Wurde der Dortmunder Matthias Helferich von seinem Bochumer Parteikollegen Knuth Meyer-Soltau vom Stuhl geschubst und beleidigt? Das muss heute das Essener Landgericht klären.
Helferich, der sich selbst einmal auf seiner Facebook-Seite als das "freundliche Gesicht des Nationalsozialismus" bezeichnet haben soll, sieht sich als Opfer seines Fraktionskollegen. Meyer-Soltau bestreitet das.
Eskalation beim AfD-Parteitag
Dortmunder AfD-Politiker Matthias Helferich
Bildquelle: ddp/RevierfotoDie Szene trägt sich am 12. Juli in Marl zu. Dort ist die NRW-AfD zusammengekommen, um für die kommende Landtagswahl ihre Landesliste aufzustellen. Die Stimmung ist aufgeheizt und angespannt, berichten Teilnehmer. Immer wieder, so ist in Medienberichten zu lesen, kommt es unter den Teilnehmern zu Wortgefechten. Es geht darum, wer welchen Listenplatz erhält.
In dieser Gemengelage soll Knuth Meyer-Soltau seinen Bundestagskollegen Matthias Helferich beleidigt und vom Stuhl geschubst haben, so der Vorwurf von Helferich. Der Bochumer widerspricht nicht nur, sondern hat Helferich auch gerichtlich untersagen lassen, diese Behauptung zu wiederholen.
Bei Verstoß bis zu 250.000 Euro Strafe
Knuth Meyer-Soltau bei der 74. Bundestagssitzung in Berlin
Bildquelle: ddp/dts NachrichtenagenturDas Landgericht Essen gibt Meyer-Soltau noch am 21. Juli Recht, weil der Bochumer eine eidesstattliche Versicherung abgibt. Sollte Helferich nun seine Darstellung von Schubsen und Beleidigen wiederholen, droht eine Strafe von bis zu 250.000 Euro.
Helferich wird in diesem ersten Verfahren nicht gehört. Dafür kann er Widerspruch einlegen, was er tut. Darum geht es am Donnerstag in diesem Verfahren. "Auch eine eidesstattliche Versicherung muss wahr sein," erklärt Matthias Murawski, Sprecher des Landgerichts, "andernfalls ist auch das eine Straftat".
Kontrahenten kommen aus verschiedenen AfD-Lagern
Durch die nordrhein-westfälische AfD geht ein Riss. Selbst ernannte "Liberal-konservative" um den Landesvorsitzenden Martin Vincentz, konkurrieren mit den ebenso selbst ernannten "patriotischen" Parteimitgliedern.
Helferich, Rechtsanwalt von Beruf, zählt zu den "Patrioten", Meyer-Soltau, auch Rechtsanwalt, gehört zu den "Liberal-Konservativen". Am Nachmittag um 15 Uhr in Saal 201 des Essener Landgerichts stehen sich beide gegenüber. Beide AfD, beide Bundestagsabgeordnete, beide aus dem Ruhrgebiet. Der Dortmunder Helferich hat drei Zeugen benannt, die seine Version stützen sollen, der Bochumer acht für seine Sichtweise der Dinge. Also insgesamt elf. Die beiden Bundestagsabgeordneten sind offensichtlich gut gerüstet.
Helferich vs. Meyer-Soltau: Gesucht wird die Wahrheit
Bei diesem Prozess geht es letztlich auch um Glaubwürdigkeit. Kann Helferich seinen Widerspruch gegen den Beschluss der Kammer vom 21. Juli durchsetzen? Wurde nun Gewalt angewandt und beleidigt? Am Ende steht einer der Kontrahenten möglicherweise als Lügner da oder zumindest als jemand, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.
Schadet das der AfD? "Nein", meint Dr. Klaus-Peter Hufer, der sich beruflich mit politischer Bildung gegen Rechtsextremismus beschäftigt, "die AfD tritt nach außen aggressiv auf und da kann man unterstellen, dass auch ihre internen Konflikte aggressiv ausgetragen werden."
Während Wähler etablierten Parteien Streitigkeiten als eine Art Schwäche auslegen, gilt das für die AfD offensichtlich - mit Blick auf die Umfragewerte - nicht. "Das liegt daran," so Hufer, "dass die AfD bisher noch keine Regierungsverantwortung übernommen hat. Regierungsparteien unterliegen offenbar strengeren Maßstäben der Wähler."
Unsere Quellen:
- Dr. Klaus-Peter Hufer, Fakultät für Bildungswissenschaften Universität Duisburg-Essen
- Matthias Murwaski, Sprecher Landgericht Essen
- Beobachtungen des WDR Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, AfD Streit vor Gericht, 03.09.2026, 11:50 Uhr
