Forderung nach "Bettelverbot" für Essener Innenstadt

Bildquelle: IMAGO/Hanno Bode

WDR 02:32 Min. Verfügbar bis 21.07.2028

Betreiber frustriert Forderung nach Bettelverbot für Essener Innenstadt

Stand:

Gastronomen klagen über immer aggressiveres Betteln in der Innenstadt. Die Stadt Essen denkt über ein Bettelverbot nach.

Steffi Möller ist frustriert. Seit 25 Jahren betreibt sie mit ihrem Mann Karussels in Essen. In der Innenstadt fühlen sie und ihr Karussel-Team sich mittlerweile immer öfter drangsaliert. Das Betteln um Geld sei immer häufiger und aggressiver geworden, sagt sie.

Angeschrien, bespuckt, beleidigt

Eine Frau mit roten Haaren steht in der Innenstadt

Steffi Möller betreibt einige Karussells in Essen.

Bildquelle: WDR

Besonders am Wochenende sei es schlimm. Nicht selten würden ihre Mitarbeiter angeschrien, bespuckt oder beleidigt, wenn sie um Geld bettelnde Personen abweisen. Ihrem Team hat sie deshalb klare Anweisungen gegeben: direkt das Ordnungsamt oder einen Sicherheitsdienst rufen, wenn es brenzlig wird.

Als Gegenmaßnahme fordert Möller ein Bettelverbot, ähnlich wie es die Stadt Dortmund zuletzt beschlossen hat. Fünf Meter um eine Gastronomie herum ist Betteln dort ab August untersagt. In Essen gibt es jedoch noch keinen konkreten Zeitplan für eine Entscheidung der Politik.

Entscheidung für Essen noch offen

Auch einige Essener Gastronomen haben jetzt ein Bettelverbot gefordert. Bislang kontrolliert in der Innenstadt der kommunale Ordnungsdienst aggressives Betteln und das Betteln mit Tieren.

eine Frau mit blonden Haaren, im Hintergrund hängen mehrere Bilder an der Wand

Silke Lenz, Sprecherin der Stadt Essen

Bildquelle: WDR

Darüberhinaus gibt es die sogenannte City Streife, einen privaten Sicherheitsdienst, der in engem Kontakt mit dem Ordnungsdienst und der Polizei steht. So versucht die Stadt kontinuierlich, das aggressive Betteln in der Stadt zu unterbinden, so die Stadt Essen.

"Allerdings, das ist auch klar: Wir können nicht immer zu jeder Zeit an jedem Ort sein." Silke Lenz, Pressesprecherin Stadt Essen

Immer mehr Crack-Konsumenten

Laut der Essener Suchthilfe steigt in Essen seit Jahren die Zahl der Crack-Konsumenten an. Da die Droge, die aus Kokain hergestellt wird, hochgradig süchtig macht und regelmäßigen Konsum fordert, brauchen Abhängige schnell wieder neuen Stoff zu kaufen. Das Geld wird häufig erbettelt.

ein Mann in einem schwarzen T-Shirt und Brille steht vor einem gelben Würfel

Ruben Planert von der Suchthilfe Essen

Bildquelle: WDR / Frank Zimny

Dass viele Konsumenten dazu auch wenig schlafen, essen und trinken, schlägt zusätzlich negativ auf ihre psychische Verfassung. Das Ergebnis wird von außen oft als aggressives Betteln wahrgenommen, so Ruben Planert.

Im Drogenhilfezentrum der Essener Suchthilfe können die Konsumenten wieder zur Ruhe kommen. Neben einem Schlafplatz während der Öffnungszeiten und einem Café mit kostenfreiem Frühstück bietet die Suchthilfe auch einen überwachten Drogenkonsumraum an.

Unsere Quellen:

  • Stadt Essen
  • Suchthilfe Essen
  • Gespräch mit Karusselbetreiberin Steffi Möller

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 21.04.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus Essen

1 / 2