Assistierte Telemedizin: Videogespräche Mit Ärzten jetzt in Apotheken möglich
WDR. 02:32 Min.. Verfügbar bis 10.07.2028.
Arzttermin per Knopfdruck : Apotheken vermitteln direkt zum Mediziner
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In Düsseldorf ist die Technik bereits einsatzbereit, in Remscheid soll sie bald folgen: Mit der assistierten Telemedizin können Apotheken Patienten direkt vor Ort mit Ärzten verbinden. Das neue Angebot soll Wege verkürzen und die medizinische Versorgung erleichtern - gerade dort, wo Arzttermine knapp sind.
Ein leises Klicken und schon geht die Tür auf. Unscheinbar sieht der Raum dahinter aus: eine Kommode mit nummerierten Schubladen, ein Stuhl und davor ein Tisch mit einem Kartenlesegerät. An der Wand prangt ein großer Bildschirm, darüber eine Kamera. Sie sind das Herzstück der Telemedizin-Box, die im hinteren Bereich der Düsseldorfer Apotheke Deiker Höfe versteckt ist.
Die Kamera in der Wand des kleinen Raums kann Blutdruck, Puls, Herzfrequenz und andere medizinsche Daten ausmessen - nach einem kurzen Scan erscheinen sie am oberen Rand des Bildschirms: 85 bpm, also 85 Schläge pro Minute, die Herzfrequenz sieht schon mal gut aus. Dann geht es los, kurz dauert es, bis sich die Verbindung aufbaut - und auf dem Bildschirm ein Gesicht erscheint: "Hallo zusammen!"
Viele Bestellungen für Telemedizin-Boxen
Bei diesem Testlauf während des Besuchs unserer Redaktion in der Düsseldorfer Apotheke handelt es sich um einen Mitarbeiter von Medivise, einem Hersteller von Telemedizin-Boxen. In der Praxis wäre es das Gesicht eines Arztes oder einer Ärztin, bereit für eine Videosprechstunde, direkt in der Apotheke. Das ist seit dem 1. Juli dank assistierter Telemedizin möglich.
Bisher bieten das nur wenige Apotheken an. Das wird sich voraussichtlich in den kommenden Monaten ändern. Medivise zufolge gingen in den vergangenen Wochen zahlreiche Bestellungen für Telemedizin-Boxen ein.
Düsseldorfer Apotheke ist einer der Pioniere
Die Apotheke Deiker Höfe hatte schon vor dem 1. Juli die Telemedizin-Box. Apothekerin Vildane Idrizi-Sinani ist froh, dass sie nun auch endlich zum Einsatz kommen kann: "Wir sehen in der Praxis, dass die Telemedizin viele Vorteile mit sich bringt."
Apothekerin Vildane Idrizi-Sinani bietet als eine der ersten assistierte Telemedizin an.
Die Apotheke Deiker Höfe ist montags bis samstags von 9 bis 19 Uhr geöffnet, also auch zu Zeiten, in denen viele Arztpraxen geschlossen sind. Konnte die Apothekerin dann mit rezeptfreien Medikamenten nicht weiterhelfen, begann die Suche nach einem Krankenhaus oder einer Notfallpraxis: "Das hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Mit der Telemedizin können wir die Wege kürzer und angenehmer für alle gestalten."
Telemedizin soll bei Ärztemangel helfen
Telemedizin ist genaugenommen nicht neu. Ärzte können schon seit 2017 Videosprechstunden für ihre Patienten als kassenärztliche Leistung anbieten. Sie sollen dazu beitragen, medizinische Ressourcen effizienter zu nutzen, denn insbesondere in ländlichen Regionen gibt es zu wenige Ärzte.
Neu ist die assistierte Telemedizin. Dabei können diese Videogespräche über Apotheken gebucht und direkt vor Ort geführt werden. Die Weichen dafür hat das Gesetz zur Beschleunigung der Digitalisierung des Gesundheitswesens, das der Bundestag Ende 2023 beschlossen hat und 2024 in Kraft trat, gestellt.
Das soll besonders Menschen helfen, die technische Unterstützung für die Videosprechstunde brauchen oder kein Endgerät dafür besitzen. Und auch in dringenden Fällen wollen Apotheker so schneller helfen und vermitteln können. Seit dem 1. Juli können Apotheken diese Leistung bei den Krankenkassen abrechnen.
Der Vorgang ist simpel: Patienten buchen online einen Termin bei kooperierenden Ärzten. Die Wartezeit hängt von der Verfügbarkeit der Ärzte ab, theoretisch kann es aber schon 15 Minuten später losgehen. Bevor das Gespräch beginnt, füllt der Patient auf dem Handy einen Fragebogen aus. In Chat-Form wird etwa gefragt, welche Beschwerden der Patient hat und wie lange schon.
Alles digital: Schon vor dem Arztgespräch können erste Fragen per Handynachricht beantwortet werden.
Für die Diagnose kann der Arzt dann auf diese Informationen zugreifen. Dazu kommen die Messwerte des Kamerascans. Außerdem liegen in den nummerierten Schubladen Messgeräte und Tests, die der Patient unter Anleitung nutzen kann. So kann ein Arzt eine erste Diagnose stellen, ein E-Rezept ausstellen und der Patient kann die benötigten Medikamente direkt abholen.
Assistierte Telemedizin ist noch kaum bekannt
Besonders bekannt ist dieses Angebot noch nicht. In der Düsseldorfer Apotheke hat es in der ersten Woche noch niemand genutzt. Das Interesse scheint aber groß: "Warum nicht?", sagt eine Kundin auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, bei Bedarf eine Videosprechstunde mit einem Arzt in der Apotheke zu buchen. Eine andere ist sich sicher: "So sieht die Medizin der Zukunft aus." Auch in der Remscheider Regenbogen-Apotheke etwa sollen bald Videogespräche mit Ärzten möglich sein.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräch mit Apothekerin Vildane Idrizi-Sinani
- Gespräch mit Thorsten Hagemann, Geschäftsführer von Medivise, Hersteller von Telemedizin-Boxen
- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
Sendung: WDR.de, Assistierte Telemedizin: Videogespräche Mit Ärzten jetzt in Apotheken möglich, 10.07.2026, 10:45 Uhr
