Alexander Kalouti und Thorsten Bunte, der Stadtkämmerer Dortmunds, geben das Defizit der Stadt bekannt.
Bildquelle: WDR/Michael WesterhoffDortmunds Stadtkämmerer geht das Geld aus. "Wir hatten ursprünglich für das Jahr 2026 ein Defizit von 54 Millionen Euro geplant", berichtet Dortmunds Stadtkämmerer Thorsten Bunte (SPD). Inzwischen ist das Haushaltsloch aber wesentlich größer. "Aktuell stehen wir bei einem Defizit von 229 Millionen Euro". Innerhalb eines halben Jahres hat sich das Minus der Stadt also mehr als vervierfacht.
Gründe für Defizit
Dafür gibt es laut Bunte mehrere Gründe: "Eine Hauptursache sind die Verschlechterungen bei der Gewerbesteuer". Die Wirtschaftskrise hat Dortmunder Betriebe erwischt. Deshalb sprudeln die Einnahmen aus der Gewerbesteuer nicht mehr so stark. Das ist aber nicht der einzige Grund: "Wir haben höhere Personalaufwendungen". Das hänge mit Tariferhöhungen zusammen.
Zudem wachsen der Stadt die Kosten für den Rettungsdienst über den Kopf. Das hat damit zu tun, dass Krankenkassen Leerfahrten nur noch zum Teil bezahlen.
Mit der Haushaltssperre will der Kämmerer nun mindestens 30 Millionen Euro wieder reinholen. Das Geld solle in erster Linie in der IT-Abteilung, im Jugendamt und im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt gespart werden, sagt Bunte.
Was diese Sperre in der Praxis bedeutet, darüber hält sich Dortmunds Kämmerer noch bedeckt. Klar ist: Förderungen für Kultureinrichtungen oder Sportvereine könnten ausbleiben, wenn die noch nicht genehmigt sind. Details will der Kämmerer am kommenden Donnerstag in der Sitzung des Finanzausschusses bekanntgeben.
Zahlreiche Kommunen in Haushaltsperre
Dortmund ist in guter Gesellschaft. Auch zahlreiche andere Kommunen in NRW haben in diesem Jahr bereits Haushaltssperren verhängt. Beispielsweise Dortmunds Nachbarstädte Lünen und Schwerte, aber auch Münster, Siegen und Mönchengladbach: Die Gründe klingen überall ähnlich: Ausbleibende Steuereinnahmen, gestiegene Personalkosten und hohe Kosten für Soziales.
Folgen der Haushaltssperre
Was so eine Haushaltssperre bedeutet, konnte ein Weinhändler aus Dortmund bereits am eigenen Leib spüren. Er wollte Anfang des Jahres mit Unterstützung der Stadt ein leerstehendes Ladenlokal in der Dortmunder Innenstadt übernehmen. Die Wirtschaftsförderung wollte ihm mit Geld bei der Anmietung helfen. Nur kam das Geld nicht, weil der Kämmerer Anfang des Jahres schon mal eine Haushaltssperre verhängt hatte. Daran wäre die Neueröffnung des Weinlokals fast gescheitert. Erst als sie Mitte März wieder aufgehoben war, konnte der Händler den Laden übernehmen.
Über eine Pressemitteilung wurde über die Haushaltssperre informiert.
Bildquelle: WDR/Michael WesterhoffWie ernst die Lage ist, scheint bei der Dortmunder Politik angekommen zu sein. Gestern stellte die SPD ihr 12-Punkte-Programm für die kommenden Jahre vor. Bei zahlreichen Forderungen schoben die Politiker ein "falls es der Haushalt erlaubt" nach. Dass die Verwaltung bei Personal keine großen Sprünge macht, ist den Sozialdemokraten auch klar. Einen weiteren Stellenaufbau werde es wohl nicht geben, hieß es von der Dortmunder Ratsfraktion der SPD.
Enormer Zuwachs an Stellen
Die Personalkosten werden auch in den kommenden Haushaltsberatungen ein Dreh- und Angelpunkt sein. Dass die Stadt so viel Geld ausgibt, liegt auch an den immer weiter steigenden Personalkosten. 2015 hatte die Stadt Dortmund noch etwa 8.200 Vollzeitstellen. 2025 waren es bereits 11.100. Das ist ein Zuwachs von 35 Prozent innerhalb von zehn Jahren.
Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) will die Einnahmesituation der Stadt verbessern. "Wir müssen an der Attraktivität des Standorts arbeiten", fordert er. Damit meint er sowohl die Situation mit den vielen Bettlern in der Stadt als auch eine Dauer-Diskussion in Dortmund: "Ich erlebe Unternehmer, die mir sagen: Ich muss mir überlegen, ob ich in Dortmund oder in der Innenstadt bleibe, weil sich meine Mitarbeiter hier nicht mehr sicher fühlen."
Kalouti setzt sich zudem seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr für die Ausweisung neuer Gewerbeflächen ein. Bisher hatte er dafür im Rat keine Mehrheit. Doch da bewegt sich was. Die SPD ließ gestern bereits durchblicken, dass sie zu Verhandlungen über den Punkt bereit ist.
Unsere Quellen:
- Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU)
- Stadtkämmerer Thorsten Bunte, Dortmund (SPD)
- SPD-Ratsfraktion
- Reporter im Rathaus
Sendung: WDR.de, Haushaltssperre in Dortmund: 229 Millionen Euro Defizit, 22.09.2026,16:45 Uhr
