Helen Brandt - vom Rollstuhl bis zur Reit-Weltmeisterschaft
Bildquelle: WDR / Kerstin von der LindenWDR. 03:16 Min.. Verfügbar bis 29.07.2028.
Erst war es nur ein Kribbeln, dann wurde das linke Bein ganz taub. Helen Brandt ist 20 Jahre alt, als sich ihr Leben radikal verändert. "Ich habe erst gedacht, das wäre ein Bandscheibenvorfall bei dem ganzen Sport, den ich mache", sagt die Dortmunderin. Was dann folgt, ist ein Albtraum.
"Innerhalb von sechs Wochen saß ich im Rollstuhl. Ich konnte es echt nicht fassen!" Helen Brandt, an Porphyrie erkrankt
Helens Zustand verschlechtert sich. Sie muss sich oft übergeben und kann nicht mehr stehen oder sitzen. Auch das rechte Bein wird taub, schließlich spürt sie vom Becken abwärts nichts mehr.
Erstmal war unklar, warum Helen nicht mehr laufen konnte.
Bildquelle: privatHelen wird durchgecheckt. Wochenlang weiß niemand, was sie hat. Schließlich bringen Bluttests eine erste Spur: Porphyrie - eine seltene Stoffwechselerkrankung. Vereinfacht gesagt produziert Helens Körper ständig giftige Stoffe, die ihre Nerven schädigen. Ihre Eltern sind beide Ärzte. Sie können die Diagnosen verstehen, aber kaum helfen.
Immerhin: Durch Hydrocortison verbessert sich ihr Zustand etwas, gut ist er aber nicht. Christoph und Anke Schildhauer versuchen alles, damit es ihrer Tochter besser geht. Lange ist unklar, wie die Lähmungen in Helens Körper weiterentwickeln werden. Eine schwierige Zeit für die Familie. "Als wir gehört haben, wie sich so eine Krankheit entwickeln kann, da waren wir schon sehr verzweifelt."
Ihre Eltern sind hilflos, glauben aber, dass Helen es schafft.
Bildquelle: WDR / Kerstin von der LindenAnke Schildhauer ergänzt: "Aber ich muss wirklich sagen: Meine Tochter ist eine Kämpferin. Sie hat immer gesagt, dass sie es schafft. Und sie hat alles dafür getan." Helen muss Medikamente nehmen, ihre Ernährung umstellen. Wenig Fett, wenig Zucker und möglichst frisch soll alles sein. Dazu soll sie ab jetzt Stress vermeiden.
Ihr Bruder und ihre Freundinnen helfen ihr. Zusammen fahren sie mit Rollstuhl in den Urlaub, zu Konzerten, bewältigen den Alltag. Helen beginnt außerdem mit einer Bewegungstherapie. Sie hat vor allem ein Ziel: Raus aus dem Rollstuhl, rauf auf den Pferderücken.
Helen will trotz allem wieder reiten
"Geritten bin ich schon immer, und das hat mir auch am meisten gefehlt während meiner Zeit im Rollstuhl", sagt die Dortmunderin. Eine Therapeutin reitet auch und spornt sie an, wieder auf ihr Pferd zu steigen. Erstmal behält Helen das für sich, denn ihre Eltern halten nichts von der Idee. Aber sie setzt sich durch.
"Wenn ich reite, dann fühle ich mich ganz. Dann merke ich gar nicht, dass ich eine Behinderung habe." Helen Brandt, Para-Dressur-Reiterin
Es ist schon ein kleines Wunder, was in den nächsten Jahren passiert. Helen schafft es aus dem Rollstuhl. Sie kann laufen, zieht aber ihr linkes Bein nach. Das Reiten hilft ihr, das Gleichgewicht wiederzufinden. Sie trainiert intensiv und schafft es als Nachwuchsreiterin ins deutsche Para-Dressur-Team.
Helen Brandt schafft es ins deutsche Para-Dressur-Dream.
Bildquelle: WDR / Kerstin von der LindenJetzt Start bei der Reit-Weltmeisterschaft in Aachen
In diesem Jahr platzt der Knoten: Helen wird deutsche Vizemeisterin und sichert sich damit einen Platz im Team. Bei der Heim-WM in Aachen will sie ihr Bestes geben, um vielleicht sogar eine Medaille mit nach Dortmund zu bringen. Ein Traum, den sie vor sieben Jahren im Rollstuhl nicht einmal zu träumen gewagt hätte.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- FEI WM Aachen 2026
Sendung: WDR.de, Helen Brandt - vom Rollstuhl bis zur Reit-Weltmeisterschaft, 10.08.2026, 10:30 Uhr