Ärzte suchen Hilfe: Aus dem Ukraine-Krieg in den Dortmunder OP
Bildquelle: WDR / Lars FaulenbachWDR. 3 Min. 15 Sek.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Straßenkleidung ausziehen, OP-Kleidung anziehen, OP-Maske auf und die Hände desinfiziert, dann geht es für Oleksii Vynohradov und vier ukrainische Kollegen am Klinikum Dortmund in den Operationssaal. Aber nicht um selbst zu operieren, sie wollen den Dortmunder Ärzten bei der Operation zusehen.
Auf dem OP-Tisch liegt ein Landsmann, ein ukrainischer Soldat, der an der Front schwerste Brandverletzungen erlitten hat. 30 Prozent der Haut an Armen, Beinen und Rücken weisen schwerste Verbrennungen bis zum Grad drei auf. Die Haut muss bis zum Muskelgewebe abgetragen und neu aufgebaut werden.
Immer mehr schwere Brandverletzungen im Ukraine-Krieg
Solche Verletzungen sehen die Ärzte vom Mechnikov-Krankenhaus in Dnipro in der Ukraine immer häufiger, sagt Chirurg Oleksii Vynohradov:
"Wir sehen, dass sich der Krieg durch die Drohnen verändert. Die werfen Brandbomben ab. Dadurch erleiden die Soldaten nicht nur Verletzungen, sondern auch immer mehr schwere Verbrennungen." Oleksii Vynohradov
Arzt Mechnikov Klinik Dnipro, Ukraine
Rund 22 Prozent der Verletzungen, die sie im Mechnikov-Krankenhaus behandeln, seien mittlerweile schwere Brandverletzungen sagt er. Die Klinik liegt lediglich 30 bis 40 Kilometer von der Front entfernt und ist eine der ersten Anlaufstationen für Kriegsverletzte.
Überlebensfabrik hat vier Tonnen Blut verbraucht
Seit Begin des Krieges haben die Ärzte hier 58.000 Operationen durchgeführt und 24 Tonnen Blutkonserven verbraucht. 95 Prozent der Patienten wurden gerettet. Die Klinik wird deswegen auch die Überlebensfabrik genannt. Jetzt will sie sich besser für Brandverletzungen aufstellen und eine eigene Abteilung für schwere Brandverletzungen aufbauen.
Dortmunder Ärztin zeigt Ukraine-Delegation die Intensivstation.
Bildquelle: WDR / Lars FaulenbachDeswegen sind die Ukrainer diese Woche in Deutschland. Vermittelt durch den Verein Blau-Gelbes Kreuz besuchen sie das Krankenhaus Köln Merheim und eben auch das Klinikum Dortmund. Nach der OP besucht die Delegation aus der Ukraine noch die Intensivstation für die Verbrennungspatienten und den Schockraum, wo diese nach der Ankunft erstversorgt werden.
Ukrainer wollen von Dortmund lernen
Interessante Einblicke für Oleksii Vynohradov und die Kollegen: "Bei den Operationen selbst haben wir kaum Unterschiede festgestellt. Aber bei der Krankenhaustechnik gibt es große Unterschiede, etwa im OP und auf der Intensivstation. Und davon wollen wir lernen, um unsere Patienten in der neuen Abteilung gut versorgen zu können."
Brandpatienten zu versorgen ist eine komplexe Aufgabe erklärt Fatma Topcouglu, die Leiterin des Verbrennungszentrums am Klinikum Dortmund: "Die Haut ist das größte Organ des Körpers. Und Verbrennungen verursachen Toxine, die in den Körper freigegeben werden. Und je mehr Körperoberfläche betroffen ist, desto größer ist die Last für den Körper."
Deswegen ist es wichtig, solche Verletzungen binnen weniger Stunden zu versorgen. Das können nur wenige Kliniken in Deutschland. Es gibt nur 19 Spezialkliniken mit wenigen Betten, darunter das Klinikum Dortmund. Dort freut sich das Team um den leitenden Arzt Tobias Hirsch den Kollegen aus der Ukraine helfen zu können, aber sie profitieren auch selbst.
Der ukrainische Arzt Oleksii Vynohradov hält einen Vortrag vor Dortmunder Ärzten.
Bildquelle: WDR / Lars FaulenbachEtwa durch Vorträge der Kollegen aus der Ukraine, die darüber berichten, wie sie als Ärzte unter Kriegsbedingungen arbeiten. Beeindruckend findet Tobias Hirsch: "Die haben die Transfortmation zu einem Krankenhaus, das Kriegsverletze versorgt schon hinter sich. Das ist für uns interessant, wie ist das abgelaufen, wie ist das organisiert und welche Abteilungen werden dafür gebraucht? Darauf müssen wir uns als deutsche Krankenhäuser vorbereiten."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Klinikum Dortmund
- Interview Tobias Hirsch Klinikum Dortmund
- Interview Fatma Topcouglu Klinikum Dortmund
- Interview Oleksii Vynohradov Klinik Mechnikov Dnipro
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 21.04.2026, 19:30 Uhr
