Als Ende Juli zwölf Löwenbabys im Dortmunder Zoo geboren wurden, war die Freude bei der Stadt groß. Aber dann kam die Kritik: Die Tiere seien für den Artenschutz nicht relevant, weil es sich um sogenannte "Zoo-Mischlinge" handele, hieß es unter anderem in sozialen Netzwerken.
Umwelt- und Artenschützer Robert Marc Lehmann merkte auf Instagram an, er wolle nicht unterstellen, die "niedlichen Jungtiere" seien nur für die Besucher des Zoos "produziert" worden.
"Somit erfolgte die Zucht der Löwen in Dortmund auf eigene Verantwortung durch den Zoo." Stadt Dortmund
Das Löwenhaus ist zurzeit meistens geschlossen. Damit die Tiere viel Ruhe haben, wird es täglich nur 30 Minuten geöffnet.
Bildquelle: WDR/Christof VoigtJetzt reagiert die Stadt und teilt auf WDR-Anfrage mit, die Dortmunder Löwen seien zwar Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms "EEP im Rahmen des Europäischen Zoo- und Aquarienverbandes (EAZA)". Allerdings räumt die Stadt auch ein, dass der Zoo Dortmund "für die Zucht der Löwen keine explizite Zuchtempfehlung vom EEP hat". Es gebe "aber auch kein Zuchtverbot".
Das deckt sich mit WDR-Recherchen. Demnach hat das zuständige EEP, das im Longleat Safari Park in Warminster (England) geführt wird, dem Dortmunder Zoo sogar dazu geraten, das Züchten einzustellen oder wenigstens einzuschränken. Sollte es Nachwuchs geben, müsse sich der Zoo selber um die Vermittlung der Tiere kümmern und werde dabei nicht vom EEP unterstützt.
Zoo Dortmund argumentiert mit "Tierwohl"
Die Stadt teilt heute mit, dass sie das wisse und das EEP darüber informiert habe, die Löwen in Dortmund "auf eigene Verantwortung" zu züchten. Warum sich die Verantwortlichen im Dortmunder Zoo für eine Nachzucht entschieden haben, begründet die Stadt heute mit dem "Tierwohl-Aspekt":
"Wir wollten unserem Rudel wenigstens einmal die Möglichkeit zur Jungtieraufzucht bieten." Stadt Dortmund
Eine gemeinsame Jungtieraufzucht habe einen "positiven Einfluss auf die Gruppe". Bereits vor der Verpaarung der Elterntiere sei klar gewesen, dass nicht alle Jungtiere in Dortmund bleiben können. Der Dortmunder Zoo hält es aber für "realistisch", den Löwen-Nachwuchs auch ohne Unterstützung durch das zuständige Erhaltungszuchtprogramm zu vermitteln.
Eventuell könne ein Teil der Löwen sogar in Dortmund bleiben, in einer "sogenannten Junggesellengruppe", wie sie auch in der Natur vorkomme. Das sei aber noch offen.
"Eine Auswilderung war nie Motivation zur Zucht." Stadt Dortmund
Und welchen Wert haben die Dortmunder Löwen jetzt für den Artenschutz? Nach Angaben des Zoos werde Löwenkater Boeti beim zuständigen EEP als "eine Mischung aus etwa 50 Prozent Nördlichem Löwen und 50 Prozent Südlichem Löwen" geführt. Die Stadt bestätigt also, dass Boeti ein sogenannter Zoo-Mix ist.
Die beiden Löwinnen Saba und Zuri seien "laut aktueller EEP-Auskunft zu ungefähr 62 Prozent dem Südlichen Löwen zuzuordnen", heißt es vom Zoo. Es stehe zum "jetzigen Zeitpunkt" nicht fest, dass die Tiere deshalb "für die Arterhaltung grundsätzlich nicht relevant seien".
Die Kuratorin des Dortmunder Zoos sagt auch, dass die Nachzucht der Löwen eher eine Chance, als ein Risiko für den Artenschutz darstelle.
"Wie sehen es eher als Chance, damit die Gene erhalten bleiben, die im Zuchtprogramm sind." Stephanie Zech, Kuratorin des Dortmunder Zoos
Keine Stellungnahme vom zuständigen Verband
Wir haben sowohl beim Leiter der zuständigen EAZA-Gruppe, als auch beim Leiter des entsprechenden EEP-Programms im Longleat Safari Park angefragt, welchen Wert die Dortmunder Tiere nach derzeitigem Kenntnisstand für den Artenschutz haben. Ohne Erfolg. Der Chef des EEP-Programms hat sich bislang nicht gemeldet.
Und der Vorsitzende der EAZA "Taxon Beratungsgruppe für Katzen" teilt uns lediglich mit, dass der Zoo Dortmund als Betrieb der Stadt "sicher auch eigene Vorstellungen" habe, wie "mit dem Thema kommunikativ nach außen umzugehen" sei.
Unsere Quellen:
- WDR-Informationen
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Antwort auf WDR-Anfrage an Stadt Dortmund
- eigene Recherche
- bisherige WDR-Berichterstattung
- WDR-Anfrage an die EAZA Taxon Advisory Group für Katzen
- WDR-Anfrage an Longleat Safari Park - EEP für den südlichen Löwen
Sendung: WDR.de, Löwenbabys in Dortmund - Zoo züchtet Löwen auf eigenes Risiko, 17.09.2026, 17:42 Uhr
