Maxine Reuker schreibt gegen ihr Trauma an

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WDR 3 Min. 10 Sek. Verfügbar bis 24.09.2028

Nach Gewalt in der Beziehung Maxine Reuker schreibt gegen ihr Trauma an

Stand:

Ihr Ex-Freund demütigte sie erst psychisch. "Irgendwann kam dann der sexuelle Missbrauch." Heute spricht Maxine Reuker offen darüber, was ihr passiert ist - und schreibt erfolgreiche Romane über genau das Thema.

Von Louisa Herrera-Schäfer

"Ich schicke meine Protagonistin durch die Hölle, um mein eigenes Trauma zu verarbeiten." Maxine Reuker kann mittlerweile gefestigt und brutal ehrlich über das sprechen, was ihr mit Anfang 20 passiert ist. Sie gerät in eine Beziehung, in der sie psychische, körperliche und sexualisierte Gewalt erlebt hat. Erst wird sie gedemütigt, runtergeredet und von Freunden isoliert.

Übergriffe werden alltäglich

Einmal sperrt ihr Ex-Freund sie nach einem Streit für eine ganze Nacht auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung aus. Erst am nächsten Morgen lässt er sie rein. Als Maxine sich duschen will - "ich war komplett durchgefroren" - drängt er sich zu ihr. "Für ihn war das schöner Versöhnungssex. Ich hatte danach Schmerzen und eine blutende Schulter, weil er mich so fest gebissen hat."

Maxine Reuker sitzt auf einer Bank am Phoenix-See.

Maxine hat damals mit ihrem Ex-Freund am Dortmunder Phoenix-See gewohnt.

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Es ist nicht das erste und auch nicht das einzige Mal, dass Maxine so etwas erlebt. Die Übergriffe gehören mittlerweile zum Alltag. "Aus anfänglichen Knutschflecken wurden Bisswunden und Hämatome." Aber Maxine spielt es runter. Vor sich und auch vor anderen. Selbst ihre Mutter, die Maxines Verletzungen auffallen, kommt nicht an sie heran.

"Ich hätte sie da am liebsten rausgeholt und zu Hause festgehalten. Aber das ging nicht, sie war ja kein 5-jähriges Kind mehr." Nicole Reuker
Maxine Reuker mit ihren Eltern auf der Couch.

Mittlerweile kann Maxine ihre Eltern Nicole und Kai Reuker wieder in Dortmund besuchen ohne Panikattacken zu bekommen.

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Maxine schweigt nicht

Irgendwann schafft Maxine den Absprung. "Ich hatte mein Selbstbewusstsein wiedergefunden und etwas, für das ich gebrannt habe." Sie lässt ihre Heimat Dortmund erstmal hinter sich. Eine Zeit lang kann sie kaum herkommen, ohne Panikattacken zu bekommen. "Das war sehr schlimm für mich, weil ich hier aufgewachsen bin."

Maxine zeigt ihren Ex-Freund nie an. Ihr sei klar gewesen, wie schwer die Beweislage ist. "Und ich will ihn auch eigentlich nie wieder sehen. Auch nicht vor Gericht." Stattdessen nutzt sie die sozialen Medien wie ein Online-Tagebuch und erreicht damit viele Menschen. Ihr ist es wichtig, dass nicht darüber geschwiegen wird, wie oft so etwas passiert.

"Vergewaltigungen passieren viel weniger durch einen Fremden, der dich beim Joggen ins Gebüsch zieht." Maxine Reuker

Viele Täter kommen aus dem nahen Umfeld

Es sind viel öfter die eigenen Partner, Bekannte oder sogar Familienmitglieder. Das bestätigen Zahlen. "Jede vierte Frau hat im Verlauf ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt", sagt Dr. Katharina van Elten. Sie ist Referentin für Gewaltschutz beim Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein in Dortmund (SkF).

Deshalb sei es so wichtig, nicht nur Frauen und Mädchen beizubringen, Grenzen zu setzen. "Man muss schon in der Schule anfangen, wenn Männlichkeitsbilder und Geschlechterrollen eingeübt werden", so van Elten. Innerhalb von männlichen Gruppen dürfe es nicht mehr akzeptiert werden, Gewalt auszuüben.

Maxine Reuker schreibt gegen ihr Trauma an

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"Sprich aus: Das waren Vergewaltigungen!"

In ihren Jugendromanen erlebt Maxines Protagonistin Ähnliches. Ihr Ziel ist es, damit junge Mädchen zu erreichen, und sie für Warnzeichen in Beziehungen zu sensibilisieren. Denn Maxine war damals nicht klar, was ihr tatsächlich passiert ist.

Buchautorin Maxine Reuker mit ihrem Buch "Im letzten Moment".

Maxines zweites Buch "Im letzten Moment" enthält viele Parallelen zu ihrer eigenen Geschichte.

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Sie erinnert sich noch daran, wie ihre Therapeutin zu ihr gesagt hat: "Setz dich vor den Spiegel und sprich aus: Das waren Vergewaltigungen." Maxines Mut, sich mit ihren Themen in die Öffentlichkeit zu stellen, macht ihre Bücher authentisch.

Mit ihren Romanen hat die gebürtige Dortmunderin jetzt schon Erfolg. Sie ist SPIEGEL-Bestsellerautorin in der Kategorie Jugendbuch und Young Adult. Ihr zweites Buch erscheint am 1. Oktober. "Damit habe ich mir auch einen Kindheitstraum erfüllt, Autorin zu werden."

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Maxine Reuker
  • Gespräch mit Mutter Nicole Reuker
  • Gespräch mit Dr. Katharina van Elten vom SkF

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 23.09.2026, 19:30 Uhr

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