Wuppertaler Studenten entwickeln moderne Roboter
Bildquelle: Benny Degen / WDRWDR. 3 Min. 57 Sek.. Verfügbar bis 18.08.2028.
Zukunft, made in Wuppertal: An der Bergischen Universität entwickelt Professor Martin Topel mit seinen Studierenden Service-Roboter. Die sollen nicht nur Vision bleiben, sondern funktionsfähig und realistisch umsetzbar sein. In den letzten Jahren gab es dabei stets Wirtschaftspartner, die die Projekte der angehenden Industrie-Designer dann auch auf den Markt brachten.
Dieses Mal war das aufgrund der mauen Wirtschaftslage keinem Unternehmen möglich. Deshalb existieren die Projekte hautpsächlich als 3D-Druck-Modelle und Computer-Animationen. Und noch etwas ist dieses Mal anders: In jedem der digitalen Helfer steckt Künstliche Intelligenz.
LifeLink WAVE-01: Die autonome Seenot-Rettungsboje
Konstantinos Sampanis beschreibt das Szenario, in dem sein Projekt helfen soll: Es ist Nacht und dunkel, auf einem Schiff ist Party, jemand fällt über Bord. Keiner bemerkt etwas. Und selbst wenn, dauert es lang, bis das Schiff angehalten und gedreht hat. Hier kommt LifeLink ins Spiel: Die Wasserdrohne hatte bis zu diesem Zeitpunkt still an der Reling gehangen.
Jetzt lässt sie sich ins Wasser fallen und fährt zur über Bord gefallenen Person. Dabei kann sie auch manuell ferngesteuert werden, wenn nötig. Sie gibt Anweisungen, wie man sich an ihr festzuhalten hat. Anschließend bringt sie die gerettete Person zurück in eine sichere Zone am Schiff, von der sie wieder an Bord geholt werden kann.
Ein CAD Modell des LifeLink
Bildquelle: WDR / Konstantinos SampanisPRISMA: Zurücklehnen, während der Roboter den Bürgersteig räumt
Der Roboter von Student Ary Völker erinnert an einen Staubsauger-Roboter, ist aber für den Outdoor-Bereich gedacht. Mit Bürsten und Walzen versehen kann PRISMA den Bürgersteig freiräumen. Und zwar sowohl von Eis und Schnee im Winter, als auch im Herbst vom Laub.
Der Auffangbehälter reicht für viele Wochen und muss nur ab und an geleert werden. Die Bonus-Funktion: PRISMA erkennt beim Befahren des Gehwegs Schadstellen und meldet diese eigenständig.
Rise: Der Rollator, der aktiv mithilft
Bei Lauritz Scholz begann alles mit einem Holz-Prototypen - am Ende aber soll ein Hightech-Gerät stehen, das trotzdem wohnlich aussieht: Der smarte Rollator "Rise". Zunächst einmal kann dieser selbst fahren. Schafft es eine Person nicht, eigenständig aus dem Bett aufzustehen, kann sie Rise rufen - der kommt angefahren und fährt die Griffe auf die richtige Höhe, damit man sich abstützen kann.
Anschließend fahren die Griffe beim Aufstehen unterstützend mit nach oben. Mit einem kleinen Display versehen, kann Rise aber auch ans Trinken oder die Einnahme von Tabletten erinnern. Außerdem erlauben es mehrere Kameras, einen Sturz zu erkennen, Hilfe anzubieten oder direkt andere Menschen zu alarmieren.
Vieles beginnt mit einem Holz-Prototypen - auch der smarte Rollator
Bildquelle: Benny Degen / WDRB.O.B.: Der Baustelle Organisation Bot
Mit seinem großen Arm wirkt der Roboter von Vincent Köberl ein wenig wie eine Giraffe auf vier Rädern. Der frisst aber keine Blätter, sondern hilft - wie der Name schon sagt - bei der Organisation auf einer Baustelle, etwa beim Bau eines Hauses.
Vor Beginn der Arbeiten muss hier an Wänden, Boden und Decke angezeichnet werden, wo Kabel verlaufen, Lichtschalter installiert oder eine Fußbodenheizung sein sollen. Diese Übertragung der Pläne auf die sprichwörtliche weiße Wand übernimmt B.O.B., der mit seinem Arm sämtliche Wege autonom einzeichnen kann. Um durch die Türen zu passen, kann er sich selbständig einklappen.
Der Baustellen-Roboter soll verschiedene Farben haben - angelehnt an die Helme auf dem Bau
Bildquelle: Uni Wuppertal / Vincent KöberlWB-1: Der smarte Wegweiser für den Flughafen
Wer kennt es nicht - am Flughafen zu lange im Duty-free-Shop gewesen, letzter Boarding-Aufruf, die drängende Frage: Wie komme ich am schnellsten zu meinem Gate? Für solche Fälle hat sich Jun Feld seinen Service-Roboter einfallen lassen. Der steht in Flughäfen, Bahnhöfen oder großen Messen an vorgegebenen Punkten, ist aber auch selbständig unterwegs und erkennt, wenn jemand suchend aussieht.
Dann fragt er, ob er helfen kann - und zwar in verschiedenen Sprachen. Sagt man ihm, welche Hilfe man benötigt - etwa, schnellstmöglich zum Gate für den Flug nach Mallorca zu kommen - zeigt er dem Hilfesuchenden den Weg. Dabei flitzt er auf Rollen durch die Hallen und Gänge und hat außerdem ein Display, das nicht nur Mimik, sondern auch zusätzliche Infos anzeigen kann.
Pavo: KI-gesteuertes Schlagloch-Flicken bei rollendem Verkehr
Kaputte Straßen nerven. Erst Schlaglöcher, dann wochenlange Sperrungen und Baustellen. Und für die gibt es auch noch zu wenig Personal. Um all das zu lösen, kann Pavo, der Roboter von Mathis Schüll, Straßen autonom flicken. Er ist etwas größer als ein Pkw und mit etwa zwei Tonnen Splitt und Emulsion befüllt. Damit fährt er eigenständig zu bekannten Schadstellen im Straßenbild.
Die sperrt er mit Warnleuchten ab, damit der rollende Verkehr die Stelle umfährt, und bringt das Material ins Schlagloch ein. Ist das Loch aufgefüllt, kann der Vekehr wieder normal fließen und verdichtet dabei die ausgebesserte Stelle sogar durch die darüber rollenden Räder.
Das autonome Fahrzeug asphaltiert im rollenden Straßenverkehr
Bildquelle: Uni Wuppertal / Mathis SchüllTolle Ideen - realistische Umsetzungschancen?!
Erst einmal gibt es all diese Roboter jetzt nur als Modelle, Animationen oder Simulationen. Aber laut Professor Topel haben alle Projekte des aktuellen Kurses eine realistische Umsetzungschance. Er sagt: "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn nicht das ein oder andere davon in ein paar Jahren so oder so ähnlich auf dem Markt landen würde."
Unsere Quellen:
- Bergische Universität Wuppertal und Professor Martin Topel
- Gespräche und Interviews des WDR-Reporters bei Besuch des Projekts "Visionlabs 2026" an der Uni Wuppertal
- Material der Studenten Konstantinos Sampanis, Mathis Schüll, Lauritz Scholz, Jun Feld, Vincent Köberl, Ary Völker
- Abschluss-Präsentationen des Bachelor-Kurses von Prof. Martin Topel
Sendung: WDR.de, Roboter statt Rettungsring, 21.08.2026, 05:01 Uhr
