Der 48-Jährige wird in Handschellen in den Schwurgerichtsaal des Landgerichts Dortmund geführt. Er hält sich eine rote Aktenmappe vor sein Gesicht. Seine langen Haare hat der Essener zu einem Dutt zusammengebunden. Der Beschuldigte atmet schwer, als er an seinem Platz angekommen ist.
Mit einer Schere Mutter erstochen?
An einem Samstag Mitte März ist er gemeinsam mit seiner Mutter in einem Hotel in Werne. Er soll sich auffällig verhalten und mit einer Wand gesprochen haben. Wenig später soll er im Hotelzimmer mehrfach mit einer Schere auf seine Mutter eingestochen haben. Die 72-Jährige verblutet. Mit einem Messer soll er sich selbst verletzt haben und dann blutend durch die Nacht geirrt sein.
Totschlag im Zustand der Schuldunfähigkeit
Wusste er, was er tut? Ist er schuldfähig? Ein von der Staatsanwaltschaft Dortmund beauftragter Gutachter sagt: nein. Der Beschuldigte habe an einer paranoiden Schizophrenie gelitten und sei nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Neun Semester soll der Beschuldigte Psychologie studiert haben. Ohne Abschluss. Irgendwann sei er dann wieder zu seiner Mutter gezogen, heißt es. Sie hätten eine sehr enge Beziehung zueinander gehabt.
Aussage des Beschuldigten
Zurzeit ist der 48-jährige Beschuldigte in einer psychiatrischen Klinik. Die Einschätzung des Gutachters sei nur vorläufig. "Er wird hier ein finales Gutachten erstatten, und anhand dieses Gutachtens wird man feststellen können, ob er tatsächlich schuldunfähig ist, wovon man bisher ausgeht oder ob er gegebenenfalls nur eingeschränkt oder vollschuldfähig ist", sagt Manuel Zdarta, stellvertretender Pressesprecher am Landgericht Dortmund.
Manuel Zdarta, stellvertretender Pressesprecher am Landgericht Dortmund
Bildquelle: WDR / JaspardDer Verteidiger des Beschuldigten hat angekündigt, dass er im Laufe des Prozesses eine Aussage seines Mandanten verlesen werde.
Unsere Quellen:
- Landgericht Dortmund
- Reporterin beim Prozessauftakt
Sendung: WDR.de, Sohn soll seine Mutter im Hotel getötet haben, 15.09.2026, 14:23