Schwimmlehrer Andreas Lüdecke

Bildquelle: WDR, Nicole Noetzel

WDR 1 Min. 21 Sek. Verfügbar bis 31.08.2028

Badehose statt Anzug Essener Schwimmlehrer war früher Businessman

Stand:

Helles Licht durchflutet die "Alte Badeanstalt" im Essener Stadtteil Altenessen. Der 20 Jahre alte Fynn liegt mit dem Rücken auf einer gelben Badenudel und lächelt. Der Schwimmunterricht mit seinem Lehrer Andreas Lüdecke macht ihn glücklich. Denn hier lernt er ohne Druck, sondern mit Leichtigkeit das Schwimmen.

Von Nicole Noetzel

Andreas Lüdecke hatte einen festen Job als Bürokaufmann für IT. Sein Job war ok, aber eher grau. Er trug graue Anzüge, saß vor einem grauen PC. Und so richtig war sein Herz nie dabei. Heute trägt er statt Anzug nur noch Badehosen und den grauen PC hat er gegen türkise Schwimmbäder eingetauscht.

"Ich liebe das Wasser, ich liebe es, Menschen etwas beizubringen. Keine Unterrichtsstunde, kein Kurs ist gleich," erklärt er. Der 49 Jahre alte Essener ist seinem Traum gefolgt und wurde Schwimmlehrer. Vom Aquafitness-Kurs bis hin zum Schwimmtraining für Menschen mit Behinderung bietet er alles an.

Schwimmen macht glücklich

Ein Schwimmlehrer bringt einem Schüler mit einer orangenen Poolnudel schwimmen bei

Schwimmlehrer Andreas Lüdecke bringt Fynn das Rückenschwimmen bei.

Bildquelle: Andreas Lüdecke

Heute trainiert er mit dem 20 Jahre alten Fynn. Fynn kam schon in der 30. Schwangerschaftswoche als Frühchen auf die Welt und hat Epilepsie. Trotz seiner Beeinträchtigung wollte er Schwimmen lernen. Andreas Lüdecke trainierte mit ihm und förderte sein Talent. Fynns nächstes Ziel: die Special Olympics Deutschland.

Rund 2500 Menschen hat Andreas Lüdecke in den letzten vier Jahren trainiert. Sie haben bei ihm das Seepferdchen, Bronze-, Silber- oder Gold- Abzeichen erlangt. "Im warmen Wasser lernt es sich leichter als im kalten. Gerade bei Kindern ist das erheblich. Nach zehn Minuten im kalten Wasser fehlt die Kraft."

Wärmeres Wasser erleichtert Training

Wenn Andreas Erwachsenen mit Wasserängsten das Schwimmen beibringen will, dann geht das am besten zu Zeiten, in denen kein anderer das Becken nutzt. "Gerade bei Erwachsenen ist die Scham so groß, wenn sie nicht schwimmen können, dass man viel Feingefühl braucht, um ihnen die Angst zu nehmen."

Schwimmlehrer Andreas Lüdecke beim Seepferdchen Kurs

Andreas Lüdecke beim Seepferdchen-Kurs.

Bildquelle: Adreas Lüdecke

Zirka acht Schwimmstunden seien nötig, um jemandem das Schwimmen beizubringen. Bei Kindern sei es außerdem wichtig, dass die Eltern mit ihnen parallel zum Unterricht ein Mal pro Woche ins Schwimmbad gehen und dort das Nass-Spritzen üben. Ohne Scheu vor Wasser klappe das Schwimmenlernen quasi von alleine.

Blau statt grau

Andreas Lüdecke bereut es keinen Tag, den festen Bürojob verlassen zu haben und jetzt als selbstständiger Schwimmlehrer zu arbeiten. Er hat seine Bestimmung gefunden. Und entspanntes Blau gefällt ihm sowieso besser als tristes Grau.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
  • Interview mit Andreas Lüdecke

Sendung: WDR.de, Schwimmlehrer Andreas Lüdecke, 01.09.2026, 05:00 Uhr

Weitere Beiträge aus Essen

1 / 2