Die Bethel Kampagne "Siehst du mich?" zieht auch Hass-Kommentare an.

WDR 00:49 Min. Verfügbar bis 10.07.2028

Schock über Hass gegen Daniel "Eine neue Qualität der Menschenverachtung"

Stand:

Daniel soll in einer Kampagne von Bethel Mut machen. Doch im Netz wird ihm teils sogar das Lebensrecht abgesprochen.

Daniel lächelt in die Kamera. Er ist eines von vier Gesichtern einer Kampagne, mit der die von Bodelschwinghsche Stiftung Bethel Menschen mit Behinderungen sichtbarer machen will. Auf Plakaten und in sozialen Netzwerken. In einem kurzen Video tanzt Daniel fröhlich mit seiner Therapeutin. Das Video wird millionenfach gesehen. Auch von Menschen, die in der Kommentarspalte ihren Hass abladen.

Menschen mit Behinderung teilweise Lebensrecht abgesprochen

Bethel-Vorstandsvorsitzender Bartolt Haase schockieren die Kommentare: "Menschen wie Daniel werden darin nicht nur in ihrer Würde und Menschlichkeit verletzt und entwertet", sagt Haase.

"Ihnen wird bisweilen das Lebensrecht abgesprochen." Bartolt Haase, Bethel-Vorstandsvorsitzender

Es ist dem Vorstand ein Anliegen, die Jahrespressekonferenz auch dafür zu nutzen, auf diesen gesellschaftlichen Wandel hinzuweisen. Es sei Auftrag der Stiftung für Menschen mit Behinderung einzustehen. Ein weiterer gesellschaftlicher Wandel sei die Zunahme psychischer Erkrankungen seit Corona.

Drei Männer vor einem Bildschirm an einem Konferenztisch.

Der Vorstand der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel blickt auf eine positve Bilanz mit ein paar Rückschlägen.

Positive Bilanz und Wachstum

Mit Blick auf die Bilanz für das Jahr 2025 ist das Unternehmen zufrieden. Die Gesamterträge stiegen auf 2,05 Milliarden Euro (2024: 1,98 Milliarden Euro), die Zahl der Mitarbeitenden erhöhte sich auf bundesweit 25.897, ein Plus von mehr als vier Prozent. Durch 305.000 Einzelspenden flossen laut Jahresbilanz mehr als 70 Millionen Euro in die Kasse.

Hinter all den Zahlen stünden auch immer Menschen, macht Bertold Haase klar. Ziel sei es vor allem dort, wo Bethel agiert, beständig zu sein statt weiter zu wachsen.

Sorge vor Kürzungen und Reformen

"Wir merken unmittelbar, wenn die öffentlichen Kassen klamm sind", sagt Christoph Nolting, stellvertretender Vorsitzender. Viele Kürzungen im sozialen Bereich sorgen für Herausforderungen. So sei eine Überlegung etwa, die Fahrdienste für Menschen mit Behinderung zu kürzen. "Damit ist Teilhabe schlicht nicht mehr möglich", so Nölting. Auch die gerade beschlossene Gesundheitsreform sorgt in Bethel für Unsicherheit.

"Wir gehen davon aus, dass ab dem nächsten Jahr der wirtschaftliche Druck im Krankenhausbereich deutlich zunimmt. Aber wir müssen erst noch bewerten, was das im Einzelnen bedeutet, welche Auswirkungen das etwa auf das Personal hat." Bartolt Haase, Bethel-Vorstandsvorsitzender

In Bethel wünscht man sich, in politische Entscheidungen mit eingebunden zu werden, um auch weiterhin gute Arbeitsplätze stellen zu können. Haase geht aber nicht davon aus, dass es in den von Bethel betriebenen Krankenhäusern durch die Reform zu Entlassungen kommen wird.

Hinweis der Redaktion, 11.07.2026, 9 Uhr: In einer vorherigen Version haben wir geschrieben, dass die Bethel-Stiftung im vergangenen Jahr 70 Milliarden mehr Gesamterträge hatte. Das stimmt nicht. Richtig ist, dass die Gesamterträge auf 2,05 Milliarden Euro (2024: 1,98 Milliarden Euro) gestiegen sind. Den Fehler haben wir korrigiert.

Hasskommentare nach Kampagne

WDR 10.07.2026 00:39 Min. Verfügbar bis 10.07.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der Reporterinnen vor Ort
  • Recherche der Reporterinnen vor Ort
  • Gespräch mit Bartolt Haase
  • Gespräch mit Christoph Nölting
  • Jahresbericht Bethel

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 10.07.2026, 19:30 Uhr

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