Anwohner-Protest gegen Drogenhilfezentrum in Düsseldorfer Wohngebiet

WDR 00:42 Min. Verfügbar bis 30.06.2028

Düsseldorfer Drogenhilfezentrum Anwohner-Sorgen um Kinder und Jugendliche

Stand:

Die Kritik an der geplanten Einrichtung mit Mikrohandel reißt nicht ab. Jetzt hat Düsseldorf den ersten Träger gefunden.

Die Stadt Düsseldorf treibt ihre Pläne für ein umstrittenes neues Drogenhilfezentrum im Stadteil Oberbilk weiter voran. Die Politik soll am Dienstag den Träger für das erste Betriebsmodul der neuen Einrichtung beauftragen.

Der Sozialdienst katholischer Frauen und Männer - kurz: SKFM - soll sich nach der Empfehlung der Verwaltung künftig um den Tagesaufenthalt der suchtkranken Menschen vor Ort kümmern. Unterdessen kritisieren Anwohner, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, weiterhin massiv die Standortauswahl.

Initiative: Viele Fragen ungeklärt

In einer ausführlichen Stellungnahme bemängelt die Initiative, dass viele Fragen rund um das Drogenhilfezentrum bisher nicht geklärt oder von der Stadt transparent erläutert worden seien. Dabei gehe es vor allem um den Kinder- und Jugendschutz, weil das Zentrum in unmittelbarer Nähe zu Schulen und Kindertagesstätten liegt, wie sich die Einrichtung auf die Nachbarschaft auswirkt und welche Erkenntnisse es aus vergleichbaren Einrichtungen in anderen Städten gibt.

Eine breite Häuserfront von der Straße aus, davor Bäume

Mitten in einem Wohnviertel und neben zwei Schulen soll das Zentrum entstehen.

Die Anwohner beschäftigt besonders, dass das Drogenhilfezentrum ein Modellprojekt werden soll, in dem es auch Kleinsthandel mit Drogen erlaubt sein soll. "Gerade wenn neue Konzepte und teilweise noch ungeklärte rechtliche Rahmenbedingungen erprobt werden sollen, halten wir diesen Standort für äußerst problematisch", betont Initiativen-Sprecher Clemens Ingenhoven.

Stadt plant Projekt in Anlehnung an "Zürcher Modell"

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Die Stadt will Drogensüchtige mit der neuen Einrichtung von der Straße holen

Die Düsseldorfer Stadtspitze sieht die neue Einrichtung als "Teil eines stadtverträglichen Hilfenetzwerks". Zusammen mit weiteren Beratungsangeboten im Bahnhofsumfeld will sie die Drogenabhängigen von der Straße holen. Vor allem seitdem sich Crack als inzwischen meist konsumierte Droge auch auf den Straßen in Düsseldorf durchgesetzt hat, für die es bisher keinen Ersatzstoff gibt. Das soll unter anderem dadurch gelingen, dass in dem neuen Zentrum der Kleinsthandel mit Drogen toleriert werden soll.

Das ist ein zentraler Baustein des sogenannten "Zürcher Modells", mit dem die Stadt Zürich vor rund 30 Jahren eine erfolgreiche Wende in der Drogenpolitik einleitete und den Düsseldorf jetzt für ein eigenes "Düsseldorfer Modell" übernehmen möchte. "Nach den Zürcher Erfahrungen sind wir sicher, dass der Mikrohandel das entscheidende Element ist, um die Lage zu beruhigen und unter Kontrolle zu halten", sagte Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) dazu vor einigen Tagen der FAZ.

Anwohner warten auf Antworten

In zwei Infoabenden hatte die Stadt im Februar und März über ihre Pläne informiert. Viele Anwohner sehen aber immer noch viele ihrer Fragen nicht beantwortet. "Zum Schutz der Kinder wurde nichts gesagt", erklärt Initiativen-Sprecher Ingenhoven.

Er und seine Mitstreiter beklagen, dass die Stadt etwa keine Risikoabwägung vorgelegt habe, ebenso wie eine nachvollziehbare Prüfung anderer Standorte. Vertreter der Stadt betonten zu den Sorgen der Anwohner, dass Polizei und Ordnungsamt nach dem Start der Einrichtung stärker im Umfeld präsent sein und für Ordnung sorgen würden.

Drogenhilfezentrum soll schrittweise starten

Wann das umstrittene Drogenhilfezentrum in Betrieb gehen soll, ist aktuell noch offen. Die Stadt soll nach der politischen Zustimmung mit dem SKFM Verhandlungen aufnehmen, wie das Angebot der Tageshilfe konkret umgesetzt und finanziert werden soll.

Oberbürgermeister Düsseldorf Stephan Keller

Düsseldorfs OB Stephan Keller will ein Modellprojekt erreichen

Laut Stadt sollen die einzelnen Betriebsmodule - zu denen auch zum Beispiel psychosoziale Betreuung, Streetwork und medizinische Versorgung - nach und nach an den Start gehen. Ob dann perspektisch auch Mikrohandel möglich sein wird, ist noch unklar, denn bisher ist das strafrechtlich nicht erlaubt. Städte wie Köln und Düsseldorf wollen dafür aber Ausnahmeregeln erreichen, wie sie etwa für den öffentlichen Konsum in extra eingerichteten Drogenkonsumräumen gelten.

Anwohner sorgen sich wegen geplanten Drogenhilfezentrums

WDR 30.06.2026 00:39 Min. Verfügbar bis 29.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Stellungnahme Bürgerinitiative
  • Stadt Düsseldorf
  • Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 19.06.26
  • Ausschussvorlage

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 30.06.2026, 18.:09 Uhr

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