Eine Notrutsche am Flughafen Düsseldorf im Trainingsbetrieb
Bildquelle: WDR / Andreas TurnsekWDR. 3 Min. 2 Sek.. Verfügbar bis 17.09.2028.
Wer im Trainingszentrum an Bord geht, könnte glauben, gleich hebt der Flieger ab. Denn das Herzstück des neuen Trainingszentrums der Lufthansa ist ein ausgesmustertes Flugzeug. Es ist in einer Halle ganz in der Nähe des Düsseldorfer Airports aufgebaut.
Dass sich alles möglichst realistisch anfühlt ist wichtig, denn die Crews sollen hier in Kürze für alle denkbaren Ernstfälle in der Luft trainieren.
Jörn Siepmann in der Steuer-Kabine des Trainings-Centers.
Bildquelle: WDR / Andreas TurnsekEiner der insgesamt 200 Trainer ist Jörn Siepmann. Er hat jahrelange Erfahrung als Flugbegleiter und ist jetzt Trainer für Sicherheit und Notfälle. Siepmann kennt also alle Situationen, in denen die Crew gefordert ist: heftige Turbulenzen oder aus Fluggäste, die schon mit ganz offensichtlicher Flugangst an Bord gehen.
"Widerstandsfähigkeit ist das A und O für uns. Deshalb trainieren wir das alles immer und immer wieder. So dass wir vorbereitet sind für jeden einzelnen Notfall." Jörn Siepmann, Crew Safety Trainer
Übungsparcour mit Flugzeug-Attrappe und Notrutsche
2000 Quadratmeter groß ist das Trainings-Zentrum. Zusätzlich zur ausgemusterten Passagier-Maschine gibt es auch einen Außenbereich zum Üben der Brandbekämpfung und einen Rutschen-Turm.
Mimount El Makhloufi, Flugbegleiterin, beim Training.
Bildquelle: WDR / Andreas TurnsekMimount El Makhoufi ist seit 26 Jahren Flugbegleiterin. Muss ein Flugzeug im Ernstfall evakuiert werden, macht sie den Fluggästen klare Ansagen: der erste, der über die Rutsche aussteigt, soll - unten angekommen - anderen helfen. Auch das muss trainiert werden.
"Wir sind während eines Fluges Augen und Ohren für unsere Passagiere." Mimount El Makhoufi, Flugbegleiterin seit 26 Jahren
Panikschreie und explodierende Turbinen als Stress-Faktoren im Training
In Trainings-Flieger gibt es einen versteckten Steuerstand. Von hier aus können Trainer wie Jörn Siepmann bestimmte Krisen-Szenarien optisch und akustisch einspielen. Dazu gehören panische Schreie der Passagiere, plötzlich flackernde Lichter oder das Geräusch einer explodierenden Turbine.
Die brennende Turbine beispielsweise ist dann auch durch die Fenster per Computer-Simulation zu sehen. Genau so auch der gesamte Flug von Start bis Landung.
Nächster Schritt: Einsatz von VR-Brillen
Das ist aber noch längst nicht alles an Hightech. Ab 2027 sollen unter anderem VR-Brillen zum Einsatz kommen. 150 Trainees können hier demnächst geschult werden – täglich. Noch wird an den allerletzten Details geschraubt.
Eine zum Trainings-Objekt umgebaute ausgemusterte Passagier-Maschine.
Bildquelle: WDR / Andreas TurnsekStrategischer Standort
Die direkte Nähe zum Düsseldorfer Flughafen ist strategisch gewählt. „Kurze Wege, wenig Zeitaufwand für die An- und Abreise sind für die Crews sehr wertvoll“, so Marius Specht vom Aviation Trainings-Zentrum. Betreiber des Zentrums ist die Lufthansa. Neben der Tochter-Airline Eurowings sollen hier aber auch Crews anderer Airlines trainieren können.
Nicht alle Trainings-Szenarien sind für die Öffentlichkeit
Die Lufthansa sei stolz auf das nagelneue hochmoderne Trainings-Zentrum, meint Marius Specht.
Aber nicht alle Bereiche sind für die Öffentlichkeit bestimmt: Im Zentrum gibt es hochsensible Bereiche, bei denen sich Betreiber und Trainer bewusst bedeckt halten. So soll zum Beispiel geheim bleiben, wie die Tür zum Cockpit im Notfall geöffnet werden kann.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Eurowings
- Jörn Siepmann, Crew-Safety-Trainer
- Mimount El Makhloufi, Flugbegleiterin
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 17.09.2026, 19:30 Uhr
