Was der Fortuna-Abstieg für die Stadt bedeutet

WDR 03:03 Min. Verfügbar bis 07.07.2028

Radikaler Sparkurs Was der Fortuna-Abstieg für die Stadt bedeutet

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Sieben Wochen ist es her, dass Fortuna Düsseldorf in die dritte Liga abgestiegen ist. Eine Tragödie für den Klub, der vor sechs Jahren noch in der Bundesliga gespielt hat. Aber was bedeutet der Abstieg für die Stadt Düsseldorf? Wir haben verschiedene Branchen unter die Lupe genommen.

Eine Studie zur Bundesliga-Saison 2018/2019 hat gezeigt, dass Fortuna Düsseldorf der Stadt etwa 130 Millionen Euro zusätzliches Geld in die Kassen gespült hat. Vom Erstliga-Fußball profitierten damals neben der Fortuna selbst die Gastronomie, die Hotellerie und die Stadt. Zwei Ligen tiefer heißt der Gegner aber nicht mehr Bayern München, sondern MSV Duisburg oder Viktoria Köln. Das hat Konsequenzen.

Gregor Berghausen, IHK Düsseldorf

Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf

„Fußball ist ein wichtiger Standortfaktor“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf. „An einem Spieltag in der Bundesliga oder der 2. Bundesliga wird viel Wirtschaftskraft generiert, etwa durch Ticketing, Sponsoren oder den Verkauf von Logen. Dazu erwirtschaften Hotels, Gastronomie oder Taxiunternehmen weniger Einnahmen, für die dann keine Gewerbesteuer mehr gezahlt wird.“

Der Stadt Düsseldorf brechen die Einnahmen weg

Damit brechen in der Stadt Einnahmen weg, die Düsseldorf gerade gut brauchen kann. Ein Rechenbeispiel: In der vergangenen Saison kamen im Schnitt über 42.000 Fans in die Arena. Für die dritte Liga kalkuliert Fortuna nur noch mit etwa 23.000. Gibt jeder Besucher nur 10 Euro pro Spiel für Stadionwurst und ein Getränk aus, sind das insgesamt 190.000 Euro, die nicht ausgegeben werden – pro Spiel! „Dieser Einbruch wird spürbar“, sagt Berghausen.

Auf dem Bild sieht man die Fankurve von Fortuna Düsseldorf mit einem großen Banner, dort steht: Der Wind wird sich drehen.

Die Düsseldorfer Südtribüne steht hinter der Mannschaft.

Zudem verdient die Stadttochter D.Live als Stadionvermieterin weniger an der Fortuna. Die Mieteinnahmen wurden nach dem Abstieg um die Hälfte gesenkt, statt 1,5 Millionen Euro zahlt Fortuna nur noch 750.000 Euro.

D.Live-Chef Michael Brill: „Der Abstieg hat zahlreiche Konsequenzen für uns: Weniger Besucher, mehr Spieler und ein kürzeres Zeitfenster für andere Veranstaltungen wie Konzerte. Das ist eine große Herausforderung. Deshalb müssen wir alle sehen, dass es schnell wieder nach oben geht. Dauerhaft wäre das fatal für uns als Unternehmen und auch die Stadt."

Hotels rechnen mit weniger Übernachtungen

In der dritten Liga gibt es mehr Derbys. Klingt für den Fan gut, nicht aber für Hotels in Düsseldorf. Denn wenn die Gegner aus Essen, Duisburg, Köln oder Aachen kommen, dann werden die Besucher nach den Spielen nicht in Düsseldorf übernachten.

„Wir rechnen mit deutlich mehr Tagestouristen“, sagt Thomas Kolaric, Geschäftsführer des DEHOGA Nordrhein. „In Hotels wird es rund um die Spiele weniger Übernachtungen geben.“ Auch, weil etwa der SV Meppen weniger Fans nach Düsseldorf bringt als der 1. FC Nürnberg.

Für Taxiunternehmen geht die Welt nicht unter

Die Taxibranche rechnet nur bedingt mit Einnahmeausfällen. "Es ist aber immer besser, wenn Fortuna in einer höheren Liga spielt“, sagt Dennis Klusmeier, der Vorsitzende der Taxi-Genossenschaft. „Dann gibt es mehr Fahrten zum Flughafen oder zum Bahnhof.“ Die Welt würde aber auch nach dem Abstieg nicht untergehen.

Dennis Klusmeier, Vorsitzender der Taxi-Genossenschaft

Dennis Klusmeier, Vorsitzender der Taxi-Genossenschaft

Das hat auch logistische Gründe. Denn Taxis können in einem bestimmten Zeitraum nur eine begrenzte Anzahl an Personen transportieren. Zeitlich seien nur maximal zwei Fahrten nach dem Spiel drin. Selbst bei 23.000 Gästen rechnet Klusmeier am Spieltag noch mit genug Aufträgen. Spürbar werde der Abstieg vermutlich eher am Wochenende, wenn eben weniger Fans fußballbedingt in der Stadt sind.

Fortuna Düsseldorf muss radikal sparen

Der Umsatz der Fortuna bricht durch den Abstieg radikal ein. Die Fernsehgelder sinken von 16 Millionen in der 2. Bundesliga auf nur noch eine Million in der 3. Liga. Zuschauereinnahmen sinken, der Sportetat wird von 18 Millionen auf 7,5 Millionen gesenkt.

Aus Kostengründen musste sich der Verein von knapp der Hälfte der Mitarbeiter trennen, über 60 Arbeitsplätze fielen weg. Vor dem Arbeitsgericht laufen derzeit einige Kündigungsschutzverfahren. „Die Einschnitte sind drastisch und unschön“, sagt Fortuna-Vorstand Alexander Jobst.

Trotzdem viele Dauerkarten verkauft

Jetzt will man den Blick nach vorne richten. Die Stimmung sei inzwischen kämpferisch. So seien nach dem Abstieg mehr Menschen in den Verein eingetreten als ausgetreten. 17.000 Dauerkarteninhaber haben für die Dritte Liga verlängert.

Auch die großen Sponsoren haben weitere Unterstützung bereits zugesichert oder zumindest angekündigt. Nur das Projekt „Fortuna für Alle“ lässt sich nicht wie bisher aufrecht erhalten. Freispiele wie in den beiden Vorjahren sind finanziell in der 3. Liga nicht stemmbar.

Fortuna Fans schauten das Spiel gegen Fürth in einer Bar in Düsseldorf

Fortuna Fans schauten das Spiel gegen Fürth in einer Bar in Düsseldorf

Düsseldorfs Gastronomen rechnen mit weniger Umsatz

Weniger auswärtige Fans bedeuten auch weniger Umsatz in der Düsseldorfer Altstadt oder in den Stadtteilkneipen. Doch so ganz negativ sehen es nicht alle Wirte. Daniel Vollmer, Eigentümer des Rätematäng an der Ratinger Straße ist trotz Abstieg optimistisch: „Wir sind eine Fortuna-Kneipe. Ich glaube und hoffe, dass die Fortuna-Fans weiter zu uns kommen und die Spiele gucken. Der Verein braucht jetzt mehr Unterstützung, damit wir bald wieder in der 2. Liga sind.“

Unsere Quellen:

  • Fortuna Düsseldorf
  • IHK Düsseldorf
  • Dehoga Nordrhein
  • Taxigenossenschaft Düsseldorf
  • D.Live
  • Altstadtwirt Daniel Vollmer
  • Studie "Regionalökonomische Effekte Fortuna Düsseldorf" von 2019

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 06.07.2026, 19:30 Uhr.

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