Neuss: Schonende OP-Methode bei Vorhofflimmern

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3 Min. 18 Sek. Verfügbar bis 07.09.2028

Schonende OP bei Vorhofflimmern Willicherin von Todesangst befreit

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Jahrelang litt Stefanie Müller-Lecke unter Vorhofflimmern. Angstzustände und Zusammenbrüche waren die Folge. Erst eine besondere OP-Methode in Neuss brachte ihr Herz wieder in den Takt.

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Astrid Linn

Stefanie Müller-Lecke aus Willich hat schlimme Jahre hinter sich. Herzrasen, plötzliche Schwäche, Enge in der Brust bis hin zu Bewusstlosigkeit. Ärzte wiegelten immer wieder ab: So etwas könne vorkommen, sie solle sich keine Gedanken machen. Inzwischen weiß die 55-Jährige: sie litt unter Vorhofflimmern, außerdem hatte sie zwei leichte Herzinfarkte, die unentdeckt geblieben waren.

Heute ist sie erleichtert. Die Nachsorgeuntersuchung im Lukaskrankenhaus in Neuss zeigt: Müller-Lecke fühlt sich nicht nur besser, ihr Herz ist tatsächlich im Takt. Dr. Dr. Milad Golabkesh ist zufrieden "Der Eingriff ist gut gelungen". Die OP wurde nach dem neuesten PFA-Verfahren durchgeführt. Die Behandlungsmethode wird in Neuss, aber zum Beispiel auch in Krefeld und Mönchengladbach angeboten und hat einige Vorteile.   

Vorhofflimmern - Alles, was du wissen musst

Es ist die häufigste Rhythmusstörung des Herzens und sie nimmt zu, betont Dr. Torsten Becker, Kardiologe am Neusser Lukaskrankenhaus. Oft kommt es zu schnellem unregelmäßigen Herzschlag. Der sonst geordnete elektrische Impuls wird in den Herzvorhöfen zu elektrischem Chaos. Die Folge: Schwächeanfälle und Angstzustände bis hin zur Todesangst.

Die Symptome von Vorhofflimmern können sehr unterschiedlich sein. Einige Menschen haben gar keine Beschwerden. Andere bemerken ein Unruhegefühl. Deutlicher sind Anzeichen wie Herzstolpern, Herzrasen oder ein unregelmäßiger Puls. Manche Betroffene spüren außerdem Atemnot, Schwindel, Müdigkeit oder Leistungsschwäche. Ein einfacher Hinweis ist, den Puls am Handgelenk zu fühlen: Ist er über längere Zeit unregelmäßig, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Sicher feststellen lässt sich Vorhofflimmern nur durch ein EKG.

Vorhofflimmern wird je nach Ursache und Beschwerden unterschiedlich behandelt.
Häufig kommen blutverdünnende Medikamente zum Einsatz, um das Schlaganfallrisiko zu senken. Das entsteht, weil sich durch das Flimmern Blutgerinnsel bilden können. Zusätzlich können Medikamente den Herzschlag verlangsamen oder den normalen Herzrhythmus stabilisieren. Bei manchen Patienten wird das Herz durch eine elektrischen Impuls wieder in den normalen Rhythmus gebracht. Eine weitere Möglichkeit ist eine minimalinvasive OP, bei der ein Katheder bis zum Herzen des Patienten geschoben wird, und dort störende elektrische Erregungszentren gezielt verödet werden.

Verschiedene Behandlungsarten via Katheder

Stefanie Müller-Lecke wurde von ihrer Kardiologin ans Neusser Lukaskrankenhaus überwiesen. Dort wird nach der Pulsed Field Ablation-Methode, kurz PFA, operiert. Eine circa halbstündige Operation, bei der über einen Katheder, der von der Leiste bis zum Herzen geführt wird, elektrische Impulse gegeben werden, die dazu führen sollen, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen.

EKG an Patientin wird duchgeführt

Kein Vorhofflimmern mehr erkennbar: Stefanie Müller-Lecke bei der Nachsorge in Neuss

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"Es ist ein sehr starker aber extrem kurzer elektrischer Impulses auf den Herzmuskel, dadurch kommt es zu Porenbildung in den Herzmuskelzellen, welche dann absterben und kein 'Chaos' mehr verursachen können", erklärt Dr. Torsten Becker, Kardiologe am Neusser Lukaskrankenhaus und Leiter der Elektrophysiologie.

"Rückfälle treten im ersten Jahr bei etwa 20 Prozent der Patienten auf, in den darauffolgenden Jahren muss bei etwa fünf Prozent der Patienten pro Jahr mit einem Rückfall gerechnet werden. In diesen Fällen muss die Ablationsbehandlung gegebenenfalls wiederholt werden." Prof. Daniel Steven, Leiter der Elektrophysiologie der Uniklinik Köln

Im Vergleich zu Ablationen mit Hitze- oder Kältereizen wirkt die PFA gezielt auf den Herzmuskel und sogenannte Kollateralschäden wie Verletzungen von Nervengewebe und Speiseröhre können verhindert werden. Außerdem, so Prof. Steven, dauere dieser Eingriff nur etwa 30-45 Minuten im Vergleich zu andern Ablationsverfahren, die bis zu anderthalb Stunden dauern und die Patienten dadurch mehr belasten würden.  

Müller-Lecke: "Bin so glücklich, dass es mir wieder gut geht!"

Stefanie Müller-Lecke hat ihre OP gut überstanden, das Vorhofflimmern sei bisher nicht mehr aufgetreten, erzählt sie erleichtert. Auch ihr Mann und die beiden Kinder seien froh. Die Angst vor einem erneuten Zusammenbruch war eine Belastung für die ganze Familie. Eine Zeit, die sie hinter sich gelassen hat. Eine völlig neue Lebensqualität habe sie heute, so ihr Fazit.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Stefanie Müller-Lecke
  • Gespräch mit Professor Daniel Steven, Leiter der Elektrophysiologie der Uni Klinik Köln
  • Gespräch mit Dr. Torsten Becker, Leiter der Elektrophysiologie des Lukas Krankenhauses in Neuss

Sendung: WDR.de, Schonende OP bei Vorhofflimmern: Willicherin von Todesangst befreit , 07.09.2026, 14:45 Uhr

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