Mit dem Rollstuhl aufs Tretboot

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WDR 3 Min. 16 Sek. Verfügbar bis 09.09.2028

Inklusives Freizeitangebot Mit dem Rollstuhl aufs Tretboot

Stand:

Am Unterbacher See in Düsseldorf gibt es seit Kurzem ein barrierefreies Tretboot. Damit können auch Menschen im Rollstuhl fahren.

"Ist das ein schönes Gefühl, den Wind im Gesicht zu spüren", sagt Thomas Lehnen. Er sitzt auf dem Tretboot und genießt die Fahrt über den Unterbacher See in Düsseldorf. Hinter ihm sitzt seine Begleitperson Leo von den Steinen. Während Lehnen den Blick über das Wasser schweifen lässt, tritt von den Steinen kräftig in die Pedale. "Mach schneller! Du hast doch heute Morgen gut gefrühstückt, oder?", ruft Lehnen. "Natürlich. Aber mit dem Gegenwind ist es schon anstrengend", antwortet von den Steinen. Die beiden müssen lachen.

Zurück aufs Wasser

Lehnen ist schon immer gerne Tretboot gefahren. Doch vor fünf Jahren bekommt er die Diagnose CIDP (chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie). Bei dieser seltenen Nervenerkrankung greift das eigene Immunsystem die Nerven an. Die Folge sind fortschreitende Muskelschwäche und Taubheitsgefühle. Seit einiger Zeit sitzt Lehnen deshalb im Rollstuhl. An Tretbootfahren war lange nicht zu denken.

Mann im Rollstuhl

Thomas Lehnen am Unterbacher See

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"Wenn ich mit Freunden am See war und sie gesagt haben, wir gehen Tretboot fahren, war ich schon frustriert, weil ich nicht so einfach aufs Boot gekommen bin", sagt Lehnen.

Mit Rampe aufs Wasser

Daniela Wadenpohl am Unterbacher See

Der Unterbacher See hat nun eine Lösung für Lehnen. Seit diesem Sommer gibt es dort ein barrierefreies Tretboot. "Die Idee ist, den See barrierefreier zu gestalten. Das Tretboot ist ein erster Schritt", sagt Daniela Wadenpohl, Qualitätsmanagerin am Unterbacher See. Über eine Rampe kann Lehnen mit seinem Rollstuhl auf das Boot fahren. Dabei halten Wadenpohl und ein Kollege das Boot fest, damit es nicht zu stark wackelt. "Ich war schon aufgeregt, auf die Rampe zu fahren. Aber es hat funktioniert", sagt Lehnen.

"Das barrierefreie Tretboot ist nicht nur für Menschen im Rollstuhl praktisch. Auch Familien mit Kinderwagen, Menschen mit Rollator oder größere Gruppen können das Boot mieten", sagt Wadenpohl. Das inklusive Tretboot ist das größte am Unterbacher See. Eine Stunde auf dem Wasser kostet 30 Euro.

Freizeitaktivitäten nicht immer barrierefrei

Begleiter

Leo von den Steinen begleitet Thomas Lehnen

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Leo von den Steinen ist erster Vorsitzender vom Club Behinderter und ihrer Freunde e.V. und sucht regelmäßig nach Freizeitaktivitäten für Menschen mit Beeinträchtigungen. Doch das ist nicht einfach. "Immer wieder gibt es große Barrieren, sodass Menschen, die zum Beispiel im Rollstuhl sitzen, nicht mitmachen können", sagt er.

Zuletzt war von den Steinen im Phantasialand. "Einige Menschen konnten dort bestimmte Achterbahnen nicht nutzen, weil diese nicht barrierefrei zugänglich waren", bemerkt er, "deshalb ist das neue Angebot am See so wichtig." Da er wusste, dass Lehnen gerne Tretboot fährt, schlug er ihm den gemeinsamen Ausflug zum Unterbacher See vor.

Wunsch nach mehr Unabhängigkeit

Während von den Steinen wieder in die Pedale tritt, genießt Lehnen die Fahrt und den Blick über den See. Für ihn ist klar, er möchte wiederkommen. "Ich fände es toll, wenn ich das Tretboot zum Beispiel mit einem Armantrieb selbst fahren könnte. Dann würde ich wirklich selbst unterwegs sein können, auch ohne eine Begleitperson", meint Lehnen.

Unsere Quellen:

  • Deutsches Ärzteblatt
  • WDR-Gespräch mit Daniela Wagenpool
  • WDR-Gespräch mit Leo von den Steinen
  • WDR-Gespräch mit Thomas Lehnen
  • Beobachtung der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR.de, Inklusives Freizeitangebot: Mit dem Rollstuhl aufs Tretboot, 09.09.2026, 16:15 Uhr

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