Neues Projekt hilft Angehörigen von Menschen mit Demenz
Bildquelle: WDRWDR. 03:19 Min.. Verfügbar bis 05.08.2028.
Es ist ein schleichender Abschied auf Raten. Dorothea Bender-Lubej pflegt ihren 85-jährigen Ehemann liebevoll zu Hause. Länger als zwei Stunden kann er nicht mehr allein bleiben. Zeit für sich selbst hat die 77-jährige Düsseldorferin kaum noch. Oft fühlt sie sich im Pflegealltag erschöpft und einsam.
Dorothea Bender-Lubej würde gerne mal wieder ins Theater gehen.
Bildquelle: WDRDoch sie hat einen Ort gefunden, an dem sie offen reden darf. Ein neues Angebot der Alzheimer Gesellschaft Düsseldorf bringt Angehörige zusammen. Hier teilt Bender-Lubej ihre Sorgen mit Menschen in der gleichen Situation. In der Gruppe darf man weinen, schimpfen und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Diagnose im Arbeitsalltag
Auch Gabi Becker besucht die kostenlosen Treffen. Bei ihr wurde die Demenzerkrankung ungewöhnlich früh festgestellt. Mit 58 Jahren stand die Buchhalterin plötzlich weinend vor ihrem Büro. Ihr Kopf war von einer Sekunde auf die andere völlig leer. Vierzig Jahre Berufserfahrung schienen wie ausradiert.
Gabi Becker hat sich mit ihrer Alzheimerdiagnose abgefunden.
Bildquelle: WDRHeute geht die 60-Jährige sehr offen mit ihrer Krankheit um. Bei den Treffen versteht sie, was ihre eigene Familie leistet. Becker möchte ihren Angehörigen nicht zur Last fallen. Noch kann sie vieles selbstständig erledigen und fährt viel Fahrrad.
Pflege bis zur Selbstaufgabe
Der Düsseldorfer Altersmediziner Ralf Ihl warnt davor, die Augen vor den ersten Anzeichen zu verschließen. "Es gibt kaum jemanden, der nicht weiß, was ein Herzinfarkt ist", sagt der Experte. "Auch bei der Demenz müssen wir frühzeitig anfangen. Nur so erhalten Betroffene die bestmögliche Hilfe." Wer zu lange warte, schlittere oft ungeplant in eine schwere Pflegekrise.
Prof. Dr. Ihl hat für seine Alzheimer-Forschung das Bundesverdienstkreuz bekommen.
Bildquelle: WDRViele Familien pflegen ihre Angehörigen bis zur Selbstaufgabe zu Hause. Gleichzeitig fehlen in ganz NRW flächendeckend Kurzzeit- und Tagespflegeplätze. Das neue Projekt der Alzheimer Gesellschaft, das auch von der Fernsehlotterie gefördert wird, möchte diese Lücke gezielt schließen. Neu ist nicht nur, dass das Angebot kostenlos ist. Auch das Betreuungsangebot für die Erkrankten während der Treffen ist einzigartig. Viele Angehörige können so überhaupt erst teilnehmen.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- Interview mit Prof. Dr. Ihl
- Interview mit Dorothea Bender-Lubej
- Interview mit Gabi Becker
- Gesundheitsministerium NRW - Landesinitiative Demenz-Service NRW
- Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz NRW
- Stadt Düsseldorf
- Bundesgesundheitsministerium
- Deutsche Alzheimer Gesellschaft
- Netzwerkstelle Demenz
Sendung: WDR.de, Neues Projekt hilft Angehörigen von Menschen mit Demenz, 05.08.2026, 16:56 Uhr