Ein greller Fleck im Wald. Der Pilz, der aus dem toten Baum sprießt, leuchtet orange und gelb. Warnfarben, die signalisieren: "Halt dich lieber fern von mir!" Schwer zu glauben, dass hier ein kulinarischer Geheimtipp wachsen soll. Bei Pilzfans im Netz liegt der Schwefelporling aber gerade voll im Trend. Chicken of the Woods nennen sie ihn – Hühnchen des Waldes. Pilzexperte Alexander Bunzel macht sich in Bielefeld auf die Suche nach der bunten Delikatesse.
Der 56-Jährige schlendert durch das kleine Waldstück in der Nähe der Uni und schaut sich jeden Baum aufmerksam an. Als Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie hat er einen geschulten Blick für Orte, an denen der Schwefelporling zuhause sein könnte. Der Pilz ist allerdings auch nicht besonders wählerisch. Er besiedelt viele verschiedene Baumarten, lebende Bäume genauso wie Totholz. Wegen der bunten Färbung können ihn auch Laien problemlos finden, sagt Bunzel.
„Wenn man die Augen offen hält, wird man den regelmäßig finden“ Alexander Bunzel
Pilzsachverständiger
Schwefelporling: Vom Baum in die Pfanne
An einem verwitterten Baumstumpf wird Bunzel fündig: ein schönes Exemplar. Vorsichtig bricht er ein Stück ab. Das Fleisch ist weich. "Fast wie Schaumstoff", sagt er. Zusammen mit dem milden Geruch und der satten Farbe ist das ein Zeichen dafür, dass der Pilz noch frisch ist. Einfach reinbeißen darf man trotzdem nicht, roh ist der Schwefelporling nämlich giftig. Erst wenn er gut durchgegart ist, kann man ihn bedenkenlos essen. Dann soll er in Geschmack und Konsistenz Hühnerfleisch ähneln, weshalb er in der veganen Küche als Alleskönner gilt: Nuggets, Burger und Geschnetzeltes könne man aus dem Hühnchen des Waldes machen.
„Ich mag ihn ganz gerne leicht paniert, einfach gebraten und dann zu Pasta oder worauf ich gerade Lust habe“ Alexander Bunzel
Pilzsachverständiger
Frische Pilze erkennt Alexander Bunzel an der satten Farbe und dem weichen Fruchtkörper.
Bildquelle: WDR/ Melvin PetraschSchwefelporling sammeln: Warum Anfänger besonders aufpassen müssen
Bei Pilzfans ist der Schwefelporling wegen seiner Vielseitigkeit und seiner Schönheit gerade hoch im Kurs, sagt Bunzel. Allgemein werde das Pilzesammeln immer beliebter. Obwohl er sich über das wachsende Interesse freut, sorgt ihn das fehlende Risikobewusstsein einiger Anfänger. Für ihn gilt: "Nur Pilze sammeln und essen, die man zu 100 Prozent identifizieren kann!" Weil auch vermeintlich harmlose Arten Allergien auslösen können, sollte man sich langsam herantasten, rät Bunzel. "Also nicht gleich eine große Menge sammeln und aufessen, sondern kleine Mengen und gucken, ob man gut damit zurechtkommt". In welcher Form Pilzsammler in diesem Jahr überhaupt auf ihre Kosten kommen, ist aktuell noch unklar. Grund ist der lange Dürresommer.
Dürresommer in NRW: Was das für die Pilzsaison bedeutet
Der Schwefelporling profitiert als Baumparasit von der Dürre, weil er geschwächte Bäume leichter befallen kann. Pilzarten am Boden bilden ihre Fruchtkörper dagegen oft erst aus, sobald es genug Regen gibt. In den vergangenen Jahren hätte sich die Pilzsaison deshalb schon um mehrere Wochen nach hinten verschoben, sagt Bunzel. Wie genau die Pilze in den kommenden Monaten reagieren werden, könne niemand sagen. "Ich bin selbst gespannt."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Alexander Bunzel
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
WDR.de, Das Hühnchen des Waldes wächst hier, 30.08.2026, 06:01 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 30.08.2026