viewing im Barmer Brauhaus in Wuppertal
Es war nicht einfach, das Public Viewing auf die Beine zu stellen. Die Bundesregierung hatte eine Ausnahmeregel auf den Weg gebracht, damit Spiele auch am Abend und in der Nacht gezeigt werden können. Die Stadt Wuppertal ließ dennoch jeden Antrag vom Ordnungsamt prüfen. Das öffentliche Interesse müsse vor dem Ruhebedürfnis der Anwohner stehen. Im Barmer Brauhaus hat das gekappt.
Hotel- und Gaststättenverband skeptisch
Planungssicherheit und weniger Bürokratie. Das hatte auch der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA gefordert. Wegen der späten Anstoßzeiten, dem Konflikt mit der Nachtruhe und einem möglichen "Flickenteppich" bei der Genehmigung durch die Kommunen. Auch diese Bedingungen könnten interessierte Gastronomen vom Vorhaben Public Viewing abgeschreckt haben.
Hexenkessel bei tropischen Temperaturen
Ralf Derkum war beim letzten Spiel bis weit nach Mitternacht im Barmer Brauhaus im Einsatz. Glücklich, dass die Deutschen durch ein Last-Minute-Tor die Partie doch noch gewonnen haben. "Ich hoffe, sie werden Gruppenerster. Dann sind die Anstoßzeiten nicht mitten in der Nacht." Das hat die Deutsche Mannschaft schon geschafft.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräche mit Besuchern
- Gespräch mit Veranstalter Ralf Derkum
- Gespräch mit Deutschem Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA
Sendung: WDR.de, Extase um Mitternacht bei der Fußball-WM, 24.06.2026, 16:46 Uhr Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 24.06.2026, 18:09 Uhr
