Der 28-jährige Angeklagte sitzt links neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank im Essener Landgericht

Der Angeklagte soll psychisch krank sein

Bildquelle: WDR / Olaf Biernat

Femizid in Gelsenkirchen Psychiatrisches Gutachten im Mordfall Annalena vorgelegt

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Eine Psychiaterin hat heute im Mordfall Annalena ausgesagt. Ihr Gutachten klärt, ob der Täter schuldfähig ist.

Von Olaf Biernat und Björn Henke

Dieser Fall hat viele Menschen im Ruhrgebiet erschüttert. Ende vergangenen Jahres wurde die 24-jährige Annalena aus Herne auf offener Straße mit zwei Messerstichen in den Hals getötet. Sie hinterläßt ein Baby. Seit April muss sich der damalige Partner der jungen Mutter vor Gericht verantworten. Heute wurde ein psychiatrisches Gutachten vorgelegt, das mit Spannung erwartet wurde.

Schwere wahnhafte Störung

In der U-Haft hat der 28-Jährige mit einer Psychiaterin gesprochen. Die Gutachterin sagte, dass der mutmaßliche Täter an einer schweren und fortgeschrittenen wahnhaften Störung leide. Diese sei schwierig zu behandeln und seltener als eine schizophrene Psychose.

Die getötete Annalena aus Herne hält ihre kleine Tochter im Arm

Die getötete Annalena aus Herne mit ihrem Baby

Bildquelle: privat

Demnach soll der Angeklagte im Glauben gewesen sein, es gebe ein Komplott mit dem Ziel, ihn zu töten. Mindestens daran beteiligt sei seine Ex-Frau und die getötete damalige Partnerin Annalena.

Die Gutachterin empfiehlt eine Unterbringung mit Therapie nach §63 StGB. Dieser sieht eine unbefristete Sicherungsverwahrung vor, wenn eine psychisch erkrankte Person eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderter Schuldfähigkeit begangen hat.

Anwalt spricht von psychischer Erkrankung

Bereits zum Prozessauftakt Ende April dieses Jahres hatte der 28-Jährige gestanden, seine Partnerin Annalena vor der Wohnung seiner Eltern in Gelsenkirchen-Scholven mit zwei Messerstichen in den Hals getötet zu haben. Damals hatte sein Anwalt eine Erklärung verlesen und von einem psychisch labilen Zustand gesprochen.

Der Gelsenkirchener nehme ein starkes Medikament zur Behandlung von Schizophrenie und Bipolarität. Im Laufe des Prozesses war dann von einem Verfolgungswahn die Rede, unter dem der Angeklagte leide, auch von Todesangst und schwarzer Magie.

Große Anteilnahme

Auch heute sind zahlreiche Angehörige und Freunde der getöteten 24-Jährigen im Zuschauerbereich des Landgerichtes. Sie hoffen, dass es bald ein Urteil in dem erschütternden Fall geben wird. Zwei weitere Prozesstage sind noch für den 30. September und den 9. Oktober terminiert.

Neues Gutachten im Prozess um Mord an Annalena

WDR 01.09.2026 35 Sek. Verfügbar bis 31.08.2028

Die jüngere Schwester der Getöteten hatte kurz nach dem Verbrechen einen Spendenaufruf im Internet gestartet, um die Beerdigung bezahlen und dem Baby eine finanzielle Rücklage schaffen zu können. In wenigen Tagen kamen 50.000 Euro zusammen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Sprecher Landgericht Essen
  • Vorherige Berichterstattung im WDR

Sendung: WDR.de, Neues Gutachten im Prozess um Mord an Annalena, 01.09.2026, 10:08 Uhr

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