Lena Arndt präsentiert den Verdienstorden

2018 wurde Lena Arndt bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Bildquelle: Edith Stecker/ WDR

Sie gründete Paderborns erstes Frauenhaus Sozialarbeiterin bekommt Orden für ihren Einsatz für Frauen in Not

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Als junge Studentin half Lena Arndt dabei, das erste Frauenhaus im Kreis Paderborn aufzubauen. Mehr als 45 Jahre später wird sie für ihren jahrzehntelangen Einsatz gegen Gewalt an Frauen mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Am Ende einer Wohnsiedlung in Paderborn steht ein älteres Mehrfamilienhaus. Hier trifft Lena Arndt auf ein wichtiges Stück ihrer eigenen Geschichte. In diesem Haus begann alles vor mehr als 45 Jahren: mit wenigen Zimmern, viel Idealismus und dem festen Willen, Frauen und Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen.

Mit 21 Jahren zum Frauenhaus

Lena Arndt wurde 1958 geboren. Als sie während ihres Studiums vom entstehenden Frauenhaus in Paderborn hörte, war sie gerade einmal 21 Jahre alt. Die angehende Diplom-Sozialarbeiterin meldete sich bei den Initiatorinnen und wurde sofort Teil des Teams.

Lena Arndet vor dem Belegungsplan im Frauenhaus
"Wir waren sehr jung und haben mit sehr viel Rage, mit sehr viel Engagement und sehr viel Geradlinigkeit gearbeitet." Lena Arndt, Dipl.-Sozialpädagogin und Familientherapeutin

Arndt wollte zunächst ein Praktikum machen. Doch aus dem ersten Kennenlernen wurde eine Aufgabe, die ihr weiteres Leben prägen sollte. Schon ein Jahr später gründete sie gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen den Trägerverein des Frauenhauses Paderborn. Die Eröffnung war für die Stadt eine "kleine Sensation", sagt Arndt.

Vorher gab es im Kreis keinen Zufluchtsort

Gewalt gegen Frauen habe es schon immer gegeben, betont Arndt. Doch im gesamten Kreis Paderborn existierte damals kein geschützter Ort, an den Betroffene fliehen konnten. Das nächstgelegene Frauenhaus befand sich in Kassel.

Vor einer geöffneten Tür im Frauenhaus

Im ersten Frauenhaus in Paderborn gab es fünf Zimmer auf zwei Etagen.

Bildquelle: Edith Stecker/ WDR

Von dort holten sich die Paderbornerinnen Rat und praktische Erfahrungen für das erste Frauenhaus in Paderborn. In diesem Gebäude befand sich das Frauenhaus viele Jahre lang. Inzwischen ist die Einrichtung in ein neues, größeres Haus umgezogen. Dort können heute bis zu 14 Frauen und Kinder aufgenommen werden.

Frauenhäuser bleiben überlastet

Mehr als 40 Jahre nach der Gründung reicht die Zahl der Schutzplätze noch immer nicht aus. Nach Vorgaben der Istanbul-Konvention soll ein Frauenhausplatz pro 10.000 Einwohner zur Verfügung stehen, erklärt Arndt. "Allein in Paderborn werden jährlich über 200 Frauen abgewiesen."

Der Flur des Frauenhauses

Auf zwei Etagen gab es im ersten Frauenhaus Platz für bis zu acht Frauen und ihre Kinder.

Bildquelle: Edith Stecker/ WDR

Die landesweite Belegungsampel für die Frauenhäuser in Nordrhein-Westfalen stehe nur selten auf Grün, berichtet Arndt. In den Häusern lebten Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten und mit unterschiedlichen Biografien. Viele hätten ausländische Wurzeln. Für Mütter sei die Flucht besonders schwierig, weil sie auch ihre Kinder in Sicherheit bringen wollen.

Ein Zufluchtsort für Frauen und Kinder

Die Kinder brauchten Platz, Schutz und ein Stück Normalität. Im Garten entstand deshalb ein großer Spielplatz mit einer eigenen Kinderspielhütte.

Lena Arndt im Garten des Frauenhauses

Im Garten des ersten Frauenhauses konnten Kinder spielen.

Bildquelle: Edith Stecker/ WDR

Wie wichtig solche Momente für die Kinder waren, zeigt eine Erinnerung, die Lena Arndt bis heute berührt. Bei einer Zirkusveranstaltung bildeten die Kinder eine Menschenpyramide. Ein Junge stand ganz oben, traute sich aber nicht, die Arme auszustrecken. Arndt sprach ihm Mut zu. Er wagte es. Viele Jahre später erzählte ihr der inzwischen erwachsene Mann, dass er noch immer an diesen Augenblick denke: Wenn ihm heute etwas besonders schwer erscheine, denke er an die Pyramide und den Mut, den er hatte.

"Das sind Momente, bei denen man merkt, dass man vielleicht etwas bewirkt hat." Lena Arndt, Dipl.-Sozialpädagogin und Familientherapeutin

Das Haus sollte deshalb nicht nur Frauen, sondern auch ihren Kindern Schutz bieten. Es sollte ein Ort sein, an dem sie neues Vertrauen in sich selbst gewinnen konnten.

Engagement auch in der Aidshilfe

Nach ihrer Zeit im Frauenhaus arbeitete Arndt viele Jahre bei der Aidshilfe Paderborn. Als Diplom-Sozialarbeiterin und systemische Familientherapeutin beriet sie HIV-positive Frauen und deren Angehörige. Und sie engagierte sich in der Aidshilfe.

Für diesen jahrzehntelangen Einsatz erhält Lena Arndt am Montag den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsident Hendrik Wüst zeichnet sie gemeinsam mit 15 weiteren Persönlichkeiten in der Düsseldorfer Staatskanzlei aus.

Für Arndt ist die Ehrung auch eine Erinnerung an die Frauen, die damals gemeinsam mit ihr angefangen haben: jung, entschlossen und überzeugt davon, dass Gewalt gegen Frauen keine Privatsache ist.

Verdienstorden NRW für Sozialarbeiterin Lena Arndt

WDR 24.08.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 23.08.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Interview mit Lena Arndt
  • Beobachtungen der Reporterin vor Ort
  • Diakonie Deutschland
  • Medica Mondiale
  • Frauenhauskoordinierung e.V.

Sendung: WDR.de, Verdienstorden NRW für Sozialarbeiterin Lena Arndt, 24.08.2026, 09:45 Uhr

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