Pflegereform in NRW: Alltagshilfe könnte wegfallen

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WDR 3 Min. 15 Sek. Verfügbar bis 17.09.2028

Pflegereform "Wer das Geld nicht hat, ist auf sich allein gestellt"

Stand:

Christine May hilft ihrer „Lieblingsklientin“ im Alltag. Die geplante Pflegereform könnte solche Alltagshilfe für viele Menschen unbezahlbar machen. 

Helga Henseler ist 95 Jahre alt und eigentlich topfit. Aber sie kann kaum etwas sehen und braucht viel Hilfe. Weil ihre Familie inzwischen in Australien lebt, kommt fast täglich Christine May vorbei. Helga ist ihre "Lieblingsklientin":

"Ich gehe mit Helga zum Arzt, weil sie den Aufzug nicht bedienen kann, gehe mit ihr einkaufen, damit sie die richtigen Sachen im Regal findet oder lege auch mal die Batterien in die Fernbedienung ein. Alles das, was früher die Familie gemacht hat." Christine May, Alltagshelferin von Helga Henseler
Zwei Frauen laufen über den Bürgersteig, die ältere von beiden schiebt einen Rollator.

Christine May begleitet Helga Henseler beim Spazieren.

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Pflegereform bedroht Alltagshilfe

Christine May macht ihren Job aus Überzeugung. In Düsseldorf hat sie sich selbstständig gemacht und betreut mit ihren 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund 60 pflegebedürftige Menschen. Kommt die Pflegereform so, wie sie derzeit angedacht ist, kann das für sie alle recht hart werden.

Wer das Geld nicht hat, ist auf sich allein gestellt

Laut Statistik.NRW sind in NRW rund 1,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Den Pflegegrad 1 haben rund 160.000 Personen. Insbesondere dieser Gruppe droht eine Umstellung. Der bisherige monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro soll für sie komplett wegfallen. Wer davon bisher Alltagshelfer bezahlt hat und das Geld nicht privat aufbringen kann oder möchte, ist dann auf sich allein gestellt.

Tägliche Betreuung für rund 1.200 Euro monatlich

Zwei Frauen stehen in einer Küche und kochen.

Helga Henseler und Christine May beim Kochen.

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Helga Henseler hat Glück. Ihre Tochter kümmert sich auch aus der Ferne um sie. Damit sie gut umsorgt ist, zahlt die Familie die fast tägliche Betreuung durch Christine May privat. Rund 1.200 Euro monatlich. So kann die lebensfrohe Rentnerin da bleiben, wo sie sein will: in ihrer Wohnung.

"Frau May hat mir der liebe Gott geschickt. Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können." Helga Henseler, Rentnerin

Kein Pflegedienst wird so helfen können

Aber es gibt auch andere Kunden. Ein Mann Anfang 50 mit einer schweren Lungenerkrankung zum Beispiel. Der muss regelmäßig zum Arzt, um auf eine Liste für ein Spenderorgan zu kommen. "Wenn es zu dieser Pflegeneuordnung kommt, wird er wahrscheinlich durchs Raster fallen. Er lebt von Grundsicherung und kein Pflegedienst wird ihn regelmäßig begleiten können." Da das Reformpaket noch nicht beschlossen ist, ist aber auch noch nicht klar, welche Folgen es am Ende im Einzelfall haben wird.

Das Gefühl, mit Problemen allein gelassen zu werden

Auch Vanessa Rengers-Patz vom Sozialverband VdK glaubt, dass es gegenüber den bisherigen Entwürfen Veränderungen geben muss. "Aus unserer Sicht muss eine Reform vor allem dafür sorgen, dass Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen verlässliche Unterstützung erhalten und nicht das Gefühl bekommen, mit ihren Problemen allein gelassen zu werden", sagt die Referentin für Sozialpolitik.

Gewaschen werden oder beim Einkauf helfen?

Dass genau das eintreten wird, befürchtet Dennis Bracht vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bergisch Land. Allein in Wuppertal betreut die Abteilung Alltagshilfe des ASB 170 Menschen. Die Pflegereform drohe einen Kampf um die knapper werdenden Mittel zwischen Pflegediensten und Alltagshelfern zu entfachen, meint er. Und die Pflegebedürftigen müssten sich entscheiden:

"Werde ich gewaschen, oder bekomme ich meinen Einkauf erledigt? Das ist keine würdevolle Pflege." Dennis Bracht, Geschäftsführer ASB Bergisch Land
Ein Mann mit Brille lächelt in die Kamera, hinter ihm sind gelbe Buchstaben zu sehen, sie bilden das Logo "ASB"

Dennis Bracht, Geschäftsführer ASB Bergisch Land

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Geschäftsmodell wird nicht mehr funktionieren

Unterdessen fürchtet Christine May, gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Opfer der Reform zu werden: "Wenn es so kommen sollte, wie es geplant ist, wird mein Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren. Und wir betreuen 60 Klienten." Und die wenigsten von denen werden wie die 95-jährige Helga Henseler für weitere Unterstützung im Leben tiefer in die Tasche greifen können.

Unsere Quellen:

  • Gespräche des WDR-Reporters mit Christine May
  • Interviews beim ASB Bergisch-Land in Wuppertal
  • Informationen des Sozialverbands VdK

Auswirkungen der Pflegereform

WDR 16.09.2026 47 Sek. Verfügbar bis 15.09.2028 WDR Online

Sendung: WDR.de, Keine Alltagshilfe nach Pflegereform?, 17.09.2026, 05.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 17.09.2026, 19:30 Uhr

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