Jahrzehntelanger Missbrauch durch Kardinal Hengsbach

WDR 00:31 Min. Verfügbar bis 25.06.2028

Neue Studie Weitere Opfer melden sich zu Missbrauch durch Kardinal Hengsbach

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Wie konnte der Essener Kardinal Hengsbach Kinder missbrauchen und andere Priester decken? Eine Studie liefert erste Erkenntnisse.

Das Bistum Essen hatte, nachdem Vorwürfe gegen Kardinal Franz Hengsbach 2023 an die Öffentlichkeit gelangt worden waren, das Münchener Sozialforschungs-Institut IPP mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Falls beauftragt. Heute wurden erste Ergebnisse der Studie vorgestellt, die zeigen, dass das Ausmaß möglicher Taten größer ist, als bisher angenommen.

Demnach gibt es neben zwei bereits bekannten Opfern weitere Betroffene, die sich nach Aufrufen des IPP gemeldet haben, dazu zahlreiche Zeitzeugen. Bei den Opfern handelt es sich um drei Mädchen und vier Jungen, denen Hengsbach in den 50er bis 80er Jahren sexuelle Gewalt angetan haben soll. In dieser Zeit war Hengsbach Seelsorge-Chef im Bistum Paderborn (ab den 50er Jahren) und anschließend Bischof in Essen (bis 1990).

"Die Doppelbödigkeit der katholischen Kirche"

Dass ausgerechnet Hengsbach, der hochangesehene Ruhrbischof, Adveniat-Gründer und Militärbischof in Berlin, ein Pädokrimineller gewesen sein soll, war 2023 ein Schock nicht nur für die Gläubigen in Essen. Hengsbach stehe für "die Doppelbödigkeit der katholischen Kirche", so das Ergebnis der Forschenden.

Weitere Opfer melden sich zu Missbrauch durch Kardinal Hengsbach

WDR 25.06.2026 00:48 Min. Verfügbar bis 24.06.2028

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Bekannt geworden ist laut Studie auch, dass sich die Missbrauchvorwürfe auch auf Hengsbachs Bruder Paul beziehen - er war ebenfalls Priester. Die beiden sollen gemeinsam einem Mädchen Gewalt angetan haben. Paul Hengsbach hatte dies zu Lebzeiten immer abgestritten. Und auch Kardinal Hengsbach selbst hatte in den 80er Jahren in einem Fall konkrete Vorwürfe zurückgewiesen.

Mögliche weitere Übergriffe dürften nicht dokumeniert worden sein

Zu hohe Erwartungen an die vom Bistum Essen beauftragte Forschung seien allerdings nicht angebracht: "Je prominenter die Täter, um so seltener finden wir grundsätzlich Nachweise, die dokumentiert sind", ordnet es Kirchenrechtler Professor Thomas Schüller von der Universität Münster ein. Vieles dürfte also nie bekannt werden.

Ruhrbischof Overbeck hielt Informationen zurück

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck im Portrait

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck

Mitverantwortlich für die beschwerliche Aufklärung der Vorfälle ist auch der amtierende Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Er hatte bereits 2011 von dem Missbrauchsvorwurf einer Frau - als Opfer noch ein Kind - gegen Hengsbach gewusst und die Information damals nicht weitergegeben.

Der Essener Bischof hatte sich 2023 dafür entschuldigt und sich auch heute bei der Vorstellung der ersten Studienergebnisse noch einmal geäußert. Er habe sich nicht vorstellen können, dass ein "so heroisierter Bischof" zu so etwas fähig sei und sei den Vorwürfen deshalb nicht nachgegangen, so Overbeck. Dass den Betroffenen so viele Jahre nicht geglaubt wurde und sie allein gelassen wurden, bedauere er heute.

Mögliche Täternetzwerke werden 2027 beleuchet

Die Betroffenen werden wohl auch weiterhin noch auf die Aufklärung der Vorfälle warten müssen. Dem Thema Machtmissbrauch und möglicher Komplizenschaften mit anderen übergriffigen Geistlichen oder sogar Täternetzwerken werden die Forschenden des IPP erst 2027 in ihrem Abschlussbericht nachgehen. "Ich hätte gerne schneller Fakten gehabt - immerhin dürfte das älteste Opfer fast 90 Jahre alt sein", so WDR-Kirchenexperte Theodor Dierkes.

"Wir sprechen jetzt von einem Täter"

Einen kleinen Teilerfolg nehmen die Betroffenen aber jetzt schon aus den Zwischenergebnissen der Studie mit, der auch für die weitere Aufarbeitung wichtig ist: "Wir sprechen jetzt nicht mehr von einem Angeschuldigten, sondern einem Täter", fasst Johannes Norpoth, Betroffenen-Vertreter zusammen. In vier Fällen gelten die Anschuldigungen gegen Franz Hengsbach demnach als glaubwürdig.

Neue Missbrauchsstudie des Erzbistums Paderborn: Welche Rolle spielt Kardinal Hengsbach darin?

Lokalzeit Ruhr 13.03.2026 28:32 Min. Verfügbar bis 13.03.2028 WDR Von Carmen Krafft-Dahlhoff

Unsere Quellen:

  • Zwischenbericht der wissenschaftlichen Aufarbeitung
  • Pressekonferenz der Institute
  • Gespräch mit Betroffenen
  • Gespräch mit Wissenschaftlern

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 25.06.2026, 12:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 25.06.2026, 18.45 Uhr

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