Radeln fürs kindliche Selbstbewusstsein

Bildquelle: Jörn Fried

WDR 3 Min. 7 Sek. Verfügbar bis 24.06.2028

Mutter organisiert Fahrradbus Radeln fürs kindliche Selbstbewusstsein

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In Dortmund rollt seit März der erste Fahrradbus durch die Straßen Brackels. Kinder demonstrieren für ihre Sicherheit. Und sollen lernen, selbstständig zur Schule zu kommen. Ganz ohne Elterntaxis. Denn die stehen in der Kritik.

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Luisa Becher

"Ich freu mich über das tolle Wetter und das so viele heute da sind. Das weiß man vorher ja nie ganz genau!" Eva Fried trägt eine gelbe Warnweste und einen roten Fahrradhelm. Die Dortmunder Lehrerin und Mutter klettert auf ihr Lastenrad . "Wir sind hier die Ökos in der Nachbarschaft", lacht sie.

Eine Frau mit rotem Fahrradhelm und gelber Warnweste steht an einem Kreisel, im Hintergrund sind Kinder und Eltern mit ihren Fahrrädern

Eva Fried ist Vollblut-Radlerin.

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Fried führt an diesem frühen Morgen Dortmunds einzigen Fahrradbus an: eine Fahrraddemo für und vor allem mit Kindern. Etwa fünfzehn sind hier direkt am Startpunkt an der Hohenbuschei-Allee mit ihren Rädern dabei. Es ist halb acht, sie wollen zur Schule.

Worum geht's bei der Aktion?

Und die Kinder sind nicht allein gekommen. Auch Eltern, eine Lehrerin ihrer Schule, Mitglieder der Bezirksvertretung Brackel und des ADFC sind dabei. Sie alle wollen mit der heutigen Aktion auf Sicherheit im Straßenverkehr hinweisen. Dafür fahren sie in einer Kolonne die Bushaltestellen ihrer Siedlung ab. An jeder Haltestelle stehen Kinder und Eltern mit ihren Fahrrädern bereit und schließen sich an.

Eine Fahrradkolonne fährt an einer Bushaltestelle vorbei, hier schließen sich weitere Kinder auf ihren Rädern an

An jeder Bushaltestelle stoßen mehr Kinder zum Fahrradbus dazu.

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Aus der Musikbox von Fried wummert der Hip-Hop-Song "Rolle durch den Kiez" von DIKKA. Die Sonne strahlt und auf der etwa vier Kilometer langen Strecke schließen sich immer mehr Kinder an.

Unterstützung kommt auch aus der Politik

Auf ihrem Weg zur Erich-Kästner-Grundschule kommen sie auch an einer schlecht einsehbaren Stelle vorbei. Für die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Brackel, Heide Kröger-Brenner (Bündnis 90/ Die Grünen), ist die Stelle gefährlich. Sie will mit der Verwaltung eine Ortsbegehung machen und über weitere Sicherheitskonzepte wie einen abgesenkten Bordstein oder eine Ampel beraten.

Zwei Frauen stehen auf dem Bordstein und schauen sich die Straße an, die eine Frau zeigt der anderen etwas

Heide Kröger-Brenner und Eva Fried kennen die potenziell gefährlichen Stellen in Brackel.

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Ein weiteres Problem: Elterntaxis

Doch beim Fahrradbus geht es nicht nur um die Verbesserung der Verkehrssicherheit auf öffentlichen Wegen. Lehrerin Simone Drewes von der Erich-Kästner-Grundschule kritisiert auch, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen würden. Laut einer aktuellen ADAC-Umfrage kommen 19 Prozent der Grundschüler jeden Tag mit dem Elterntaxi zur Schule. Weitere neun Prozent immer noch jeden zweiten.

Das Problem der Elterntaxis: Viele Kinder würden keinen sicheren Umgang im Straßenverkehr lernen und wären dadurch unsicherer. Auch das hohe Verkehrsaufkommen vor den Schulen könne zur Gefahr werden. Das merken auch Experten wie der Verkehrspsychologe Patrick Grieser an.

Wir haben nicht nur einen Lehrauftrag, sondern auch einen Erziehungsauftrag und die Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen würde uns die Elterntaxis ersparen. Simone Drewes, Lehrerin an der Erich-Kästner-Grundschule

Und die Kinder?

Sind begeistert. Zumindest die, die heute mitgefahren sind. Linda fährt Fahrrad seitdem sie vier ist und hat keine Angst, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Freundin Lea meint, dass Fahrradfahren auch besser für die Umwelt sei.

Zwei Mädchen stehen nebeneinander auf einem Schulhof

Die Freundinnen Lea und Linda hatten Spaß.

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Die Geschwister Henri und Amelia sind schon mehrmals mitgefahren. Amelia geht in die vierte Klasse und kommt auch sonst mit dem Rad. Ihr Bruder Henri ist in der zweiten Klasse und muss noch seinen Fahrradführerschein machen. Dann will er auch alleine fahren.

Ein Junge und ein Mädchen sitzen vor einem Baum auf einem Schulhof

Amelia fährt sogar lieber alleine Fahrrad, da kann sie noch mehr Gas geben.

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Fahrradbus auch international ein erfolgreiches Projekt

Eva Fried wünscht sich, dass sich noch mehr Kinder bei ihrem Fahrradbus anschließen. Vielleicht wie in Portland, USA, wo eine ähnliche Aktion gerade durch die Decke geht. Der Lehrer Sam Balto organisiert den dortigen Fahrradbus und lädt regelmäßig Prominente ein, mitzufahren. Und die kommen. Stars wie Justin Timberlake oder Benson Boone sind schon mitgeradelt.

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Auch wenn Justin Timberlake in Dortmund noch auf sich warten lassen dürfte, Eva Fried ist mit der heutigen Aktion trotzdem zufrieden. Um die sechzig Teilnehmer waren dabei.

Es wird viel geklingelt, viel gelacht auf dem Weg. Die Kinder kommen mit frischer Luft und guter Laune an der Schule morgens an und ich finde, das ist so viel wert! Eva Fried, Organisatorin Fahrradbus Brackel

Vor den Sommerferien findet noch ein Fahrradbus statt. Nach den Ferien soll es dann weiter gehen.

Unsere Quellen:

  • Gespräche der WDR-Reporterin mit Eva Fried, Schülerinnen und Schülern der Erich-Kästner-Grundschule, Heide Kröger-Brenner und Simone Drewes
  • WDR-Recherchen
  • BR-Recherchen

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 24.06.2026, 19:30 Uhr

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