Lebensmittelrettung : "Teilweise habe ich 500 Kilogramm die Woche gerettet"
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Allein in Deutschland werden jährlich tonnenweise Lebensmittel weggeworfen. Nicole Walther macht das traurig. Deshalb kämpft sie aktiv dagegen an - mit Lastenrad und extra gegründeter WhatsApp-Gruppe. Damit hat sie andere mitgerissen: Aus ihrer Lebensmittelrettung ist eine Gemeinschaft entstanden.
Paprika, Suppengrün, Brot oder vielleicht doch der Ofenkäse? Vor der Haustür von Nicole Walther sieht es aus, wie auf einem Wochenmarkt. Nur Preisschilder gibt es keine. Wer vorbeikommt, darf sich kostenlos etwas mitnehmen. Denn die Lebensmittel die Nicole hier weitergibt sind nicht gekauft, sondern gerettet.
Nicole weiß nie, wie viele Menschen vorbeikommen werden. Gemeinsam mit Nachbarn, Freunden und Bekannten hat sie eine WhatsApp-Gruppe. Dort teilt sie Fotos von den geretteten Lebensmitteln.
Die heutige Lebensmittelrettung kann sich auf jeden Fall sehen lassen.
Bildquelle: WDR/Nikola LarischLebensmittel retten - mit dem Lastenrad
Mehrmals im Monat fährt die Düsseldorferin mit ihrem Lastenrad zu Supermärkten in der Umgebung und holt Dinge ab, die dort nicht mehr verkauft werden.
"Ich versuche immer alles möglichst ökologisch mit dem Fahrrad zu machen. Ich bin schon bepackt wie ein Esel mit zig Taschen vom Supermarkt weggefahren", sagt sie. Bei größeren Mengen fährt sie entweder zweimal mit dem Fahrrad oder holt dann doch das Auto.
Wie funktioniert Lebensmittelrettung?
Wenn sie bei den Supermärkten ankommt, muss sie erst einmal Kisten sortieren.
Bildquelle: WDR/Nikola LarischNachdem Nicole vor einigen Jahren eine Dokumentation über Lebensmittelverschwendung gesehen hatte, wollte sie aktiv werden und selbst zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln beitragen. Über die Plattform foodsharing (zu deutsch in etwa: "Lebensmittel teilen") wurde sie dann ganz offiziell Lebensmittelretterin.
Die Organisation foodsharing vermittelt ehrenamtliche Lebensmittelretter, auch Foodsaver genannt, an teilnehmende Betriebe. Sie holen die Ware ab, die nicht mehr verkauft werden soll, aber noch weitergegeben werden kann.
Das System dahinter sei gut organisiert, erzählt Nicole. Wenn sie einen Termin mal nicht übernehmen kann, holt jemand anderes die Lebensmittel ab. Die Rettungen hängen also nicht an einer einzelnen Person, sondern an einem ganzen Netzwerk aus Ehrenamtlichen.
Eine halbe Millionen Menschen engagieren sich
Die Lebensmittelretter sammeln meist Lebensmittel ein, deren Verbrauchsdatum überschritten ist, die "unschön" gewachsen sind oder deren Verpackung beschädigt ist. "Dabei gilt: „Tafel first“ [zu deutsch: „Tafeln zuerst!“] - die Tafeln haben bei den Lebensmittelrettungen immer Vorrang.", steht es auf der Webseite der Plattform foodsharing.
Die Auswahl der geretteten Lebensmittel ist groß.
Bildquelle: WDR/Nikola LarischÜber die Plattform engagieren sich über 500.000 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern. Dabei werden tonnenweise Lebensmittel gerettet. Laut Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) stammt ein Großteil der Lebensmittel-Abfälle dabei aber nicht aus Supermärkten und Restaurants, sondern aus privaten Haushalten.
Wie aus Nachhaltigkeit eine Gemeinschaft entstand
"Als ich damit angefangen hab, habe ich das ganze total unterschätzt.", sagt die 39-Jährige. Nach einer großen Lebensmittelrettung wurde ihr schnell klar: Ihr eigener Kühlschrank und der von Familie und Freunden reicht für solche Mengen nicht aus. So gründete sie kurzerhand eine WhatsApp-Gruppe.
"Teilweise habe ich 500 Kilogramm die Woche gerettet. Die mussten irgendwie an die Leute gebracht werden." Nicole Walther, Lebensmittelretterin
Mittlerweile zählt Nicoles Nachhaltigkeits-Gruppe mehr als 300 Mitglieder. Die meisten davon kommen aus der Nachbarschaft und den umliegenden Bezirken. Damit sie das Ganze nicht alleine bewältigen muss, hat sie Unterstützung von ihrer Mutter Judith und der Nachbarin Doro.
Es geht um mehr, als nur Lebensmittel
Mit den Lebensmitteln hat zwar alles angefangen, nun geht es in der WhatsApp-Gemeinschaft aber um viel mehr. Die Nachhaltigkeit steht dabei immer im Fokus: So werden Fahrgemeinschaften gegründet, Gegenstände verliehen oder Dinge weitergegeben, die man nicht mehr braucht. Alles kostenfrei, alles basierend auf dem Gedanken von Gemeinschaft und Nachhaltigkeit.
"Ich find's immer schön, wenn ich mitbekomme, dass Leute kommen und sich freuen und so noch viele Sachen weitergegeben werden können.", erzählt Nicole.
Unsere Quellen:
- Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)
- Bundeszentrum für Ernährung
- foodsharing
- Interview mit Nicole Walther
Sendung: WDR.de, Nicoles Einsatz gegen Verschwendung von Lebensmitteln, 16.09.2026, 5.03 Uhr