Durch den neuen Wehrdienst rechnet die Bundeswehr mit deutlich mehr Soldaten und braucht daher zusätzliche Plätze - vor allem für die Ausbildung. Neben ehemaligen Kasernen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen hat das Bundesverteidigungsministerium dafür auch zwei Objekte aus NRW in den Blick genommen: die frühere Kanaal-van-Wessem-Kaserne in Soest und das einstige NATO-Hauptquartier mit dem ehemaligen Wegberger Militärkomplex in Mönchengladbach.
Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Die Bundeswehr will jetzt vor Ort mit den Ländern, Kommunen und weiteren Beteiligten sprechen. Dabei geht es darum, welche der acht Standorte für eine Rückkehr der Bundeswehr geeignet sind und welche Folgen das für die Regionen hätte.
Was eine Bundeswehr-Rückkehr für Soest bedeuten würde
Die Rückkehr der Bundeswehr wäre ein Meilenstein für Soest, sagt Bürgermeister Marcus Schiffer (SPD). Man verfolge dieses Ziel schon seit November.
"Ein Bundeswehrstandort in Soest wäre kaufkraftsteigernd. Es würde einen neuen Impuls setzen, was die Infrastruktur angeht." Marcus Schiffer, Soester Bürgermeister
Der ehemalige Militärstandort habe viele positive Dinge mit sich gebracht, was für die Reaktivierung sprechen würde, so Schiffer.
Das Land nutzt die Kaserne in Soest aktuell als zentrale Flüchtlingsunterkunft, die ZUE.
Bildquelle: WDRLaut Bezirksregierung Arnsberg sind derzeit 402 Flüchtlinge in der Soester Kaserne untergebracht. "Sollte es zu einer Schließung der ZUE Soest kommen, werden die Bewohnerinnen und Bewohner in andere Landeseinrichtungen umverteilt. Ausreichende nicht belegte Kapazitäten gibt es derzeit."
Bundeswehr braucht mehr Platz
Hinter der Suche steckt der geplante Ausbau der Bundeswehr. Wegen der veränderten Sicherheitslage und neuer Anforderungen durch die NATO braucht sie mehr Personal, Ausrüstung und Gebäude.
Die Bundeswehr rechnet durch den neuen Wehrdienst mit deutlich mehr Soldaten.
Bildquelle: ddp/HMB Media/Julien BeckerDeshalb hat das Bundesverteidigungsministerium im Oktober 2025 die Umwandlung ehemaliger Militärflächen in zivile Projekte vorerst gestoppt. 200 Standorte wurden auf eine mögliche weitere militärische Nutzung überprüft. Später kamen 27 weitere Liegenschaften dazu.
In NRW waren davon unter anderem Gelände in Siegen, Bielefeld, Paderborn und Düsseldorf betroffen. In einigen Kommunen fiel damit bereits eingeplanter Wohnraum weg.
Bundeswehr-Entscheidung bis Ende 2026 geplant
Die Bundeswehr spricht derzeit mit den betroffenen Ländern und Kommunen. Sie will möglichst schnell klären, welche Flächen sie künftig wieder nutzen kann.
40 Standorte konnten bereits wieder für zivile Projekte freigegeben werden. Für 187 weitere läuft die Prüfung noch. Voraussichtlich bis Ende 2026 soll feststehen, welche ehemaligen Militärflächen bei der Bundeswehr bleiben und welche wieder anders genutzt werden können.
Unsere Quellen:
- Bundesministerium der Verteidigung: Pressemitteilung
- Bezirksregierung Arnsberg
- Bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 10.07.2026, 8:30 Uhr
Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 10.07.2026, 16:30 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 10.07.2026