Griffel, Rohrstock und Plumpsklo in der Osthusschule
Bildquelle: WDR/ Edith SteckerWDR. 3 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 26.08.2028.
Lernen wie vor 100 Jahren : Griffel, Rohrstock und Plumpsklo in der Osthusschule
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Griffel statt Tablet, Rohrstock statt Klassenampel: Im Museum Osthusschule in Bielefeld-Senne erleben Kinder, wie Unterricht vor rund 100 Jahren aussah. Zwischen Eselsmütze, Schiefertafel und Plumpsklo wird Geschichte plötzlich lebendig.
"Guten Morgen, liebe Kinder!" Kaum hat Museumsleiterin Silke Schmidt die historische Schulglocke geläutet, wird es mucksmäuschenstill im Klassenraum. Die Kinder der 3. Klasse der Georg-Müller-Schule sitzen auf alten Holzbänken, ihre Hände liegen ordentlich vor ihnen auf den Tischen. Dann folgt die erste Kontrolle: "Gestern war Kartoffelernte. Jetzt wollen wir mal sehen, ob die Finger sauber sind."
Was wie eine Filmszene wirkt, gehört in der Osthusschule zum alltäglichen Programm. Das ehemalige Schulgebäude in Bielefeld-Senne ist heute ein Museum. Hier können Schulklassen, Familien und Gruppen erleben, wie Unterricht um 1900 aussah.
Gehorsam im Klassenraum: Aufstehen, ganze Sätze, kein Lachen
Die Regeln sind streng: Wer antworten möchte, muss aufstehen und in ganzen Sätzen sprechen. Gelacht wird nicht, heimliches Lesen ist auch nicht erlaubt. Selbst Linkshänder müssen mit der rechten Hand schreiben.
Bei mangelndem Gehorsam drohten durchaus auch Schläge mit dem Rohrstock.
Bildquelle: WDR/ Edith Stecker"Das Schwierigste war eigentlich, dass die Kinder so gehorsam sein mussten", sagt Silke Schmidt, die selbst viele Jahre Schulleiterin war. "Heute dürfen sie erzählen, Fragen stellen und jeder lernt in seinem eigenen Tempo. Das wäre damals undenkbar gewesen."
Auch Strafen gehörten zum Schulalltag. Die Kinder lernen den Rohrstock kennen, mit dem Lehrer früher manchen "Übeltäter" schlugen. Oder den Holzesel, auf dem als besonders dumm geltende Schüler Platz nehmen mussten, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben - oft noch "gekrönt" durchs Tragen einer Eselsmütze.
"Früher sind viele Kinder tatsächlich mit Angst zur Schule gekommen. Das können sich Kinder heute kaum noch vorstellen.“ Silke Schmidt, Museum Osthusschule
Griffel, Schiefertafel und ein Plumpsklo
Die "Tablets" von damals - geschrieben wurde mit Griffeln auf abwischbaren Schiefertafeln.
Bildquelle: WDR/ Edith SteckerGeschrieben wird nicht mit Füller, Bleistift oder auf dem Tablet, sondern wie seinerzeit mit dem Griffel auf der Schiefertafel. "Ich habe versucht, meinen Namen zu schreiben. Das war richtig schwer", erzählt eine Schülerin. Ihre Freundin staunt: "Da hat einer richtig schön geschrieben und trotzdem nur eine 3 bekommen. Viel zu streng."
Nach dem Unterricht geht es weiter durch das Museum. In der ehemaligen Lehrerwohnung erfahren die Kinder, dass Lehrer früher direkt neben der Schule wohnten. Für die größten Lacher sorgt allerdings das historische Plumpsklo. "Hier haben die früher reingekackt … und Zeitung war Klopapier“, stellen die Schülerinnen fest. Ob sie das benutzen würden? Ein lautes "Neeee!“ beantwortet die Frage sofort.
Mehr als ein Museum
Die Osthusschule wurde 1895 gebaut und bis 1970 als Volksschule genutzt. Seit 1995 ist sie ein Schulmuseum, das vom Förderverein Osthusschule ehrenamtlich betrieben wird. Neben dem historischen Klassenraum gehören auch eine ehemalige Lehrerwohnung und ein großer Museumsgarten zum Gelände. Der Verein will Schul- und Alltagsgeschichte nicht nur ausstellen, sondern erlebbar machen.
"Wenn Großeltern mit ihren Enkeln kommen, entstehen ganz automatisch Gespräche über die eigene Schulzeit." Silke Schmidt, ehemalige Schulleiterin
Nach 45 Minuten endet die Zeitreise. Die Kinder dürfen wieder lachen, aufstehen und sich frei bewegen. Und sie gehen mit einer Erkenntnis nach Hause: Schule war früher ganz schön streng und die meisten sind froh, dass heute Griffel, Rohrstock und Plumpsklo längst Geschichte sind.
Unsere Quellen:
- Recherchen der WDR-Reporterin vor Ort
- Museum Osthusschule
Sendung: WDR.de, Griffel, Rohrstock und Plumpsklo in der Osthusschule, 27.08.2026, 06:03 Uhr
