Die Essenerin Janine Rähl hat sich bewusst ihr Bein amputieren lassen

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 02.07.2028

Essenerin lässt sich Bein amputieren "Die beste Entscheidung meines Lebens"

Stand:

Janine Rähl aus Essen hat ihr Bein nicht durch einen Unfall verloren. Sie entschied sich ganz bewusst für eine Amputation. Nach jahrelangen Schmerzen und 25 Operationen.

Es ist der 14. Oktober 2025. Janine Rähl geht mit zwei Beinen ins Krankenhaus und sie weiß: Sie wird mit einem Bein wieder herauskommen. Eine unvorstellbar emotionale Entscheidung, die sie kurz danach als "die beste Entscheidung ihres Lebens" bezeichnen wird.

Im Jahr 2020 begann alles mit einer Kreuzband-OP, weitere Eingriffe folgen, sie infiziert sich mit mehreren Keimen, bekommt eine Knieprothese. Trotzdem kann sie sich immer schlechter bewegen, insgesamt 25 Operationen muss sie über sich ergehen lassen. Doch nichts wird besser, alles wird schlimmer. Die gelernte Pflegefachfrau nimmt starke Schmerzmittel, um die Tage zu überstehen. Aufgrund der vielen Komplikationen rät ein Arzt ihr zu einer Amputation. "Ich wollte nicht mehr, dass die Schmerzen mein Leben bestimmen." Sie willigt ein.

"Am Tag meiner Entlassung war ich traurig, es sind Tränen geflossen. Nicht wegen des verlorenen Beins, sondern weil ich unsicher war, wie es zuhause weitergeht." Janine Rähl

Bein amputiert: Rückhalt durch Familie

Die 36-Jährige hat zum Glück eine starke Familie hinter sich, ihren Mann Andreas und ihre vierjährige Tochter Leoni. Ihr Mann stellt vieles zurück, kümmert sich um die Kleine und nimmt seiner Frau viel im Haushalt ab. Janine will ihr Leben zurück, lässt sich eine Hightech-Prothese anfertigen, mit der sie wieder laufen kann, sogar schmerzfrei.

Ihr ist wichtig, dass sie ihre Tochter von Anfang an in die neuen Lebensumstände einbezieht, nimmt sie mit in die Werkstatt des Orthopädietechnikers. Sie habe alles sofort angenommen und erkläre sogar den anderen Kindern in der Kita, warum Mama jetzt ein "Superheldenbein" hat. Leoni findet es auch selbstverständlich, die Prothese von Mama vom Bein zu entfernen und aufzuladen.

Janine Rähl sitzt mit ihrer Tochter und ihrem Mann auf einem Sofa

Janine Rähls Familie hält zusammen

Acht Monate ist die Amputation jetzt her. Eine schwierige Zeit, aber Janine fühlt sich glücklich, "zurück im Leben". Mit ihren beiden Hunden geht sie sogar allein spazieren, auch wieder ins Fitnessstudio. Denn Sport war ihr immer wichtig.

Nach der Amputation: "Ich bin das Tier im Zoo, man wird angestarrt"

Häufig schauen Leute beschämt weg, tuscheln oder starren sie an. Janine hat mit Vorurteilen und Barrieren zu kämpfen. Ihre Prothese zeigt sie in der Öffentlichkeit, auch um für mehr Akzeptanz zu werben. "Musst du eine kurze Hose anziehen, muss man das so zeigen?", murmeln die Leute manchmal im Vorbeigehen. Manchmal geht sie auch offen auf sie zu und sucht das Gespräch. "Man muss sich ein dickes Fell zulegen und akzeptieren, dass man anders ist."

Janine Rähl sitzt auf einem Indoor-Bike im Fitness-Center

Janine Rähl kann endlich wieder Sport machen

Janine teilt ihre Geschichte auch in den sozialen Medien, will anderen Betroffenen Mut machen. "Wichtig ist, sich ein Netzwerk aufzubauen, damit man nicht alleine ist." Aktuell kämpft die Essenerin für einen Behinderten-Parkausweis, doch die Behörden haben ihren Antrag abgelehnt. Ihr Auto hat sie zwar ihren Bedürfnissen entsprechend umbauen lassen, aber sie hat Probleme beim Ein- und Aussteigen.

In zwei Wochen bekommt sie eine neue Beinprothese, die ihr noch mehr Beweglichkeit bieten soll. Und dann will sie richtig durchstarten, wieder Snowboarden, Skifahren. Und auch ein Mammutmarsch steht auf ihrer Liste.

Unsere Quellen:

  • Gespräche und Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 02.07.2026, 19:30 Uhr
Erstveröffentlichung am 05.07.2026

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