Städte in NRW fördern bepflanzte Fassaden
Bildquelle: WDR / Annette HoltmeyerWDR. 3 Min. 12 Sek.. Verfügbar bis 26.08.2028.
Gärtnermeister Milan Jünkersfeld steigt die Leiter hoch und zupft mit kritischem Blick an der Clematis und den Rosen. Denn die hat er vor anderthalb Jahren an der Wand des Bonner Altbaus gepflanzt und mit einem Drahtgerüst befestigt. "Ich kontrolliere, wie sich die jungen Pflanzen entwickeln und ob das Gerüst sie auch überall vernünftig hält. Ein paar Triebe werde ich gleich noch mal festbinden", sagt er.
Die Fassadenbegrünung hat er im Auftrag der Familie Steins an der Rückseite ihres Wohnhauses gemacht. Den Steins ist der Klima- und Artenschutz wichtig. Mit der bepflanzten Wand will sie dazu beitragen, das Stadtklima in Bonn zu verbessern.
Bei der Begrünung unserer Hauswand, hat die Stadt die Hälfte bezahlt. Inca Steins, Bonn
Der Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Stadt sei ganz einfach gewesen, erzählt Inca Steins. Seit Jahren fördert Bonn die Begrünung von Fassaden. Sowohl bei privaten Haushalten als auch bei Unternehmen.
Das Grün am Windeckbunker in Bonn ist ein echter Hingucker.
Bildquelle: WDR/ Annette HoltmeyerSie übernimmt maximal 50 Prozent der Kosten, höchstens 10.000 Euro pro Gebäude. "Begrünung ist ein effektives Hilfsmittel, um Städte an Hitzetagen abzukühlen", sagt Jessica Löffler vom Bonner Amt für Umwelt und Stadtgrün.
Begrünung kann Hauswände an Hitzetagen um bis zu 8 Grad abkühlen
Das bestätigt Matthias Garschagen, Professor für die "Entwicklung städtischer und ländlicher Räume" an der Uni Bonn. "Berechnungen aus dem mediterranen Raum zeigen, dass bepflanzte Hauswände in der Mittagshitze um bis zu 8 Grand kühler sind als kahle Beton- oder Steinwände", sagt er.
Prof. Matthias Garschagen erforscht an der Uni Bonn, was Städte für mehr Abkühlung tun können.
Bildquelle: WDR / Annette HoltmeyerDamit die Abkühlung aber in der ganzen Stadt spürbar werde, bräuchte es in Bonn mindestens 65.000 begrünte Häuser. Darüber hinaus müssten mehr Dächer bepflanzt, zusätzliche Flächen entsiegelt und Stadtparks mit Bäumen mehr Platz bekommen.
Pflanzen an der Fassade schützen nicht nur vor Hitze
An der Wand der Bonner Familie Steins jedenfalls sind die Pflanzen viel schneller gewachsen als gedacht. "Beim Anpflanzen vor anderthalb Jahren waren die kaum einen Meter hoch", sagt Gärtner Milan. Und auch Inca Steins ist begeistert: "Wir merken, dass viele Bienen und Schmetterlinge kommen. Schon jetzt fühlt sich der Garten im Sommer viel kühler an."
Inca Steins freut sich, dass die Pflanzen an der Hauswand schnell gewachsen sind.
Bildquelle: WDR / Annette HoltmeyerWenn die Wände dann mal so richtig zugewachsen sind, schützen die Pflanzen nicht nur im Sommer vor Hitze im Haus, sondern auch im Winter vor Kälte. Und mit der blühenden Clematis und den Rosen sieht die Wand viel schöner aus als vorher.
Welche Pflanzen eignen sich?
Die Klassiker an der Fassade sind Efeu und Wilder Wein, daneben gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer Pflanzen, die als grüne Hauswand infrage kommen, wie zum Beispiel Blauregen, Kletterhortensien, Geißblatt oder Hopfen.
Kletterhortensien machen sich gut an der Hauswand.
