Gewalt gegen Männer

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WDR 03:20 Min. Verfügbar bis 30.06.2028 Von Kristin Trüb

Gewalt gegen Männer "Auf einmal habe ich eine Ohrfeige gespürt"

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Rund 20 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt sind Männer. Einer von ihnen möchte über das, was er erlebt hat endlich sprechen. Seit einem Jahr bietet die Stadt Dortmund betroffenen Männern Hilfe an: eine kostenlose Selbsthilfegruppe, die sich einmal im Monat trifft. Solche Angebote sind wichtig – aber noch immer selten.

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Kristin Trüb

Anfangs wäre es noch harmlos gewesen, berichtet der Dortmunder. Er möchte nicht erkannt werden und lieber Benno genannt werden. Als das erste Kind da war, sei es dann heftiger geworden, es wurde lauter. "Auf einmal habe ich eine Ohrfeige gespürt," erzählt Benno.

Angriffe mit Teller, Besteck, Küchenmesser

Seine Frau sei ein impulsiver, temperamentvoller Mensch. Aber dass sie handgreiflich werden würde, hätte er nicht gedacht. "Irgendwann war meine Frau dermaßen erbost. Da hat sie sich genommen, was gerade auf dem Tisch lag, hat damit geworfen. Einen Teller, Besteck, irgendwann war es auch mal ein Küchenmesser," berichtet Benno.

Nach einigen Jahren war für Benno eigentlich klar, dass er sich trennen möchte. Aber es gab eben auch die harmonischen Momente. Einen sehr schönen Urlaub. Ein zweites Kind. Die Hoffnung, dass alles gut wird. Doch dann eskalierte es wieder.

Jahrelange Gewalt: Ein Dortmunder schildert seine Erfahrungen mit seiner Ex-Frau

Er zögerte die Scheidung hinaus, weil er Angst hatte, seine Kinder zu verlieren.

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Trotzdem ließ Benno die gewalttätigen Ausbrüche seiner Frau über sich ergehen. Seinen Kindern wollte er eine Trennung nicht zumuten. Seine Frau hätte ihm zudem gedroht, im Falle einer Scheidung, würde sie dafür sorgen, dass er seine Kinder nie wieder sieht. Also hielt er durch, bis die Kinder älter waren.

Auch Männer werden Opfer von partnerschaftlicher Gewalt

Tatsächlich ist Benno kein Einzelfall. 2024 waren laut Bundeskriminalamt 171.069 Menschen Opfer partnerschaftlicher Gewalt. 79,3 Prozent der Opfer sind Frauen. 20,7 Prozent sind Männer. Das sind allerdings nur die Fälle, die zur Anzeige gebracht wurden. Das Dunkelfeld ist riesig.

Laut BKA liegen die Anzeigequoten innerhalb von (Ex-)Partnerschaften bei unter fünf Prozent. 19 von 20 Taten werden nicht angezeigt. Das sind die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes und des Bundesfrauenministeriums aus diesem Jahr.

Hilfsangebot für betroffene Männer in Dortmund

Unterstützungsangebote für betroffene Männer sind rar. Seit einem Jahr gibt es eins in Dortmund. Einmal im Monat können sich betroffene Männer über ihre Erfahrungen austauschen. Die Idee dazu hatten Norbert Köring und Maurits Fulde vom psychologischen Beratungsdienst der Stadt Dortmund.

Gewalt in der Partnerschaft: Dortmunder Anlaufstelle unterstützt Männer

Beim Hilfsangebot der Stadt Dortmund können sich betroffene Männer austauschen und merken sie sind nicht allein.

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Bei ihrer Arbeit stellten sie immer wieder fest, dass einige Väter zu Hause Opfer von Gewalt werden. Für diese Väter haben sie das Hilfsangebot geschaffen. Vielen falle es aber schwer, es anzunehmen. "Überrannt wurden wir nicht," berichtet Köring.

Wenn Männer über erlebte Gewalt sprechen

Viele Männer würden die Schuld erstmal bei sich suchen und lieber verschweigen, was sie erleben. "Das passt nicht so ins Männerbild," erklärt Köring. Das monatliche Treffen haben Köring und Fulde extra niederschwellig angesetzt. "Man muss sich nicht anmelden. Jeder Mann ist willkommen."

Wenn betroffene Männer sich überwinden und das Hilfsangebot aufsuchen, hätten sie einen enormen Gesprächsbedarf. "Die sind dann gar nicht zu stoppen." erzählt Köring.

Norbert Köring leitet Hilfsangebot für Männer mit Gewalterfahrung

Norbert Köring leitet mit einem Kollegen das Hilfsangebot für Männer

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Benno besucht die Gruppe seit einigen Monaten. Ihm tut es gut über das Erlebte zu sprechen. Er hätte sich das Angebot aber früher gewünscht. "Ich hatte mir das in der Entscheidung gewünscht, den Absprung zu finden. Bleibe ich weiter in der schwierigen Partnerschaft oder gehe ich?"

Hilfe für Betroffene

Für betroffene Männer gibt es das bundesweite Hilfetelefon Gewalt an Männer: 0800 123 9900. Opfer können sich auch an den Weissen Ring wenden oder bei einer akuten Bedrohung an die Polizei.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Benno
  • Norbert Köring und Maurits Fulde vom psychologischen Beratungsdienst der Stadt Dortmund
  • Bundeskriminalamt und Bundesfrauenministerium

Sendung: WDR.de, Gewalt gegen Männer, 30.06.2026, 5 Uhr

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