Essen hat wieder ein Chester-Bennington-Denkmal
Bildquelle: WDR/ Agata PilarskaLinkin Park-Gedenkstätte in Essen erneuert : "Das ist mein Vermächtnis"
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Nach ihrer frühen Pensionierung wegen Depressionen wusste Gabriele "Gabi" Schwab nicht mehr, wofür sie morgens aufstehen sollte. Halt fand sie in der Musik von Linkin Park. Heute kämpft sie in Essen für einen Ort, der auch anderen Menschen zeigen soll: Ihr seid nicht allein.
Pinke Blumen und viele Kerzen schmücken an diesem spätsommerlichen Samstagnachmittag den Musik-Pavillon im Altenessener Kaiser-Wilhelm-Park. Rund zehn Menschen haben sich um Vereinsgründerin Gabi Schwab versammelt. Sogar die Sektgläser sind pink - die Lieblingsfarbe des Musikers, der sie alle zusammengebracht hat: Chester Bennington. "Ich hoffe, es hält länger als das alte. Prost zusammen!", sagt Schwab.
Die Gruppe aus Vereinsmitgliedern und Fans stößt darauf an, dass das durch Wind und Wetter beschädigte Graffiti des Linkin-Park-Sängers endlich erneuert ist. "Dieser Ort ist wie mein Baby", sagt Schwab. Seit Jahren kämpft die 64-Jährige dafür, die Gedenkstätte zu erhalten.
Chester Benningtons Musik gab ihrem Leben neuen Sinn
Schwab leidet selbst unter Depressionen. Mit 53 Jahren musste sie deshalb vorzeitig in Pension gehen. Sie habe damals nicht mehr gewusst, welchen Sinn ihr Leben noch habe: "Man steht morgens auf, isst etwas, geht mit dem Hund spazieren, kommt nach Hause und geht wieder ins Bett. Und dann fragt man sich: War es das?" In dieser Zeit entdeckte sie Linkin Park und begann, sich mit Chester Bennington und seiner Lebensgeschichte zu beschäftigen.
2017 sah sie Bennington noch einmal mit Linkin Park in Amsterdam auf der Bühne. Wenige Wochen später starb der Sänger im Alter von 41 Jahren durch Suizid. Für Schwab und viele andere Fans war sein Tod ein Schock. In Benningtons Musik fand sie Worte für Gefühle, die sie selbst kannte. "Er spricht mir mit seinen Texten und den Gefühlen, die er hineinbringt, aus der Seele", sagt Schwab. Die Musik und die daraus entstandene Gemeinschaft hätten ihrem Leben schließlich wieder eine Aufgabe gegeben.
Von einer abgerissenen Wand zum Musikpavillon
Die heutige Gedenkstätte hat ihren Ursprung an der Essener Zollstraße. Dort hatte der Künstler David Landgraf ein Porträt des Sängers gesprüht. Für Fans wurde die Wand schnell zu einem Treffpunkt, um gemeinsam zu trauern. Als feststand, dass sie einem Bauprojekt weichen sollte, starteten die Fans eine Petition. Erhalten werden konnte die Wand trotzdem nicht. Als Alternative stellte die Stadt ihnen 2018 den Musikpavillon im Kaiser-Wilhelm-Park zur Verfügung.
Um die Zusammenarbeit mit der Stadt zu regeln und den neuen Erinnerungsort aufzubauen, gründeten die Fans einen Verein. Gabi Schwab übernahm den Vorsitz. Auch das erste Graffiti am Pavillon gestaltete Landgraf. Allerdings war die Wand kaum vor Regen und Feuchtigkeit geschützt. Mit den Jahren blätterten Farbe und Putz ab. Ein erster Versuch, den Untergrund zu erneuern, ging schief: Der neue Putz löste sich erneut von der Wand.
Chester-Bennington-Denkmal von Grafitti-Künster David Landgraf
Bildquelle: WDR/ Agata PilarskaJetzt hat Landgraf ein neues Motiv geschaffen. "Ich kann verstehen, dass David nicht zum dritten Mal dasselbe Bild malen wollte", sagt Schwab. Der Verein musste lediglich die Materialkosten von weniger als 200 Euro bezahlen. Die Vorbereitung der Wand zog sich allerdings hin. Wetter, ein früher Winter und krankheitsbedingte Ausfälle verzögerten die Arbeiten immer wieder.
Mehr als politische Unterstützung
Hilfe bekam der Verein auch aus dem Stadtteil. Die Bezirksvertretung unterstützte das Projekt und will sich nun auch an weiteren Arbeiten beteiligen. Unter anderem soll der Boden des Pavillons mit einem widerstandsfähigen Steinteppich versehen werden. "Wenn es um die Gebäudesubstanz und ihren Erhalt geht, ist es wichtig, dass wir unterstützen", sagt Jürgen Garnitz.
Der stellvertretende Bezirksbürgermeister beließ es nicht nur bei Worten. Garnitz führt selbst einen Dachdeckerbetrieb und rückte mit Steiger und Hochdruckreiniger an, um das Dach sauber zu machen. Für ihn belebt die Gedenkstätte den Park und bringt Menschen zusammen. Durch den Verein habe auch er mehr über Bennington, seine Geschichte und psychische Erkrankungen erfahren.
600 Kilometer für einen Ort der Gemeinschaft
Wie weit die Bedeutung der Gedenkstätte über Essen hinausreicht, zeigt Manuel Ahlers. Er ist rund 600 Kilometer aus Brandenburg angereist, um bei der Einweihung dabei zu sein. Auch er kennt psychische Probleme aus eigener Erfahrung. "Sie werden oft verschwiegen oder abgetan: Du hast doch nichts, du stellst dich nur an. Aber das ist nicht so", sagt er. Benningtons Musik habe ihm mehr als einmal geholfen, schwere Situationen zu überstehen.
Der Verein will auch weiterhin auf Depressionen und Suizid aufmerksam machen. Über Jahre hing an der Gedenkstätte eine Tafel mit der Nummer der Telefonseelsorge. Nach Abschluss der Arbeiten soll sie wieder angebracht werden. Schwab wird den Vorsitz demnächst abgeben, um sich voll und ganz einer neuen Herausforderung zu widmen: Sie kümmert sich um die T-Shirts einer Linkin-Park-Coverband. Ganz zurückziehen will sie sich aber nicht. Zu viel Arbeit und ein zu großer Teil ihres eigenen Lebens stecken in diesem Ort.
Der Verein "LP The Wall" und Linkin-Park-Fans feiern ihr neues Denkmal
Bildquelle: WDR/ Agata Pilarska"Es ist schön, dass ich etwas hinterlasse - für die ganze Community. Das ist mein Vermächtnis." Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die Gedenkstätte nicht beschädigt wird und wieder zu einem offenen Treffpunkt wird: "Für Jung und Alt, für Menschen mit Depressionen und ohne Depressionen - ein Platz, an dem man zusammenkommt. Egal, welche Hautfarbe oder politische Richtung. Nur das Zusammensein und die Musik zählen."
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Gabriele Schwab
- WDR-Interview mit Jürgen Garnitz
- WDR-Interview mit Manuel Ahlers
- Gespräche und Eindrücke der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Chester-Bennington-Gedenkstätte in Essen erneuert, 21.09.2026, 09:43 Uhr
