Das Bild zeigt ein Treffen der "Artgemeinschaft" im Sommer 2006 zur Sommersonnenwende

Das Bild zeigt ein Treffen der "Artgemeinschaft" im Sommer 2006 zur Sommersonnenwende

Bildquelle: Walhalla / YouTube

Verbotene "Artgemeinschaft" Razzia in Lippstadt wegen rechtsextremer Gruppe

Stand:

Ermittler haben in mehreren Bundesländern Wohnungen durchsucht, die im Zusammenhang mit der verbotenen Organisation "Artgemeinschaft" stehen sollen - auch in Nordrhein-Westfalen. Ausgangspunkt der Ermittlungen war Ostwestfalen-Lippe.

Die federführende Staatsanwaltschaft Halle an der Saale bestätigte dem WDR, dass es um eine Wohnung in Lippstadt ging. Medienberichte nannten weitere Objekte in Steinheim und in Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe. Dazu gab es aber keine offizielle Bestätigung.

Weitere Durchsuchungen gab es in Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen. Es seien Beweismittel, unter anderem Unterlagen und Datenträger, sichergestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Während der Einsätze sei es zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen, auch Festnahmen habe es nicht gegeben. Die Beweismittel sollen nun ausgewertet werden. 

Ermittlungen gegen mutmaßliche Unterstützer der "Artgemeinschaft"

Grundlage sei ein Verfahren gegen insgesamt 15 Beschuldigte, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Halle an der Saale. Ihnen werde vorgeworfen, die rechtsextreme "Artgemeinschaft" zu unterstützen. Zuvor hatten der "Spiegel" und die Magdeburger "Volksstimme" berichtet.

Ausgangspunkt in NRW

Ausgangspunkt der Ermittlungen war Ostwestfalen-Lippe, wie die Staatsanwaltschaft Detmold gegenüber der dpa erklärte. Es liefen gegen ein Ehepaar in Horn-Bad Meinberg und einen Beschuldigten in Steinheim Ermittlungen wegen des Verdachts, die verbotene Organisation fortzuführen, sagte Oberstaatsanwalt Christopher Imig.

Das Polizeipräsidium Bielefeld habe festgestellt, dass sich die drei Beschuldigten an einer Sonnenwendefeier im Juni in Gardelegen/Sachsen-Anhalt beteiligen wollten. Deshalb sei die Polizei in Sachsen-Anhalt eingeschaltet worden, wo es ebenfalls Durchsuchungen gab.

Durchsuchungen bei der "Artgemeinschaft"

WDR 27.08.2026 48 Sek. Verfügbar bis 26.08.2028 WDR Online

"Artgemeinschaft" seit 2023 verboten

Die "Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung", so der vollständige Name, war 2023 vom Bundesinnenministerium verboten worden. Sie gilt als sektenartige, rassistische und antisemitische Vereinigung. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Verbot.

Der Verein hatte zuletzt schätzungsweise rund 150 Mitglieder, war laut Bundeszentrale für politische Bildung bundesweit mit vielen rechtsextremen und neurechten Gruppierungen vernetzt und unterhielt gute Kontakte zur gewaltbereiten Neonazi-Szene. Die Gruppe feierte vor allem im geschlossenen Rahmen germanisch-heidnische Feste und veranstaltete sogenannte Gemeinschaftstage mit bis zu 250 Teilnehmern.

Ideologie der "Artgemeinschaft": Rassismus und Germanenkult als Religion

Wie Andrea Röpke und Andreas Speit in ihrem 2019 erschienenen Buch "Völkische Landnahme" festhalten, betrachtete sich die "Artgemeinschaft" als völkischer Kampfverband, in dem Rassismus und Germanenkult zur Religion erhoben würden.

Das "Sittengesetz" der Organisation gebiete "Zuneigung und Liebe gegenüber Verwandten, Freunden und Gefährten", "Wachsamkeit und Vorsicht gegenüber Fremden" sowie "Härte und Hass gegen Feinde".

Gegründet wurde die "Artgemeinschaft" 1951 von Alt-Nazi Wilhelm Kusserow (1901-1985), der bereits in den 1920er-Jahren das sogenannte deutschgläubige neugermanische Heidentum propagierte.

Symbole und Bezüge zum Nationalsozialismus

Als Gruppensymbol nutzte die "Artgemeinschaft" der Bundeszentrale für politische Bildung zufolge die sogenannte "Irminsul", auch Weltenbaum genannt. Das Gegensymbol zum christlichen Kreuz wurde im Nationalsozialismus von Ahnenforschern der SS genutzt. Ein weiteres Symbol der "Artgemeinschaft" war ein Adler, der einen christlichen Fisch greift.

Mit der Betreuung der vereinseigenen Cloud war laut Angaben des Bundesverwaltungsgerichts "eine Person aus dem Umkreis des NSU-Komplexes" betraut. Bei Mitgliedern seien zudem neben historischen Gegenständen aus der Zeit des Nationalsozialismus unter anderem groß dimensionierte Hakenkreuzfahnen sowie eine Vielzahl von Alltagsgegenständen mit Hakenkreuzen wie Kochschürzen oder Teelichthalter aufgefunden worden.

Unsere Quellen:

  • Staatsanwaltschaft Halle in der Saale
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Bericht des "Spiegel"

Sendung: WDR.de, Durchsuchungen bei der "Artgemeinschaft", 27.08.2026, 12:30 Uhr

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