Bildquelle: imago stock / imago/Harald LangeEfeu braucht keine Kletterhilfe, ist aber nur bei intaktem Mauerwerk empfehlenswert, weil sich die Wurzeln in Risse setzen und diese vergrößern können. Das Wichtigste bei der Auswahl ist der Standort - die Wand sollte nicht komplett im Schatten liegen.
Verbraucherzentrale berät bei Fragen
Pflanzen haben einen positiven Effekt auf das Stadtklima.
Bildquelle: WDR / Karsten SchöneNicht nur Bonn, sondern auch viele andere Kommunen fördern grüne Fassaden. Auch Do-it-yourself-Projekte werden zum Teil finanziell unterstützt. Oft ist das Grünflächen- oder Umweltamt der richtige Ansprechpartner. Allerdings sollte man sich frühzeitig informieren. Denn viele Programme sind zeitlich begrenzt, oft sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Die Verbraucherzentrale NRW bietet kostenlose Beratungen zum Thema Grün in der Stadt an.
Fassadenbegrünung
Bildquelle: WDRDie Sendung mit der Maus. 06.07.2025. 18 Min. 17 Sek.. UT. AD. Verfügbar bis 31.12.2099. Das Erste.
Welche Förderprogramme gibt es überhaupt?
In der Förderdatenbank des Bundes kann man einen Suchbegriff eingeben und nachsehen, welches Programm von Europäischer Union, Bund oder Land für das eigene Vorhaben passen könnte:
Auf ihrer Webseite bietet die Verbraucherzentrale NRW neben vielen Tipps auch eine Übersicht über die verschiedenen Fördermöglichkeiten der einzelnen Kommunen an:
Fördermöglichkeiten von Emschergenossenschaft und Lippeverband
Zusammen mit Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) haben sich Kommunen in der Emscher-Lippe-Region zur Zukunftsinitiative Klima.Werk zusammengeschlossen: Dinslaken, Bottrop, Gladbeck, Dortmund, Herten, Recklinghausen, Holzwickede und Gelsenkirchen.
Bielefeld: Zuschuss bis zu 10.000 Euro
Bis zu 10.000 Euro ist der Stadt Bielefeld eine grüne Fassade wert. Auf einer interaktiven Karte auf der Webseite können sich die Bielefelder Bürger und Bürgerinnen ansehen, wo es in ihrer Stadt besonders heiß werden kann und wo eine Gebäudebegrünung demnach besonders sinnvoll ist. Wer einen Antrag stellen will, darf mit seiner geplanten Maßnahme noch nicht begonnen haben.
Köln: Maximal 20.000 Euro für grüne Fassaden
Eine Million Euro im Jahr stellt die Stadt Köln für ihr Programm "GRÜN hoch 3" zur Verfügung. Pro Objekt und Jahr gibt es hier bis zu 20.000 Euro. Weil die Nachfrage so hoch ist, wurde das Förderkonzept bis 2028 verlängert.
Siegen: Maximal 3.000 Euro pro Haushalt
Im Rahmen des städtischen "Klimaschutz- und Klimaanpassungsförderungsprogramms" stellt Siegen in diesem Jahr ein Budget von 100.000 Euro bereit. Neben Privatpersonen dürfen sich auch gemeinnützige Organisationen bewerben, sie können bis zu 3.000 Euro pro Jahr bekommen.
Unsere Quellen:
- Eindrücke und Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
- Interview mit Jessica Löffler, Stadt Bonn, Amt für Umwelt und Stadtgrün
- Interview mit Matthias Garschagen, Professor für die "Entwicklung städtischer und ländlicher Räume", Universität Bonn
- Verbraucherzentrale NRW
- Stadt Bonn
- Stadt Bielefeld
- Emschergenossenschaft Lippeverband
- Zukunftsinitiative Klima-Werk
- Stadt Köln
- Stadt Siegen
- Webseite des NABU
Sendung: WDR.de, Städte in NRW fördern bepflanzte Fassaden, 27.08.2026, 5:01 Uhr

